Friedrichshain

Anwohner diskutieren über die Zukunft des RAW-Geländes

Baustadtrat Florian Schmidt informiert über die Pläne und muss die Interessen von Anwohnern, Partygängern und Investoren beachten.

Baustadtrat Florian Schmidt informierte über die Entwicklungsmöglichkeiten des RAW-Geländes

Baustadtrat Florian Schmidt informierte über die Entwicklungsmöglichkeiten des RAW-Geländes

Foto: David Heerde

Berlin. Selbst an einem gewöhnlichen Dienstagabend ist die Gegend keine gewöhnliche. Denn obwohl kein Partywochenende ist, haben sich in den Räumlichkeiten des beliebten Clubs Astra mehrere Hundert Menschen versammelt. Sie stehen um Tische, Tafeln und Modelle. Diskutieren, kreieren und streiten auch ein bisschen. Denn es geht um nicht weniger als die Entwicklung einer der spannendsten Flächen Berlins: das RAW.

Mittendrin steht Florian Schmidt (Grüne). Der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg ist zufrieden. Mit dem Dialog, den die Bewohner seines Bezirks angenommen haben. Dass es so friedlich verläuft, ist nicht selbstverständlich. „Das RAW-Gelände ist außergewöhnlich“, sagt Schmidt. Es werde von etlichen Parteien genutzt: Kultur, Freizeit, Party, Sport, „aber da kann man was draus machen“.

Schmidt, der mit seiner konsequenten Umsetzung des bezirklichen Vorkaufsrechts von Wohnungen auf sich aufmerksam gemacht hat, ist stolz auf diesen Dialog, den er heute zum ersten Mal angesetzt hat. Aber er weiß auch um die Konflikte, die das einstige Reichsbahn-Ausbesserungs-Werk mit sich bringt. Da sind die Clubs, die jedes Wochenende Tausende Besucher anziehen und viel Geld einbringen, aber eben auch Probleme. Da sind die Künstler- und Gewerbetreibenden, die Angst vor Verdrängung haben. Und weiter hinten, Richtung Ostkreuz, die Investoren und Besitzer der Flächen, die Büros und Wohnungen im Sinn haben, auch wenn sie beteuern, dass ihnen eine gesunde Mischung wichtig ist. Über allem die Anwohner, die die Entwicklung ihres Kiezes genau beobachten. All das gilt es nun unter einen Hut zu bringen.

In 20 Jahren sind viele Anwohner Senioren

Dafür haben Bezirksamt und Eigentümer ein Planungsbüro beauftragt, das mit drei Workshops ermitteln soll, wie das 8800 Quadratmeter große Gelände weiterentwickelt werden könnte. An sieben „Stationen“ dürfen sich Anwohner und Interessierte am Dienstag im Astra austauschen. Im Sommer sollen dann drei Konzepte vorliegen, aus denen man dann weitere Schritte ableiten will. Und als nach drei Stunden Dialog die Ergebnisse zusammengefasst werden, wird klar: Es gibt unendlich viele Meinungen.

Denn das RAW-Gelände ist so facettenreich wie der Bezirk selbst. Da gibt es die Alteingesessenen. Sie fordern, dass endlich das Problem mit dem Lärm und der Kriminalität gelöst wird. Diese Debatte fand ihren Höhepunkt, als 2015 ein Freund der Popsängerin Jennifer Rostock auf dem Gelände mit einem Messer schwer verletzt wurde. Seitdem hat sich einiges verbessert, aber „Halli Galli ist hier nach wie vor“, sagt ein Anwohner. Und wer einen Blick auf die Kärtchen an den Tafeln wirft, liest auch Kommentare wie diesen: Dass viele Anwohner in 20 Jahren nämlich Senioren seien, und man auch an diese Gruppe denken müsse.

Viel diskutiert wird auch darüber, wie das Gelände an das Umfeld angebunden werden soll. Von der Warschauer Straße aus etwa gibt es nur eine provisorische Treppe. Ein Thema sind auch die Parkplätze, die zuletzt in der Gegend wegen des Baus von Radwegen wegfielen. Hier schlagen einige ein Parkhaus an der Modersohnstraße vor. Und andere wünschen sich eine direkte Anbindung an den S- und U-Bahnhof Warschauer Straße. Und mehr Grünflächen auf dem Gelände fänden alle gut.

Ein spezieller Wunsche dringt auch immer durch: Das RAW-Gelände soll niemals ganz fertig werden. Immer ein Ort für neue Ideen, ein Kreativspielplatz. „Frühestens in zwei bis drei Jahren werden erste Änderungen sichtbar sein“, sagt Baustadtrat Schmidt. Und auch dann soll dieser besondere Ort immer etwas unfertig sein. Das dürfte in einer Stadt wie Berlin nicht ganz so schwer werden.

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