Berlin-Friedrichshain

Mercedes-Platz: So soll Berlins neue Partymeile aussehen

In fünf Monaten soll der Mercedes-Platz in Friedrichshain samt Kinowelt und Konzerthaus so aussehen wie auf den Simulationen.

Insgesamt rund 20 Läden, Cafés, Restaurant und Bars sollen ab Herbst den Mercedes-Platz beleben

Insgesamt rund 20 Läden, Cafés, Restaurant und Bars sollen ab Herbst den Mercedes-Platz beleben

Foto: Alexander Ware / ©Archimation 2017

Berlin.  Die Tickets für das erste Konzert können im Internet bereits gebucht werden. Doch noch sieht die Music Hall an der Spree in Friedrichshain eher wie ein gigantisches, ziemlich leeres Baustofflager aus. Dass die 86 Meter lange, 55 Meter breite und 26 Meter hohe Veranstaltungshalle tatsächlich in fünf Wochen fertig sein soll, ist schwer zu glauben. Doch Michael Kötter, Projektleiter bei der Anschutz Entertainment Group (AEG), versichert: „Wir sind im Zeitplan.“ Und dieses Versprechen gilt nicht nur für die Konzerthalle: Ende September, Anfang Oktober soll das gesamte Vergnügungsviertel nach amerikanischem Vorbild an der Mercedes-Benz Arena fertig sein.

Bis es so weit ist, haben nur die Leute vom Bau zu der Megabaustelle Zutritt. Wo heute noch Betonmischer stehen, Lastenaufzüge an den eingerüsteten vier großen Gebäudekomplexen unablässig Baustoffe in die Höhe transportieren, sollen schon bald täglich Hunderte Menschen arbeiten und Tausende Besucher unterhalten werden. Schon heute ist der Platz alles andere als verwaist. Bis zu 400 Bauarbeiter sind täglich im Einsatz.

Nachdem auf dem Gelände des ehemaligen Ostgüterbahnhofes US-Milliardär Philip Anschutz im Jahr 2008 zunächst die große Arena mit bis zu 17.000 Plätzen eröffnet hatte, hatte es acht Jahre gedauert, bis der zweite Bauabschnitt erfolgte. Vor zwei Jahren war es dann so weit: Im Juni 2016 legte das Unternehmen den Grundstein für die Platzbebauung vor der Arena – und versprach 2018, zum zehnten Geburtstag der großen Arena fertig zu sein.

Ein Versprechen, das auf den großen Berliner Baustellen schon so mancher gegeben hatte – und gründlich Schiffbruch erlitt, wie etwa auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER, der am kommenden Sonntag vor sechs Jahren eröffnet werden sollte. Doch anders als am BR, der nach neuesten Schätzungen der Flughafengesellschaft nun im Jahr 2020 endlich fertig werden soll, ist man im Bauteam am Mercedes-Platz sicher, im Herbst 2018 eröffnen zu können. Wie genau das gefeiert werden soll, darüber schweigt sich die AEG derzeit noch aus. Nur so viel: „Das große Ziel ist, dass sämtliche Nutzungen am Eröffnungstag auch tatsächlich offen sind“, sagt Projektleiter Kötter.

Auf einer Grundfläche von 20.500 Quadratmetern – das entspricht knapp drei Fußballfeldern – sind vier Gebäudekomplexe um einen 6500 Quadratmeter großen öffentlichen Platz angeordnet. Und auch wenn davon derzeit noch kaum etwas zu sehen ist, soll der öffentliche Platz, unter dem sich die Tiefgarage befindet, mit Wasserfontänen und Schatten spendenden Platanen gestaltet werden.

Immerhin: Der Abgang zur Tiefgarage in dem „Raumteiler“ in der Mitte des Platzes, den sich übrigens das sogenannte Baukollegium von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gewünscht hatte, ist schon gut zu erkennen.

Auch in der bereits erwähnten „kleinen Schwester“ der großen Arena, der nach einer Versicherung benannten „Verti Music Hall“, ist zumindest die Grundausstattung zu erkennen – die beiden Zuschauertribünen, die umlaufende Galerie, die Bühne, das Parkett. Je nach Veranstaltungsart kann die Halle mit 2000 bis zu 4500 Plätzen ausgestattet werden. Im gegenüberliegenden Gebäude entsteht eine UCI Kinowelt mit einem Premierenkino und weiteren 13 Sälen und die Bowling World mit 28 Bahnen. Deren Gastronomiebereich im zweiten Stockwerk wird zudem eine Terrasse mit Sitzplätzen und mit Blick auf den Platz haben.

Gastronomie ist ohnehin ein wichtiges Thema. In die Erdgeschosse der beiden Gebäude werden zehn bis 15 Cafés, Restaurants und Bars einziehen.

Angrenzend an diese beiden Gebäude sind zwei weitere Gebäudekomplexe in Bau, die den Platz zur Mühlenstraße hin einfassen (siehe Grafik unten). Auf der einen Seite entstehen zwei Hotels (Indigo, Hampton by Hilton) – eines mit 118, eines mit 254 Zimmern – sowie ein weiteres Bürogebäude mit 600 Arbeitsplätzen. Das Gebäude hat sich bereits der stark expandierende Internethändler Zalando komplett gesichert, die Konzernzentrale liegt in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Dächer werden zugänglich gemacht

Während auf dem Dach des Indigo-Hotels eine Hotelbar für die Hausgäste entsteht, wird das Dach des Zalando-Gebäudes für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich – zumindest für die meisten Tage im Jahr. Ein verglaster Pavillon mit angeschlossener Terrasse, von dem aus die Besucher einen fantastischen Weitblick über die Stadt haben. Und vor allem über die 1,3 Kilometer lange East Side Gallery, die Open-Air-Ausstellung auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer, die sich unmittelbar zu ihren Füßen erstreckt. Lediglich wenn die Dachterrasse für Firmenfeiern oder ähnliche Events gebucht wird, bleibt das Restaurant gesperrt.

Ursprünglich sahen die Planungen auch ein Besucherzentrum für die East Side Gallery in dem Gebäude vor. Das hatte sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg noch vor zwei Jahren gewünscht. Doch inzwischen ist nicht mehr der Bezirk, sondern die Stiftung Berliner Mauer für die East-Side Gallery zuständig. Und diese favorisiert nun einen Anlaufpunkt direkt an der Mauer, wie Kötter berichtet. Dennoch bliebe es dabei, dass Anschutz den Unterhalt der Mauer-Gallery mit 50.000 Euro jährlich unterstütze, versichert er.

Der Mercedes-Platz soll samt seiner Randbebauung rund 200 Millionen Euro kosten. Wenn alles läuft wie von den Bauverantwortlichen geplant, wird es auch im weiteren Umfeld des Platzes in diesem Herbst Grund zum Feiern geben. So hat die Freo-Gruppe angekündigt, ihre East Side Mall ebenfalls im Herbst 2018 zu eröffnen. Sie baut seit Mai 2016 auf dem Gelände zwischen der Mercedes-Benz Arena und der Warschauer Brücke. 120 Geschäfte, gastronomische Angebote sowie ein Fitnessstudio ziehen in den futuristisch anmutenden Bau ein, den der niederländische Architekt Ben van Berkel entworfen hat. Die Baukosten betragen auch hier nach Angaben des Investors rund 200 Millionen Euro.

Doch auch wenn diese beiden Bauvorhaben endlich fertig sind, wird das Quartier nicht frei von Baukränen sein. In den vergangenen Wochen haben bereits zwei weitere Investoren ihre Baupläne vorgestellt. So soll gleich neben dem Einkaufszentrum ein 140 Meter hoher Büroturm für rund 400 Millionen Euro errichtet werden. Und an der Tamara-Danz-Straße ist ein Hochhaus mit 90 Metern geplant.

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