Berlin-Kreuzberg

Zalando zieht sich vom Cuvry-Gelände zurück

Zalando baut nicht in Kreuzberg. Der Internethändler machte von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch und kündigte den Mietvertrag.

Blick auf die Cuvry-Brache an der Spree (Archivbild)

Blick auf die Cuvry-Brache an der Spree (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene / picture alliance / Jens Kalaene/

Berlin. Kaum ein Berliner Bauprojekt war in den vergangenen Jahren so umstritten wie die Bebauung der Cuvry-Brache in Kreuzberg, einer 11.000 Quadratmeter großen Freifläche zwischen Spree, Schlesischer Straße und Cuvrystraße. Die Ankündigung des Internet-Händlers Zalando, dort Büros mit einer Gesamtfläche von 34.000 Quadratmetern zu mieten, sorgte im vergangenen Jahr für Aufregung, Gentrifizierungsgegner und Anwohnerinitiativen wie „Bizim Kiez“ protestierten. Seit Mittwoch ist nun klar, dass die Angst vor dem neuen Nachbarn unbegründet war. Wie die Berliner Morgenpost exklusiv erfuhr, hat Zalando von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht und den Mietvertrag gekündigt.

Bodenplatte für Bürohaus nicht rechtzeitig hergestellt

Der Rückzug habe nichts mit der Angst vor gewalttätigen Protesten aus dem Kiez zu tun, versichert der Internet-Gigant. „Leider mussten wir im Laufe der Bauarbeiten aber feststellen, dass vertraglich festgelegte Fristen und Meilensteine seitens der Cuvrystraße 50–51 Berlin GmbH nicht eingehalten wurden“, sagt Zalando-Sprecherin Nadine Przybilski. Deshalb habe man sich entschlossen, von vertraglichen Rechten Gebrauch zu machen und von dem Mietvertrag mit der Cuvrystraße 50–51 Berlin GmbH zurückzutreten.

Als sogenannter Meilenstein für den Baufortschritt war etwa vereinbart worden, dass die Bodenplatte für das zu errichtende Bürogebäude im Dezember 2017 fertig sein sollte. Als das nicht der Fall war, wuchs in dem stark wachsenden Unternehmen offenbar die Sorge, dass der Bauherr seinen vertraglichen Pflichten nicht fristgerecht nachkommen kann.

Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

In keiner Großstadt Deutschlands sind die Mieten für Normalverdiener so unerschwinglich wie in Berlin. Zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten in Berlin um 20% gestiegen - Platz 8 im deutschlandweiten Städteranking.
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Zalando beschäftigt nach eigener Aussage aktuell mehr als 6000 Mitarbeiter in Berlin, deren Arbeitsplätze momentan über verschiedene Standorte verteilt sind. In diesem und im kommenden Jahr will das Unternehmen um jeweils weitere 2000 Mitarbeiter wachsen. „Wir benötigen die Bürofläche und sind in Gesprächen, um adäquaten Ersatz zu sichern“, so die Zalando-Sprecherin weiter. Dieser soll nun ganz in der Nähe der Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain entstehen, wo das Unternehmen ohnehin schon seine Zentrale hat. „Als wachsendes Unternehmen wollen wir auch in Zukunft sicherstellen, dass der Großteil unserer Berliner Mitarbeiter auf dem Zalando-Campusgelände Platz finden wird“, sagt Nadine Przybilski.

Die Cuvrystraße 50–51 GmbH war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ursprünglich war auf dem Gelände an der Cuvrystraße eine Mischnutzung geplant: Die „Cuvryhöfe“ sollten Wohnen, Shoppen und Arbeiten auf mehr als 10.000 Quadratmetern bieten. Doch das Land Berlin und die Investorengruppe um Artur Süßkind, die das Grundstück bereits 2011 erworben hatte, konnten sich nicht einigen.

Schließlich entstand auf der Brache ein Hüttendorf, in dem zeitweise rund 100 Aussteiger, Obdachlose und Roma lebten. Nachdem im September 2014 ein Feuer ausgebrochen war, wurde das Grundstück geräumt. Seit 2016 war dann klar, dass auf dem Gelände ein Gewerbezentrum errichtet werden sollte.

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