Friedrichshain

RAW-Gelände: Mehr Drogen als im Görlitzer Park

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Andreas Gandzior
Regelmäßige Razzien im Görlitzer Park in Kreuzberg treiben die Drogenkriminalität an die Revaler Straße in Friedrichshain

Regelmäßige Razzien im Görlitzer Park in Kreuzberg treiben die Drogenkriminalität an die Revaler Straße in Friedrichshain

Foto: Steffen Pletl

Für erfahrene Berliner Polizeibeamte sind die jüngsten Übergriffe in Friedrichshain nicht überraschend. Sie warnen seit Monaten davor.

Gewalt, Drogen, Überfälle – die Probleme auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße in Friedrichshain treffen die Polizei nicht unvorbereitet.

Bereits im Mai hatte ein Zivilfahnder der Polizei seine Befürchtungen in Sachen Drogenverkauf und Kriminalität gewarnt: „Wenn es wärmer wird und noch mehr junge Touristen nach Berlin kommen, wird der Drogenumsatz dort noch weiter steigen“, hatte der Beamte in der Berliner Morgenpost gesagt. Und er sollte Recht behalten.

Razzien im „Görli“ treiben Dealer nach Friedrichshain

Entlang der Revaler Straße werden nach Beobachtungen des szenekundigen Beamten, der anonym bleiben möchte, heute deutlich mehr Drogen verkauft, als im Görlitzer Park. Eine Ursache seien die regelmäßigen Razzien in und um die Grünfläche in Kreuzberg.

Die dort vertriebenen Dealer würden nicht mit dem Dealen aufhören – sondern nach neuen Standorten suchen. „Wir rennen wie die Feuerwehr nur noch den Brennpunkten in dieser Stadt hinterher, ohne einen einzigen wirklich zu löschen“, sagte Steve Feldmann, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei.

„Jetzt rächt sich, dass den örtlichen Direktionen seit Jahren die eigene Einsatzhundertschaft entzogen wurde, um auf aktuelle Lagen reagieren zu können.“ Mit den Aufgaben und Problemen in den Kiezen seien die Abschnitte personell überfordert.

„Das ist doch ein Hase-und-Igel-Spiel“

Doch der organisierte Drogenhandel in und auf dem RAW-Gelände ist nur ein Problem von vielen. Gestiegen sind laut Polizei auch die Raubtaten, Taschendiebstähle und Körperverletzungen. Prominentester Fall war die Messerattacke auf den Begleiter der „Jennifer Rostock“-Sängerin Jennifer Weist vor einigen Tagen. Am vergangenen Mittwoch folgte dann eine groß angelegte Polizeiaktion auf der Partymeile. Ob sie nachhaltig ist, ist fraglich.

„Das ist doch ein Hase-und-Igel-Spiel“, sagte ein Fahnder, der regelmäßig in Zivil dort unterwegs ist. Die Raubtaten und Körperverletzungen auf dem Gelände würden häufig aufs Konto von Jugendbanden aus Neukölln, Wedding und Kreuzberg gehen. „Da werden gerade Reviere abgesteckt.“

( ag )