Null-Toleranz-Zone

Festnahmen bei Drogen-Kontrollen rund um den „Görli“

Seit diesem Dienstag gilt die Null-Toleranz-Zone im Görlitzer Park in Kreuzberg. Die Polizei kontrollierte verstärkt - und es kam zu ersten Festnahmen.

Foto: Glanze

Um 9 Uhr morgens geht alles seinen gewohnten Gang. Am Eingang an der Falckensteinstraße stehen junge Männer, die jeden potenziellen Kunden freundlich begrüßen. Auch John aus Gambia steht dort. „Bis vor Kurzem habe ich gedealt“, sagt er, „da habe ich das Gras in Mülltonnen versteckt. Jetzt ist das zu gefährlich.“ John hat von der neuen Null-Toleranz-Grenze gehört. Damit ist er eine Ausnahme. Wer will, kann am Dienstagmorgen im Görlitzer Park ohne Probleme Drogen kaufen. Die meisten Dealer wissen gar nichts von der Regelung des Senats. „Ich dachte, das wäre erst morgen“, sagt einer.

Polizei mit Brennpunktstreife

Erst im Laufe des Tages spricht sich die Sache herum: Der Görlitzer Park wurde zur Null-Toleranz-Zone erklärt. Der Besitz von Marihuana, egal welcher Menge, ist strafbar, der Handel sowieso. Am frühen Nachmittag greift dann die Polizei ein, offiziell eine der üblichen Brennpunktstreifen. Mehrere Männer werden festgenommen, genaue Zahlen teilt die Polizei nicht mit. Einen „Baustein zur Bekämpfung des Drogenhandels im Park“, nennt es ein Sprecher.

Es klingt nach einem Erfolg für Innensenator Frank Henkel (CDU), der die „Lex Görli“ durchgebracht hat – gegen den Willen von Polizeigewerkschaft und Anwohnern. Viele sehen darin nach wie vor nur eine PR-Nummer, die nichts bringen wird. „Der Görlitzer Park wird zum Experimentierfeld“, kritisiert Martin Heuß von der Anwohnerinitiative Görlitzer Park. Null Toleranz werde den Handel im Park vielleicht eindämmen, dafür aber in die Nebenstraßen verlagern – und das sei noch schlimmer. „Den Park kann ich meiden, die Straßen nicht.“

Heuß wohnt seit 30 Jahren in der Gegend, er ist überzeugt, dass man den Drogenhandel nie ganz wegbekommen wird: „Wir müssen eine Koexistenz finden.“ Sein Vorschlag: Parkwächter, die den Dialog mit den Dealern suchen. Erzieherin Simone, die am Dienstagmorgen mit ihrer Gruppe im Park spazieren geht, hat sich mit der Situation bereits arrangiert. „Wir haben die Kinder schon mit zur Feuerwehr genommen. Dort wurde ihnen erklärt, welche Gegenstände sie nicht anfassen dürfen, zum Beispiel Spritzen“, erzählt sie. Auch so kann man offenbar Probleme lösen, auch wenn es fatalistisch klingt. Rene, der im Kinderzirkus an der Wiener Straße arbeitet, ist froh über die Null-Toleranz-Regelung. „Viele Eltern, die ihre Kinder herbringen, sorgen sich“, sagt er.

Mehraufwand nicht abzuschätzen

Die Polizei muss am Dienstag konstatieren, dass weiter gehandelt wird. Man habe zwar weniger Dealer registriert, dies habe aber am Wetter gelegen. Was die „Lex Görli“ in Zukunft bringt, ist unklar. Etwa, ob die Berliner Staatsanwaltschaft den möglicherweise anstehenden Mehraufwand stemmen kann. Ein Strafverfahren ist aufwendig, die Ermittlungsverfahren dauern jetzt schon sehr lang. „Der zu erwartende Mehraufwand lässt sich nicht verlässlich abschätzen“, teilt die Justizverwaltung des Senats auf Anfrage mit.

Auch die Dealer warten ab. „Mal schauen, was passiert“, sagt einer. „Vielleicht müssen wir bald woanders hingehen.“ mit hhn/pol/AFP