Drogen in Berlin

Ab Dienstag ist der Görlitzer Park kifferfreie Zone

Ab dem 31. März greifen die neuen Regeln für Drogenbesitz im Görlitzer Park. Die Toleranz für den Besitz von bis zu 15 Gramm Marihuana und Haschisch zum Eigenbedarf gilt dann hier nicht mehr.

Foto: Steffen Pletl

Vorne am Eingang stehen die Polizisten, unübersehbar. In blauen Uniformen, breitschultrig. Dealer sieht man hier keine. Tut man aber nie. Die stehen weiter hinten. Und wenn es nach dem Berliner Senat geht, dann sollen sie bald noch nicht mal mehr da stehen. Ab Dienstag, 31. März, nämlich gibt es im Görlitzer Park härtere Regeln für den Besitz von Drogen. Die Toleranzregeln für zehn bis maximal 15 Gramm Marihuana und Haschisch zum Eigenbedarf gelten dann hier nicht mehr. Ab Dienstag ist: „Null Toleranz“. So zumindest ist es angekündigt.

Am Montagnachmittag sind viele Familien in den Park gekommen. Trotz des Nieselregens, schließlich sind Ferien. Auf der großen Wiese hat das Team vom Spielewagen jede Menge Geräte verteilt. Tobias Geßner gibt gerade Hilfestellung bei der Rollbahn. Seit zwei Jahren ist er jeden Montag mit dem Spieleangebot im Park. Wie findet er es, dass von Dienstag an gegen den Drogenhandel härter vorgegangen wird? Geßner lacht. „Es ist ja richtig, dass die Polizei sich kümmert.“ Er wünscht sich aber, dass mehr ganz normale Leute in den Park kommen. Dann würden sich viele Probleme ganz von selbst erledigen. „Momentan sind hier vor allem Touristen, und Berlin ist nun mal dafür bekannt, dass man hier Drogen kaufen kann.“

Solidaritäts-Kiff-In bei Facebook

Weiter hinten im Park, da, wo die Büsche und die verschlungenen Wege sind, stehen junge Männer in dicken Jacken herum. Auch sie sind unübersehbar. Fast alle tragen sie Hoodies, alle sind schwarz. Wer an ihnen vorbeigeht, wird freundlich begrüßt. Geht es dir gut? Hey, alles klar? Kann ich dir helfen? Die meisten sprechen Passanten auf Englisch an. Eine Gruppe Spanier bleibt stehen, unterhält sich intensiver. Dann trennt man sich wieder. Polizisten sieht man hier keine. Zumindest keine offensichtlichen. Ob das am Dienstag anders sein wird?

„Das ist doch alles Unsinn“, sagt Kathi. Sie wohnt um die Ecke und arbeitet in einem der zahlreichen Restaurants an der Görlitzer Straße, entlang des Parks. Kathi hält nichts von der Drogenpolitik des Senats. „Wem ist denn bitte damit geholfen?“, sagt sie. „Dann kassiert man ein paar Touris ein, und ein paar Teenies aus Marzahn auch, und die Asylbewerber bekommen noch mehr Probleme.“ Die dealten doch nicht, weil es ihr Traumberuf sei. Klar, auch Kathi nervt es, wenn die Gäste in ihrem Restaurant von den Dealern angesprochen werden. „Aber wir müssen eben miteinander auskommen.“ Es gibt aber auch andere Meinungen.

Auch die Anwohner sind uneins über die Maßnahmen

Die Anwohnerinitiative Görlitzer Park beispielsweise verkündet auf ihrer Internetseite, sie stünden zwar nicht für „Law and Order“, aber dafür, dass Menschen wieder ohne Angst in den Park kommen könnten. Und dazu müsse der Drogenhandel „eingedämmt“ werden. Nicht nur Bezirk und Senat, auch die Anwohner sind nicht eins darüber, wie man mit den Problemen umgehen soll. Der Streit ist auch bei Facebook angekommen. Eine Seite mit einem Aufruf für eine Protestaktion, einen „Solidaritäts-Kiff-In“ am Mittwoch, wurde von Facebook entfernt. Aber die Organisatoren stellten eine neue Seite ein. Bis Montagnachmittag hatten 1600 Nutzer ihre Teilnahme angekündigt.

Der Regen ist stärker geworden, hinter dem Restaurant „Edelweiß“ steht Pascal und will wissen, wie ich heiße. Er kommt aus Guinea, seit Januar lebt er in Berlin. Davor war er in Spanien, da habe es ihm nicht so gut gefallen. Wo ich herkomme? Neukölln? Hat er noch nie gehört. Aber, dass sich die Verhältnisse im Park bald ändern sollen, das weiß er auch. Wo er dann hingehen wird? „Keine Ahnung, hast du eine Idee?“