Görlitzer Park

Polizei-Gewerkschaft gegen Null-Toleranz-Zone im „Görli“

Der Berliner Senat hat den Görlitzer Park zur Drogensperrzone erklärt. Ab Dienstag soll dort auch der Besitz kleiner Mengen verfolgt werden. Polizisten und Anwohnern sind äußerst skeptisch.

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Frühling liegt in der Luft – und mit ihm ein Geruch von Marihuana über dem Görlitzer Park. In der Grünanlage in Berlin-Kreuzberg ist die Droge so allgegenwärtig wie das Sprachengewirr von spanischen, englischen oder italienischen Touristen. Im „Görli“, das steht längst auch in den Reiseführern, kann man besonders einfach „Gras“ kaufen.

Ab kommendem Dienstag (31. März) soll damit Schluss sein: Der Senat hat den Park zur Drogensperrzone erklärt. In Berlin werden Strafverfahren beim Besitz von bis zu 15 Gramm Cannabis in der Regel eingestellt. Im „Görli“ soll nun eine Null-Toleranz-Regel gelten.

Dies stößt bei Polizisten und Anwohnern auf wenig Verständnis. Innensenator Frank Henkel (CDU) wolle den Park wegen des Drucks der Medien drogenfrei machen, sagte Steve Feldmann, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei. „Dafür entzieht er der täglichen Kriminalitätsbekämpfung und der Verkehrsraumüberwachung ohnehin schon viel zu knapp vorhandenes Personal.“

Henkel müsse dafür Tausende neue Polizisten einstellen. „Oder aber den Bürgern ehrlich erklären, dass sich die Polizei künftig weniger um die Schulwegsicherung kümmern kann und zur Bekämpfung von Taschendiebstahl, Fahrraddiebstahl und Einbrüchen personell auch nicht mehr in der Lage sein wird.“

Anwohnerinitiative: Regel drängt Dealer in die Nebenstraßen

Martin Heuß von der „Anwohnerinitiative Görlitzer Park“ hält ebenfalls wenig von der Drogensperrzone, die nur innerhalb des Parks gelten soll. „Wenn ich die Leute in die Nebenstraßen verdränge, was habe ich gewonnen?“, sagte Heuß.

Das Gelände ist ein unliebsames Soziotop geworden. An allen Eingängen stehen mittlerweile wartende Dealergruppen, sie bilden regelrechte Spaliere – an der Nordwestseite größtenteils Nordafrikaner, zur Wiener Straße im Süden hin sind es Schwarzafrikaner. Sie sprechen potenzielle Kunden an: „Psst, smoke?“, „You okay?“ oder spanisch „Fumar?“.

Die Drogenhändler stehen nicht nur im Park, sondern auch auf den Bürgersteigen der angrenzenden Straßen und am U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof. Auf den wenigen Metern zwischen U-Bahn und Park hat man gut und gerne fünf Gelegenheiten, Gras oder Haschisch zu kaufen.

„Früher konnte ich in diesem Park mit meiner Familie ganz locker ein- und ausgehen, egal um welche Uhrzeit“, erzählt ein schmächtige türkische Verkäufer eines Spätkaufs in der Wiener Straße, der 1981 nach Berlin gekommen ist. „Mach das jetzt, dann wirst du angemacht: Brauchst du was?“ Es komme in der Gegend oft zu Schlägereien, auch Vergewaltigungen habe es gegeben, sagt der Verkäufer, der seinen Namen nicht nennen will.

Von der Drogensperrzone verspricht er sich nicht viel. Bereits seit mehreren Monaten kontrolliere die Polizei verstärkt. „Einige Gesichter sind weg, aber dafür sind neue Gesichter gekommen“, erzählt er. „Wenn der Staat dran bleibt, wird das helfen. Aber einen Monat kontrollieren, zwei Wochen nicht kontrollieren: Das hat keinen Sinn.“

„Klar wollen wir das nicht machen“

Einige haben Verständnis für die Dealer. „Ohne Arbeitserlaubnis: Was bleibt einem anderes übrig?“, sagt ein Mitarbeiter eines Internet-Cafés gegenüber vom Park. Andererseits habe er ein Kind und mache sich auch Sorgen.

Auf der anderen Seite der Straße steht eine Gruppe junger Afrikaner und wartet auf Kundschaft. „Klar wollen wir das nicht machen“, sagt einer von ihnen. „Keiner will mit der ständigen Bedrohung leben, ins Gefängnis zu müssen.“ Die 200 Euro, die sie im Jobcenter bekämen, seien aber nicht genug zum Leben. Asylbewerbern werde vorgeworfen, sie würden nicht arbeiten. „Aber wenn man arbeitet, bekommt man auch Ärger, denn arbeiten ist für uns illegal.“