Null-Toleranz-Zone

Auch am Dienstag gibt es ohne Probleme Drogen im „Görli“

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Lorenz Vossen

Foto: Steffen Pletl

Seir Dienstagmorgen gilt die Null-Toleranz-Zone im Görlitzer Park in Kreuzberg. Doch viele Dealer wissen gar nichts davon. Von einer erhöhten Polizeipräsenz in dem Park war zunächst nichts zu sehen.

Am Eingang an der Falckensteinstraße steht ein junger Mann, der sich John nennt. “Früher habe ich gedealt“, sagt er. Jetzt komme er nur noch zum Kiffen her. John hat von der neuen Null-Toleranz-Grenze gehört. “Früher habe ich das Gras in Mülltonnen versteckt, jetzt ist es zu gefährlich.“

John, der aus Gambia kommt, ist eine Ausnahme. Wer will, kann am Dienstagmorgen im Görlitzer Park ohne Probleme Drogen kaufen. Trotz des ekelhaften Wetters sind die Dealer zahlreich vertreten. Wie immer.

Die meisten wissen gar nichts von der Regelung des Senats. “Ich dachte, das wäre erst morgen“, sagt einer. “Mal schauen, was passiert. Vielleicht müssen wir woanders hingehen.“

Seit Dienstag gilt Null-Toleranz-Regel im Görlitzer Park

Es sollen neue Zeiten anbrechen. In Berlin werden Strafverfahren beim Besitz von bis zu 15 Gramm Cannabis in der Regel eingestellt. Doch im „Görli“ gilt seit Dienstag eine Null-Toleranz-Regel. Genau wie in Schulen und auf Bahnhöfen soll auch im Park, wo der Drogenhandel in den vergangenen Jahren ausuferte, schon der Besitz kleiner Mengen Cannabis bestraft werden.

Das soll vor allem Anwohner mit Kindern schützen, die dort jeden Tag mit der Drogenszene konfrontiert werden. Erzieherin Simone, die am Dienstagmorgen mit ihrer Gruppe im Görlitzer Park spazieren geht, hat sich mit der Situation abgefunden. "Wir haben die Kinder schon mit zur Feuerwehr genommen. Dort wurde ihnen erklärt, welche Gegenstände sie nicht anfassen dürfen, zum Beispiel Spritzen", erzählt sie. Die Null-Toleranz-Grenze werde doch nur dazu führen, das sich das Geschäft in anderen Ecken verlagere.

Monika Herrmann - „Das wird nichts bringen“

So sieht es auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). „Das wird gar nichts bringen“, sagte die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg am Dienstag im Inforadio des RBB. Mit dem Verbot von Cannabis im Park werde nur erreicht, dass der Drogenhandel auf angrenzende Straßen und andere Gebiete ausweichen. Statt eines punktuellen Verbots von Cannabis forderte Herrmann erneut die kontrollierte Freigabe der Droge in Berlin. Dies diene auch dem Jugendschutz. Die Berliner CDU müsse in dieser Frage endlich wach werden.

Von erhöhter Polizeipräsenz ist am Dienstagvormittag nichts zu sehen. Ein einsamer Streifenwagen fährt ohne anzuhalten vorbei. Rene, der im Kinderzirkus in der Wiener Straße arbeitet, ist dennoch zufrieden. "Viele Eltern, die ihre Kinder herbringen, sorgen sich", sagt er. Ihm ist wichtig zu betonen: "Die Dealer haben sich den Kindern gegenüber noch nie negativ verhalten." Dennoch könne die Null-Toleranz-Grenze womöglich vorteilhaft fürs Geschäft sein.

Monatlich 40 bis 50 Razzien im Park

Laut Polizei gibt es schon seit dem Herbst monatlich 40 bis 50 Razzien im Park, die Beamten verstärkten ihre Präsenz. Etliche Dealer wurden festgenommen. „Bei Rauschgiftbesitz wird beschlagnahmt und ein Verfahren eingeleitet“, so der Sprecher.

Langfristig solle die Drogen-Nachfrage sinken, hieß es weiter. Es werde aber genau beobachtet, ob sich die Szene verlagere. Auch angrenzende Straßen, die U-Bahn sowie Hauseingänge würden beobachtet.

Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner erklärte, jetzt sei Schluss mit „grüner Kuschelpolitik“. Die neuen Regelungen sicherten Anwohnern und Besuchern des Parks nun wieder eine friedlichen Nutzung. Der Kurs von Herrmann habe dagegen die Lage destabilisiert.