Kommentar

Warum der Görlitzer Park kein Park für Dealer sein darf

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Diana Zinkler

Foto: Reto Klar

Diana Zinkler geht gern mal mit ihrer Tochter in den Park. Doch der Drogenhandel im Görlitzer Park verleidet ihr eine sorglose Entspannung im Grünen. Das muss aufhören, kommentiert sie.

Jeder Erwachsene kann tun, was er möchte. Das vorweg. Da bin ich liberal. Aber ich habe etwas dagegen, wenn ich im Park mit meiner Tochter unterwegs bin und das Angebot ablehnen muss, Drogen zu kaufen. Nicht weil ich sie gern kaufen würde, sondern weil mich meine noch nicht dreijährige Tochter jedes Mal fragt, was die Männer wollen? Ich könnte ihr natürlich erklären, es gibt Menschen, die wollen Drogen kaufen und die sind hier richtig. Oder es ist das Geschäftsmodell dieser Männer, Marihuana zu veräußern, damit finanzieren sie ihren Familien wiederum den Lebensunterhalt. Aber all das sage ich ihr nicht, sondern ziehe sie weiter und erzähle irgendeine Geschichte. Dass der Mann auf seine Freundin wartet oder den Weg nicht kennt.

Denn ich möchte nicht, dass sie überhaupt in diesem Alter mit Drogen in Kontakt kommt. Und das tut sie, sobald sie in die Nähe des Parks kommt. Ich möchte auch nicht, dass sie vielleicht ein Drogenbeutelchen beim Versteckspiel oder beim Gänseblümchenpflücken in einem Gebüsch findet – gut versteckt vor der Streife wird es nur bei Bedarf rausgeholt. Und dann vielleicht mal den Inhalt in den Mund steckt. Nun könnte man mir entgegenrufen: „Pass doch besser auf dein Kind auf!“ Ja, aber gerade das möchte ich im Park nicht. Und sie auch nicht. Wir leben in der Großstadt, hier werden Kinder schon die ganze Zeit eng an der Hand gehalten, und wirklich frei toben, laufen können sie in Berlin selten. Ein Park sollte für alle ein Ort der Entspannung, des Friedens und der Natur sein. Mehr nicht. Und ich bin immer davon ausgegangen, dass der Görlitzer Park ein Ort für alle ist.

Dass der Dealer lächelt, macht es nicht besser

Da kann das charmante Lächeln des Drogendealers, weil ich ja so eine süße Tochter habe, auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es völlig daneben ist, gerade dort sein Haschisch anzubieten. Und Gleiches gilt auch für Schulen und andere öffentliche Einrichtungen. Es geht mir nicht um ein generelles Verbot von THC-haltigen Substanzen, sondern um die Sichtbarkeit des Geschäfts. Und dass diese Sichtbarkeit junge Menschen an etwas heranführt, womit sie wirklich nicht in Berührung kommen sollten.

Den generellen Handel von weichen Drogen wird diese neue Regel nicht verhindern. Wahrscheinlich wird das Geschäft nun nur eine Häuserecke weiter abgeschlossen. Oder wieder vermehrt in der Hasenheide stattfinden. Und ob eine Legalisierung von Cannabis nicht auch sinnvoll wäre, das ist eine andere Debatte. Aber der Senat hat jetzt einen Punkt gemacht. Für alle, die gern ihre Freizeit im Görlitzer Park verbringen.