Der Neubau eines zentralen Standortes für die Berliner Landesbibliothek ist seit mehr als drei Jahren umstritten. Jetzt belebt die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. die Debatte mit einem neuen Vorschlag.
In einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie unter anderen auch an Kulturstaatssekretär Tim Renner plädiert der engagierte Verein dafür, die letzte Baufläche am Gleisdreieck in die Prüfung möglicher Standorte einzubeziehen. „Der Park ist mehr als ein Park, nämlich ein von der Bevölkerung wirklich gut angenommener und stark genutzter öffentlicher Raum“, sagt Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck.
„Das ist dort manchmal wie auf einem Boulevard ohne Autos, und es wäre deshalb wünschenswert, wenn das Baufeld ,Urbane Mitte‘ am U-Bahnhof Gleisdreieck nicht ausschließlich privat bebaut wird, sondern gerade dort in unmittelbarer Nähe zum Park auch öffentliche Nutzung dazukommt“, so Bauer gegenüber der Berliner Morgenpost.
Der Park werde so zur Adresse für die Bibliothek, die sich dort nach Meinung der AG besonders gut mit der Umgebung vernetzen könnte: Staatsbibliothek, Kulturforum, Filmfestspiele, Technikmuseum und Tempodrom seien ebenso zu Fuß erreichbar wie die Geschäftszentren am Potsdamer und Leipziger Platz, heißt es in dem offenen Brief, der der Berliner Morgenpost vorliegt, weiter. Und auch das Abgeordnetenhaus, das Holocaust-Mahnmal oder das Brandenburger Tor seien zumindest mit dem Rad in zehn Minuten erreichbar.
Günstige Lage durch öffentlichen Nahverkehr
„Hinzu kommt die günstige Lage bezüglich des öffentlichen Nahverkehrs durch die U1 und U2“, betont Bauer und verweist auch auf die geplante S-Bahn-Linie 21. Fußläufig erreichbar seien zudem die U7, die S1 und S2 an der Yorckstraße ebenso wie die Schiffsanlegestellen am Landwehrkanal und der Regionalbahnhof am Potsdamer Platz.
Wie berichtet, ist laut dem städtebaulichen Vertrag aus dem Jahr 2005 auf dem letzten Baufeld, in der Mitte zwischen West- und Ostpark des Gleisdreiecks, eine Verdichtung von bis zu 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche möglich.
„Aufgrund der städteräumlichen Situation ist an diesem Standort nicht nur ein großes Bauvolumen machbar, sondern hier könnte auch von der Form her ganz frei geplant werden. Das ist das ideale Umfeld für eine innovative Architektur, hier könnte die Bibliothek der Zukunft neu erfunden werden“, sagt Bauer.
In den bisherigen Planungen für die Urbane Mitte sei bezüglich der Nutzung von 60 bis 70 Prozent Büroflächen gegenüber 30 bis 40 Prozent Gastronomie, Einzelhandel, Wohnen und Hotel die Rede gewesen. „Die Zentrale Landesbibliothek ZLB würde diesen Nutzungsmix verändern – zugunsten von 50.000 Quadratmeter Bildung, Kultur und Begegnung. Park und Bibliothek würden sich ideal ergänzen.“ Zuletzt war, wie berichtet, auch diskutiert worden, die Landesbibliothek im ICC unterzubringen.




