Der Stillstand auf der Großbaustelle für das vermeintliche Modellprojekt der Genossenschaft Möckernkiez eG wird immer teurer. Seit dem Baustopp auf dem drei Hektar großen Gleisdreieck-Areal an der Ecke Möckernstraße/Yorckstraße in Kreuzberg musste die Genossenschaft für den Stillstand von Oktober 2014 bis Februar dieses Jahres bereits 225.000 Euro zahlen.
Wie die Genossenschaftssprecherin und Vorstandsmitglied Claudia Boerger der Berliner Morgenpost auf Nachfrage bestätigte, kostet allein die Sicherung der Baustelle und der bislang erst vier fertiggestellten Rohbauten inklusive weiterer Planungen jeden Monat etwa 45.000 Euro. Kosten, die zunehmend zur Belastung werden. Denn der Bau des neuen Stadtquartiers, das als Modellprojekt ursprünglich mit 14 Wohnhäusern, einem Hotel und einem Gewerbepavillon inklusive Restaurant sozialverträglich, ökologisch und interkulturell geplant war, kommt nicht in die Gänge.
Finanzierung bis Mai oder Juni sichern
„Die Fremdfinanzierung ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Claudia Boerger. Die Sprecherin scheint bemüht, die Lage positiv darzustellen. Die Finanzierungsverhandlungen mit Banken würden in Kürze weiter verfolgt, sagt sie. Ziel sei, dass die Finanzierung bis Mai, spätestens aber im Juni gesichert sei. Angaben von Insidern, wonach das Eigenkapital der Genossenschaft schon bald verbraucht sein könnte, wollte sie nicht bestätigen. „Die Liquidität reicht aus“, so Boerger.
Bis Mai solle auch die Suche nach einem Generalunternehmer abgeschlossen sein. „Wir sind zurzeit mit mehr als drei Unternehmen in sehr engen Gesprächen“, sagt Boerger. Genaueres könne man derzeit noch nicht kommunizieren, erklärt sie. Die von der Genossenschaft zuvor favorisierte Vergabepraxis der Aufträge in einzelnen Paketen hatte sich nicht bewährt. „Die Banken wollen eine Festpreisgarantie durch einen Generalunternehmer“, so Boerger. Doch die Art der Auftragsvergabe war nicht der einzige Punkt, der bei der Planung und Herangehensweise durch die Genossenschaft kritisiert wurde. Auch bezüglich der Besetzung des Vorstandes musste nachgebessert werden, es fehlten offensichtlich Fachleute. Seit 1. Januar 2015 wird das bislang aus drei Mitgliedern bestehende Gremium durch die Architektin Karoline Scharpf und den Immobilienkaufmann Franz Nitzsche verstärkt.
Der Stillstand wird teuer
Die seit fünf Monaten ruhenden Bauarbeiten können nach Angaben des Vorstands bestenfalls im Juli dieses Jahres fortgeführt werden. Die Kosten für den Stillstand werden sich bis dahin entsprechend auf mindestens 405.000 Euro belaufen. Von etwaigen Erhöhungen in Folge der während der Verzögerungen gestiegenen Baukosten ganz abgesehen.
So werden die zu Beginn des Projektes mit 80 Millionen Euro veranschlagten Baukosten für die Gebäude mit mehr als 460 Wohnungen und die Erschließung des Areals unterdessen von Claudia Boerger auf 120 Millionen Euro beziffert. Intern war teilweise aber auch schon von bis zu 140 Millionen Euro die Rede. „Wir haben jetzt den Bau des Hotels und des Gewerbepavillons vorerst zurückgestellt. Der Wohnungsbau hat Vorrang“, sagt Boerger.
Die Eigenbeteiligung der Genossenschaftler liege laut Satzung bei 920 Euro pro Quadratmeter. Die Kosten pro Quadratmeter werden mit derzeit 2700 bis 3000 Euro veranschlagt. Zum Vergleich: Bei Projektbeginn war von 2000 Euro pro Quadratmeter die Rede. Hinzu kommt die Miete. Sie wird netto kalt bislang mit sieben bis elf Euro pro Quadratmeter veranschlagt – je nach Lage. „Bei einer Dachgeschosswohnung in direkter Lage zum Park wird derzeit mit 11,10 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter gerechnet“, sagt Boerger.




