Wer seine Kinder im Görlitzer Park in den Büschen spielen lässt, riskiert, dass sie mit einer von Dealern versteckten Portion Marihuana zurückkommen. Wer die Grünanlage zu später Stunde besucht, riskiert, in Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Dealergruppen zu geraten.

Neu sind die Beschwerden von Anwohnern und Parkbesuchern nicht. Doch seit im Görlitzer Park in der Nacht zu Sonnabend vor einer Woche zwei Menschen niedergestochen wurden, sehen sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kann die Drogenszene aus eigener Kraft wohl am wenigsten bekämpfen. Angesichts der Eskalation wollen sich die Verantwortlichen aber auch nicht vorwerfen lassen, untätig zu sein. Am Freitag kündigte das Bezirksamt daher an, den Görlitzer Park umzugestalten – und zwar schon ab Montag kommender Woche. Dabei sollen Büsche beschnitten werden, um Dealern Verstecke zu nehmen. Der Park soll übersichtlicher werden, um den Nutzern ein höheres Sicherheitsgefühl zu vermitteln.

„Angstraum“ und Versteck für Drogen

Parkbesucher werden wegen der Arbeiten auch am Dienstag mit Einschränkungen rechnen müssen. Ein sogenannter Hohlweg, der vom Spreewaldbad an der Wiener Straße in den Park führt, soll zugeschüttet werden. Drogenhändler hätten den Weg häufig als Versteck genutzt, wie Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach sagte.

Anwohner hätten den tiefer gelegten Weg zudem als „Angstraum“ empfunden. Die zugeschüttete Fläche soll bepflanzt werden. Die Maßnahme sei schon seit Längerem geplant, nun werde sie umgesetzt. Die Rosen in dem Garten unweit des Piratenspielplatzes in der Mitte des Parks werden Mitarbeiter des Grünflächenamtes auf 30 Zentimeter stutzten, weil auch dort immer wieder Drogen versteckt worden seien. Gegen den Schnitt habe es Bedenken gegeben. „Die Sicherheit geht jetzt aber vor“, sagte Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne).

Um den Park übersichtlicher und besser einsehbar zu machen, würden auch die Büsche an den Eingängen an der Falckensteinstraße gestutzt oder ganz entfernt. Beseitigt werden soll auch im Park abgelagerter Sperrmüll. Der von der Berliner Morgenpost befragte Landschaftsarchitekt Marek Langner hatte den Zustand des Görlitzer Parks bereits vor einigen Tage als „erbärmlich“ bezeichnet. Die Eingänge an der Wiener Straße seien unübersichtlich, viele Wege zu schmal, der Bewuchs mit Pflanzen zu dicht. Ein Umbau, mit dem der Park sicherer und transparenter gemacht werden könne, beliefe sich auf zwei Millionen Euro.

Finanzierung über den laufenden Etat

So viel Geld wird der Bezirk nicht ausgeben. Die Arbeiten würden aus dem laufenden Etat des Grünflächenamtes finanziert, sagte Amtssprecher Langenbach. Er wies darauf hin, dass der Bezirk bereits in den vergangenen Jahren Maßnahmen ergriffen habe, um den Park sicherer zu machen. So seien 1,5 Millionen Euro in eine bessere Beleuchtung und den Ausbau der Hauptwege investiert worden.

Auch für die Polizei war der Görlitzer Park ein Schwerpunkt. Allein in diesem Jahr führten Beamte bis Oktober 352 Razzien durch. Nachdem Kleinkinder im März dieses Jahres beim Spielen im Park Kokainkugeln fanden, gründete sie im Mai – öffentlichkeitswirksam – die Einsatzgruppe „Görli“. Bereits im Oktober wurde sie, diesmal mit weniger Öffentlichkeitsarbeit, aber wieder aufgelöst.

Razzien der Polizei

Nach der Messerstecherei vom vergangenen Wochenende intensivierte die Polizei ihre Einsätze erneut. Sie führte mehrere Razzien durch, die Behördenleitung kündigte an, ab jetzt täglich im Park präsent zu sein. Auch am Freitag führten Beamte ab elf Uhr vormittags immer wieder Schwerpunkteinsätze gegen Dealer durch. Die Einsätze dauerten bis in die Abendstunden. Dabei leuchteten die Einsatzkräfte, wie in den Tagen zuvor, den Park mit großen Scheinwerfern aus.

Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) musste auf die wachsenden Proteste gegen die Drogenszene reagieren. Die Opposition warf ihm vor, die Situation im Park unterschätzt und nicht rechtzeitig und entschlossen genug gehandelt zu haben. Unmittelbar nach der Gewalttat kündigte Henkel an, eine „Task-Force“ mit Vertretern von Innen- und Justizverwaltung sowie Vertretern von Polizei und Bezirk einzuberufen, die den Drogenhandel in den Griff bekommen soll. Diese „Task-Force“ soll am kommenden Dienstag das erste Mal zusammenkommen.