Drogenhandel

Görlitzer Park wird ein „personeller Kraftakt“

Erneut hat die Polizei den Görlitzer Park nach Drogen durchsucht - wieder mit Scheinwerfern nach Anbruch der Dunkelheit. Doch auf Dauer wird es schwer, die hohe Zahl der Razzien durchzuhalten.

Foto: Steffen Pletl

Die verstärkte Bekämpfung des Rauschgifthandels durch die Polizei im Kreuzberger Görlitzer Park geht unvermindert weiter. Am Donnerstagnachmittag rückte eine Einsatzhundertschaft der Direktion 6 am weitläufigen Parkgelände an, um gegen Drogendealer vorzugehen. Nachdem das Areal zunächst beobachtet worden war, schwärmte die Hundertschaft aus und begann mit Personalkontrollen. Schwerpunkte waren dabei die Eingänge in Höhe der Straßeneinmündungen Falckensteinstraße und Oppelner Straße zum Parkgelände.

Gleichzeitig wurden erneut leistungsstarke mobile Lichtanlagen aufgestellt, die das Gelände in helles Licht tauchten. Es dauerte nicht lange, bis ein eingesetzter Spürhund – ein Riesenschnauzer-Rüde namens Golf – im Rosengarten prompt einen Erdbunker erschnüffelte. Die Beamten stellten im Erdreich Drogenkügelchen und Tüten mit Marihuana sicher. Details zu den aktuellen Rauschgiftfunden sollen nach Behördenangaben erst am Freitag veröffentlicht werden.

Tagsüber hatten neben den üblichen Fußstreifen von Polizisten und Mitarbeitern des Ordnungsamtes auch Zivilfahnder im „Görli“ Präsenz gezeigt. Wie berichtet, hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) zu Beginn dieser Woche die Bildung einer Taskforce angekündigt, um den überbordenden Drogenhandel erfolgreicher zu bekämpfen. Bis die neue Taskforce voll handlungsfähig ist, soll ständige Polizeipräsenz das Sicherheitsgefühl der Anwohner steigern und die gestiegene Kontrolle den Drogenhandel zunehmend unattraktiv machen, sowohl für die Dealer als auch für die kaufwilligen Kunden. Allerdings sprach die Polizei von einem „personellen Kraftakt“, weil so viele Beamte im Einsatz seien.

Ein Gesamtkonzept gegen den Drogenhandel in dem größten Kreuzberger Park soll erst noch erarbeitet werden. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kerstin Philipp, hatte mehr Personal gefordert und gewarnt, dass die Beamten der Direktion nicht mit „zusätzlicher Arbeit überhäuft“ werden dürften. Zumal der „Görli“ nicht der einzige Drogenhandelbrennpunkt im Bezirk ist.

Zahl der Dealer steigt

Einige Hundert Meter weiter östlich hat sich in Friedrichshain am ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW-Gelände) eine weitere Dealerszene etabliert. Auch an der Revaler Straße sind Anwohner längst beunruhigt darüber, dass der offene Drogenhandel zunimmt. An den Zugängen zu dem Gelände hielten sich am Donnerstagnachmittag etwa 20 Personen auf, die durchaus nicht zufällig herumstanden. Sie beobachteten genau, was sich im Umfeld des Bahnhofes Warschauer Straße abspielte.

Kam ein potenzieller Kunde, der offenbar in ihr Käufermuster passte, sprachen sie ihn an: „Was zum Rauchen?“ Während zwei U-Bahn Stationen entfernt die Polizei nun beinahe täglich eine Razzia durchführt, um dem illegalen Geschäft mit Drogen ein Ende zu setzen, haben hier die Verkäufer scheinbar freie Hand. Zwar werden sie ab und zu aufgeschreckt, wenn Zivilbeamten einen möglichen Dealer schnappen. Dennoch sind sie meist vorgewarnt und haben eigens dafür einige ihrer Landsleute als Späher abgestellt.

„Die Typen stecken das Marihuana in eine Zigarettenschachtel am Boden und postieren sich ein paar Meter weiter. Bei Bedarf nehmen sie eine Portion heraus und legen die Packung einfach wieder zurück“, sagte ein Anwohner. Seit zehn Monaten steige die Zahl der Dealer, die jeden ansprechen würden, der ein Kunde sein könnte, sagte der Mann. Er gehe den Händlern aus dem Weg. Dafür nehme er einen kleinen Umweg in Kauf.