Einbruch

Neonazis verwüsten Lokal in Friedrichshain

Vermutlich rechtsextremistische Täter sind in ein Lokal in der Koppenstraße eingebrochen und haben es verwüstet - in einer Gegend, in der Neonazis bisher kaum in Erscheinung getreten sind.

Foto: Steffen Pletl

In Friedrichshain ist ein Restaurantbetreiber Opfer einer fremdenfeindlichen Straftat geworden. Vermutlich rechtsextremistisch eingestellte Täter sind in das Lokal "Costallino" an der Koppenstraße eingebrochen. Die Gaststätte ist auch zwei Tage danach noch verwüstet. Parolen in schwarzer Farbe verunzieren die erst vor wenigen Monaten neu gestrichenen Wände, der Inhalt mehrerer Feuerlöscher ist in den Räumen versprüht worden, Einrichtungsgegenstände wurden mutwillig zerstört.

Die Ermittlungen werden vom polizeilichen Staatsschutz geführt, bestätigte Polizeisprecher Michael Gassen. Und das in einer Gegend, in der Rechtsextreme bisher kaum in Erscheinung getreten sind.

Der 43 Jahre alte Besitzer des Lokals, Hussein B., zeigte sich entsetzt. Noch immer sitzt der Schock tief. "Das kann man nicht verdrängen und einfach zur Tagesordnung übergehen", sagt der Geschäftsmann Am Dienstagvormittag gegen 11.30 Uhr betrat Hussein B. sein Restaurant und traute seinen Augen nicht.

Stühle und Sessel aufgeschlitzt

"Ausländer raus", die Zahl 88 – ein Synonym für "Heil Hitler" und SS-Zeichen an den Wänden zeigen, welcher Gesinnung die unbekannten Täter sind. Sie müssen zwischen Sonntagabend und der Nacht auf Dienstag in sein Restaurant eingebrochen und alles verwüstet haben, vermutet der Gastwirt. Montags ist geschlossen. Das Türschloss zum Lokal wurde aufgebrochen, die Polster der Stühle und Sessel aufgeschlitzt. Bilder, die die Wände zierten, sind verschwunden, die Kasse ist zertrümmert und der Computerbildschirm wurde umgestoßen.

In der Küche haben die Einbrecher die gesamte Entlüftungsanlage zerstört. An den Kühlschränken sind die Türen verbogen. Und überall im Lokal klebt auf den Tischen, dem Kochgeschirr, den Arbeitsplatten und Regalen das weiße Pulver aus den Feuerlöschern.

Seit August des vergangenen Jahres betreibt der 43 Jahre alte Mann das Restaurant. "Ich habe dafür zwei Kredite aufgenommen und mich über beide Ohren verschuldet", sagt der aus Ägypten stammende Wirt. Seit 1995 lebt er in Deutschland. Nach seinem Studium der Psychologie in seiner Heimat erwarb er in Deutschland einen Abschluss als Hotelfachmann und später auch als Systemgastronom. "Die Täter erfüllt offenbar blinder Neid", sagt der Vater von vier Jungen. Anders könne er sich das Ausmaß der Verwüstung und der Schmierereien nicht erklären.

Lokalbesitzer bereits bedroht

Bereits im vergangenen Jahr, kurz nach der Eröffnung des Lokals, hatte er eine Begegnung mit zwei Männern, die ihn indirekt aufgefordert hätten, aus Deutschland zu verschwinden und in seine Heimat zurück zu gehen. "Das kommt für mich nicht infrage, ich bin politisch engagiert und trete für ein demokratisches Ägypten ein." Eine Rückkehr wäre deshalb gefährlich. Zudem fühle er sich hier in Berlin in das gesellschaftliche Leben gut integriert.

Jetzt hofft Hussein B., dass die Versicherung für die Kosten zur Behebung der zahlreichen Schäden aufkommt. "Mit diesem Anschlag haben die Chaoten nicht nur meine Existenz gefährdet, sondern auch die meiner Familie", sagt er. Das werde er nicht zulassen. Im Gegenteil: In drei Wochen will er sein Lokal nach einer umfangreichen Sanierung wieder eröffnen.

Meiste Haftbefehle gegen Neonazis wegen allgemeiner Kriminalität

In den ersten drei Monaten diesen Jahres sind 14 Neonazis in Berlin von der Polizei und Staatsanwaltschaft mit Haftbefehl gesucht worden. Bei den insgesamt 20 unvollstreckten Haftbefehlen ging es in 15 Fällen um allgemeine Kriminalität. Dazu gehören etwa Diebstahl oder Betrug, in einem dieser Fälle auch um eine Gewalttat. Gegen einige der Gesuchten lagen gleich mehrere Haftbefehle vor.

Fünfmal bezogen sich die Vorwürfe auf politisch motivierte Taten mit rechtsextremistischen Bezug. Dazu gehört etwa das Tragen von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Keiner der Gesuchten war in Berlin gemeldet, sieben hatten ihren letzten Wohnsitz in der Hauptstadt. Einer war in Brandenburg gemeldet, sechs im Ausland. Anfang 2013 wurden in Berlin 15 Neonazis per Haftbefehl gesucht, 2012 waren es 26.

Foto: Steffen Pletl

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