Die nächtliche Detonation in der Rudi-Dutschke-Straße war enorm. Von der gesamten Fassadenfront des Kreuzberger Jobcenters war in der Nacht zu Montag nur eine einzige Fensterscheibe mit massivem Isolierverbundglas heil geblieben. Auch die Metallrahmen der sieben zerstörten Fensterelemente sind nur noch Schrott. Bauarbeiter waren noch am Montagnachmittag damit beschäftigt, die Aluminiumteile und letzte Reste der Scheiben in einen Container zu entsorgen, der hierfür auf dem Gehweg aufgestellt worden war.

Gegen 23.30 Uhr hatten Kriminelle den Geldautomaten in die Luft gejagt. Vermutlich hatten sie ein Gas-Luft-Gemisch in das Gerät eingeleitet und zur Zündung gebracht. Wachleute des Axel-Springer-Verlags wurden durch die Explosion aufgeschreckt, ein Security-Mitarbeiter sah nach Polizeiangaben noch zwei Maskierte davonlaufen. Offenbar konnten sie mit der erbeuteten Geldkassette des Automaten flüchten, so ein Sprecher der Arbeitsagentur. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatten die Täter zunächst ein Fenster aufgehebelt, um ins Gebäudeinnere zu gelangen.

Dabei handelt es sich bereits um den 22. Fall von Automaten-Sprengungen in Berlin in diesem Jahr. Es ist jedoch der erste, der im Vorraum eines Jobcenters verübt wurde. Konkrete Hinweise auf die Täter lagen der Polizei bis zum Abend nicht vor. Wegen der Häufung dieser Taten hat das Landeskriminalamt eigens die Soko Giro gegründet, eine Ermittlungsgruppe, die sämtliche Fälle bearbeitet. Hinweise auf einen Zusammenhang mit früheren Sprengungen von Geldautomaten würden geprüft, Anhaltspunkte dafür gebe es bislang aber nicht, hieß es.

Unklar, wie viel Geld das Gerät noch enthielt

Der zerstörte Automat diente dazu, Berechtigten in individuellen Ausnahmesituationen Sozialhilfeleisten bar auszuzahlen. Dies betreffe von etwa 700 bis 800 Kunden pro Tag lediglich drei bis fünf Fälle, so ein Sprecher des Jobcenters. „Der berechtigte Hilfeempfänger erhält dann nach der Prüfung eines Sachbearbeiters eine Scheckkarte. Diese kann dann nur einmal benutzt werden und verbleibt dann in dem Automaten. Die Karte funktioniert nach der Freischaltung auch nur an dem betreffenden Tag“, erläutert der Sprecher.

Anfang des Monats habe das Jobcenter die geraubte Geldkassette zuletzt aufgefüllt. Die Frage, wie viel Geld das Gerät noch enthielt, wollte weder die Arbeitsagentur noch die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen mitteilen. Ein vergleichbarer Fall, dass ein Zahlungsautomat der Arbeitsagentur in Berlin aufgesprengt wurde, sei ihm nicht bekannt, ergänzte der Sprecher.

Der letzte Versuch in Berlin, einen Bankautomaten zu sprengen, war in der Nacht zum 2. November in Marienfelde gescheitert. Zwar war es Unbekannten gegen 4.30 Uhr an der Kiepertstraße noch gelungen, Gas in einem Geldautomaten der Commerzbank zu leiten. Doch aus unbekannten Gründen war anschließend die Zündung fehlgeschlagen. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, waren die Täter bereits ohne Beute verschwunden. Der Sachschaden hielt sich somit in Grenzen.

Reparaturen der Filialen dauern Monate

Bei der letzten vollendeten Tat am Wilhelmsruher Damm in Reinickendorf vor dreieinhalb Wochen sah das ganz anders aus. Bis zu 50 Meter weit waren Teile des gesprengten Bankautomaten einer Postfiliale durch die Luft geschleudert worden, berichteten Zeugen am 24. Oktober. Nicht nur der Automatenbereich, sondern auch der dahinter liegende Vorraum der Bankfiliale boten nach der Explosion ein Bild der Verwüstung, die Detonation war 100 Meter weit zu hören gewesen.

Neben den enormen Sachschäden sind diese Straftaten auch ein Ärgernis für Kunden. Oft dauert es Monate, bis die Spuren einer solchen Sprengung beseitigt sind. Ein Beispiel ist die Filiale der Sparkasse an der Leipziger Straße in Mitte, die Ende Juni angegriffen worden war. Die Berliner Sparkasse bestätigte am Montag, dass der vor Monaten gesprengte Automatenbereich noch immer nicht wieder benutzbar ist.

Grund dafür sei die starke Zerstörung, die durch die Sprengung von gleich zwei Automaten angerichtet wurde, sagte eine Sprecherin. Neben den Automaten selbst war durch die potenzierte Wucht auch das Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nachdem zunächst ein Gutachten zur Statik des Hauses angefordert werden musste, konnte nun mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Decke sei bereits fertig gestellt, jetzt werde auch die Fassade instand gesetzt. Wann der Selbstbedienungsbereich wieder geöffnet werden kann, steht noch nicht fest.

Auch am Mehringdamm in Kreuzberg, wo Kriminelle am Morgen des 1. September zwei Geldautomaten sprengten und mit ihrer Beute in einem schwarzen Audi S 6 Avant entkamen, warten Bankkunden bislang vergebens auf die Wiedereröffnung des zerstörten Automatenbereichs.

Mitarbeit: Franziska Birnbach