Am frühen Mittwochmorgen gegen 4.20 Uhr gab es einen lauten Knall – unmittelbar darauf hatte sich zum 21. Mal in diesem Jahr in Berlin ein Geldautomat in einen Haufen Schrott verwandelt. Diesmal schlugen die unbekannten Täter in einer Postbank-Filiale am Wilhelmsruher Damm in Reinickendorf zu. Auch vom Automatenvorraum der Filiale blieb nicht allzu viel übrig. Die Täter leisteten ganze Arbeit. Die eigens zur Aufklärung der häufigen Sprengungen von Geldautomaten eingerichtete Ermittlungsgruppe „Giro“ des Landeskriminalamtes (LKA) hat einen neuen Fall.
Als der Postbankautomat in die Luft flog, war es mit der Nachtruhe der Anwohner um den Wilhelmsruher Damm vorbei. Teile des gesprengten Automaten sowie weitere Gegenstände flogen Zeugen zufolge bis zu 50 Meter weit. Betroffene berichteten, die Detonation sei noch in 100 Meter Entfernung zu hören gewesen. Die Polizeibeamten des örtlichen Abschnitts, die nur Minuten später am Tatort eintrafen, fanden nur noch Trümmer vor. Der Vorraum, in dem diverse funktionierende Automaten gestanden hatten, war völlig verwüstet. Auch die dahinter liegende, vom Vorraum nur durch eine Glaswand getrennte Filiale wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zahlreiche Scheiben zerbarsten, die Deckenverkleidung wurde weitgehend zerstört.
Täter erbeuteten bis zu 80.000 Euro
Kurz nach dem Anschlag trafen auch die ersten Beamten der Ermittlungsgruppe ein. Ihre Arbeit ergab bislang, dass die Tat von zwei oder drei Männern ausgeführt wurde, dass offenbar – wie schon in allen vorangegangenen Fällen – ein explosives Gasgemisch in den Geldautomaten geleitet wurde, dass die Täter mehrere Geldkassetten erbeuten haben sollen und dass sie in einem silberfarbenen Audi A6 Kombi flüchteten.
Wie viel Geld die Täter erbeuteten, darüber sagte die Polizei am Mittwoch nichts. Nach unbestätigten Informationen der Berliner Morgenpost befinden sich in einem freistehenden Geldautomaten nach dem Auffüllen etwa 70.000 bis 80.000 Euro. Bei vorangegangenen Fällen hatte ein Sprecher der Postbank-Zentrale in Bonn darauf verwiesen, dass sämtliche Automaten der Bank mit Farbpatronen ausgestattet sind. Sie platzen im Falle einer Zerstörung oder gewaltsamen Öffnung der Geldkassetten, Farbe macht sämtliche Scheine unbrauchbar.
Täter sprengen trotz Farbpatronen immer wieder Geldautomaten
„Eigentlich wissen die Täter, dass ihre Chance, brauchbare Geldscheine zu erbeuten, äußerst gering ist. Sie versuchen es aber augenscheinlich immer wieder. Keine Ahnung, was sie sich davon versprechen“, sagte ein Ermittler am Mittwoch. Zumindest scheint den Tätern inzwischen klar geworden zu sein, dass sich die Geldkassetten in den Automaten in einer Art Tresor befinden, der sich nicht so leicht knacken lässt.
Verglichen mit den ersten Taten in Berlin wurde bei den Anschlägen die Sprengkraft erkennbar erhöht. Wurden anfangs lediglich die Automaten selbst zerstört oder beschädigt, werden inzwischen häufiger ganze Filialen verwüstet. „Damit ist auch die Gefährdung für Menschen erheblich gestiegen“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf unlängst. „Unverantwortlich und skrupellos“, nannte er das Vorgehen der Täter.
Über sie weiß die Polizei ungeachtet aller Bemühungen der Ermittlungsgruppe relativ wenig. Die Beamten gehen von mehreren Banden aus, vermutlich ost- oder südeuropäischer Herkunft. Auch gibt es Hinweise darauf, dass es sich um straff organisierte, professionell arbeitende Banden handelt.
Banden arbeiten mit hochexplosiven Stoffen
Inzwischen würden die Banden mit hochexplosiven Stoffen arbeiten. Dass den Tätern dabei selbst noch nichts passiert sei, deute auf fachkundigen Umgang hin, so der Beamte. Welche Substanzen die Täter verwenden, darüber hat die Polizei Erkenntnisse, gibt jedoch keine Details preis. Öffentlich bekannt ist lediglich, dass gasförmige Stoffe verwendet werden, die zumeist mittels eines Schlauches durch den für die EC-Karte bestimmten Schacht in die Automaten geleitet werden.
Bei dem Bemühen, die Serie der Sprengstoffanschläge aufzuklären, setzt die Polizei vor allem auf die Arbeit der Kriminaltechniker. Die rückten auch am Mittwoch am Tatort des jüngsten Falles in Reinickendorf an, um ihre mühsame Tätigkeit aufzunehmen. Die Suche nach verwertbaren Spuren innerhalb eines völlig verwüsteten Raumes gleicht allerdings der Arbeit an einem Puzzle der besonders komplizierten Art.





