Im Eingang steht ein schwarz-rot verkokelter Kühlschrank. Ein kleines weißes Schild wirbt für „Erdbeer-Daiquiri, 4,50 Euro“. Die wird man hier jedoch vergebens suchen, denn nach dem Großbrand in der Nacht des 20. Juli ist vom Festsaal Kreuzberg nicht mehr viel übrig.
Schon im Innenhof fällt der strenge Brandgeruch auf. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man die mit Ruß verkrusteten Stellen auf dem weißen Gebäude der Skalitzer Straße 130. Ein lila Streifen mit der Aufschrift „Polizeipräsident zu Berlin“ weist heute noch darauf hin, dass hier vor weniger als drei Monaten ein Großbrand alles zerstört hat.
„Mein Lieblingsort war oben in der Galerie gleich neben der Treppe. Von dort aus hatte man eine tolle Sicht auf die Bühne”, sagt Björn von Swieykowski, Mitgründer der GbR Festsaal Kreuzberg. Für viele Berliner war der Festsaal der Lieblingsclub schlechthin.
Keine Fenster in der 300 Quadratmeter großen Halle
Nicht nur das Innere des Clubs mit seinen hohen Decken, der durchgehenden Galerie im ersten Obergeschoss, sondern auch das vielfältige Programm überzeugte. Von Vorträgen italienischer Partisanen aus dem Zweiten Weltkrieg über Boxkämpfe bis hin zu unzähligen Konzerten Berliner und internationaler Künstler. Es sei für jedermanns Geschmack etwas dabei gewesen, so der Mitgründer.
Am 20. Juli mussten Ingo Ohm, Christoph Nahme, Christopher Schaper und Björn von Swieykowski dann mit ansehen, wie sich ihr Festsaal in Rauch auflöste. Um 21 Uhr meldete ein Mitarbeiter eine leichte Rauchentwicklung am linken Rand der Bühne. Zu diesem Zeitpunkt sei der Saal noch nicht vollgequalmt gewesen. Sofort habe er die Veranstalter und die Feuerwehr angerufen.
Doch die insgesamt 300 Quadratmeter große Halle besitzt keine Fenster und nur zwei Vordertüren und einen hinteren Liefereingang, was wiederum den Rauchabzug erschwerte. „Es gab ganz schnell eine Rauch- und Hitzeentwicklung, alle mussten raus”, erzählt der Veranstalter. In diesem Moment hätten sie schon gewusst, dass es mit dem Festsaal vorbei sei. „Ich dachte nur: Das Ding ist durch, es wird nicht mehr sein“, erzählt von Swieykowski.
400.000 Euro für Wiederaufbau des Festsaals nötig
Die ganze Nacht mussten die vier Freunde zuschauen, wie ihr Club trotz der 300 Feuerwehrmänner einfach abbrannte. „Es war ein krasse Ohnmachtserfahrung”, erinnert er sich. Grund für das Desaster sei ein Fehler in der Haustechnik gewesen.
Um sechs Uhr morgens informierten die Betreiber auf ihrer Facebook-Seite über den Brand. „Eine unvorstellbare Welle an Anteilnahme und Hilfsangeboten von Fans und Künstlern erreichte uns in den Tagen danach”, sagt der Veranstalter. Dies habe in den vier Gründern wieder Hoffnung geweckt: Der Festsaal soll wieder aufgebaut werden.
Ingesamt 400.000 Euro benötige die GbR zum Wiederaufbau des Festsaals. Viel werde von den Versicherungen getragen, aber insbesondere der sehr kostenspielige Innenausbau, wie beispielsweise die Schallschutzverkleidung, die gastronomischen und sanitären Bereiche oder die Lüftungsanlage, müssten wieder aufgebaut werden.
Crowdfunding soll Startfinanzierung bringen
Da die vier Betreiber über solche Summen nicht verfügen, bitten sie die Fans des Festsaals um finanzielle Unterstützung. Der Weg heißt Crowdfunding. Mit Hilfe der Schwarmfinanzierung über das Portal startnext.de hoffen die Betreiber auf ausreichend Geld, um den Wiederaufbau des Saals bald angehen zu können.
Es müsste allerdings erst einmal die Schwelle der 20.000 Euro erreicht werden, damit die bisherigen Online-Spenden überhaupt eingenommen werden können. Mit diesem Geld sollen dann zunächst die Erstellung eines Bauantrags und eines Brandschutzgutachtens finanziert werden.
Seit 30. August wurden bereits fast 8.500 Euro von rund 300 Unterstützern gespendet. Mit zehn Euro kann man einsteigen, und je höher die Summe, desto größer der Dank der Betreiber. Diesen drücken sie durch Kleinigkeiten aus wie zum Beispiel ein T-Shirt ab einer Spende von 25 Euro bis hin zu Festival-Kombitickets oder Festsaal-Barhockern.
Es soll alles wieder so aufgebaut werden wie vorher
Das Ziel: 30.000 Euro bis zum 28. November einsammeln. „Mit diesem Geld könnten wir dann die komplette Planungsphase finanzieren und einen Bauantrag stellen”, sagt von Swieykowski. „Wir wollen alles wieder genauso aufbauen. In der Hinsicht sind wir etwas konservativ.“
Voraussetzung dafür sei die endgültige Begutachtung des Gebäudes. „Dann wissen wir, ob nur der Innen- oder auch der Außenbereich erneuert werden muss”, so der Betreiber. Dann werde sich entscheiden, ob der Festsaal am selben Standort wieder aufgebaut wird oder an einem anderen Standort in Kreuzberg.





