Kreuzberg

Westteil eröffnet - Park am Gleisdreieck ist nun komplett

Wo früher Züge rollten, können sich jetzt die Berliner erholen. Spielplätze, Fitness-Geräte und ein Café sollen für Abwechslungen vom Alltag sorgen. Sogar Schrebergärten sorgen für Altberliner Flair.

Foto: Sven Lambert

Noch rollen vereinzelt Bagger über das Gelände des Parks am Gleisdreieck. Absperrbänder schützen die Grünflächen vor neugierigen Besuchern. Überall wird noch einmal letzte Hand angelegt. Denn schon am Freitag wird Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) den westlichen Teil des Parks, der den Quartieren in Schöneberg und dem Potsdamer Platz zugewandt ist, eröffnen. Das neun Hektar große Areal wird damit ein halbes Jahr früher fertig als erwartet.

Der Park wird durch eine neue ICE-Trasse in einen Ost- und Westteil geteilt. Der östliche Teil des Parks, der sich nach Kreuzberg ausrichtet, war bereits im September 2011 eröffnet worden.Nun ist der neue City-Park komplett – und die Hauptstadt bekommt damit einen urban gestalteten Freiraum, der von vielen Berlinern genutzt werden dürfte.

Die weitläufige, zentrale Rasenfläche ist gesäumt von Eichen und Kiefern. Im Hintergrund ragt die Skyline des Potsdamer Platzes empor. U-Bahnviadukte schlängeln sich durch den Park. Die darauf fahrenden Bahnen sorgen für eine Atmosphäre städtischer Geschäftigkeit. Doch trotz der imposanten Kulisse schafft es der neue Westteil, einen innerstädtischen Raum zu schaffen, der durch seine Offenheit besticht.

Freizeitvergnügen für Jung und Alt

Der Park ist als altes Bahngelände gegenüber den umliegenden Straßenzügen um vier Meter erhöht und eröffnet so neue Perspektiven. Im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs zur Gestaltung des Parks hatten die Landschaftsarchitekten Atelier Loidl aus Berlin 2006 den Zuschlag erhalten.

„Wir sind völlig begeistert von dem neuen Park-Teil – unsere Kinder werden es lieben“, sagt Anwohnerin Susanne P. Sie ist mit ihrer Familie vor einem halben Jahr in die Nachbarschaft des Parks gezogen. Und in der Tat: Der Park bietet Freizeitvergnügen für Jung und Alt. Neben den klassischen Angeboten wie Basketballkörben, Schaukeln und Tischtennisplatten gibt es weitere Spielmöglichkeiten.

In Flächen aus grünem Gummi-Belag sind Trampoline eingelassen, ein mit weißen Linien aufgezeichnetes Labyrinth soll Verwirrung stiften. Neben diesen Angeboten gibt es noch zwei abgegrenzte Spielplätze aus kunstvoll arrangierten Holzgeräten. Für Erwachsene gibt es mehrere Fitness-Geräte.

Sommercafé auf einer Sandfläche

„Ich bin gespannt, wie sich der Park entwickeln wird. Unter dem Bahnviadukt sollen zum Beispiel Flohmärkte stattfinden. Das fände ich toll“, sagt Susanne P. Ein zweiter Mauerpark? Die junge Mutter winkt lachend ab. „Hoffentlich nicht ganz so überfüllt“, sagt sie.

Dass der Park ein Besuchermagnet wird, scheint allerdings absehbar. Auch die Gastronomie soll nicht zu kurz kommen. Auf einer bereits angelegten Sandfläche, die von terrassenförmig angelegten Holzbänken umgeben ist, soll im Sommer ein Café betrieben werden.

Ein besonderes Projekt wurde auch im südwestlichen Teil des Parks verwirklicht. Im Rahmen der Aktion „Gärten im Garten“ wurden sechzehn bereits bestehende Parzellen der Kleingartenanlage „Potsdamer Güterbahnhof“ in den Park integriert. Die Schrebergärten bewahren etwas vom typischen Alt-Berliner Flair.

Kinder können im naturbelassenen Gebiet spielen

Doch auch viele neue Ideen haben im Park Einzug erhalten. In dem ersten Naturerfahrungsraum Berlins können Kinder von sechs bis zwölf Jahren in der Wildnis spielen. Auf dem naturbelassenen Gebiet findet sich ausreichend Matsch, um Kinder zum Jauchzen und Eltern bei dem Gedanken an die Wäsche zum Verzweifeln zu bringen.

Angeregt wurde das Projekt von Bürgerinnen und Bürgern und war im Juni 2009 fertiggestellt worden. Dort, wo sich jetzt der Park erstreckt, rollten früher die Eisenbahnzüge. „Ich erinnere mich noch, wie es hier vor dreißig Jahren aussah. Überall Gleise. Kaum zu glauben, wenn ich den Park jetzt sehe“, sagt eine Spaziergängerin. Das ehemalige Areal des Anhalter- und Potsdamer Güterbahnhofs war früher zudem als Logistikfläche für die Bauarbeiten am nahe gelegenen Potsdamer Platz genutzt worden.

„Für unsere Hunde war die vorherige Brachfläche besser. Da konnten sie ohne Leine rumtoben“, sagt dagegen Carola Bach. Sie und ihre Kollegin Nicole Wolter gehen jeden Tag mit ihren Hunden in der Mittagspause übers Gleisdreieck. Beide bedauern, dass die Hundeauslauffläche weiterhin sehr klein gehalten ist. Trotzdem finden die beiden den neuen Park sehr gelungen. „Gerade in den letzten sechs Wochen hat sich extrem viel getan“, sagt Nicole Wolter.

Museumsbahn fährt regelmäßig durch den Park

Um den Park herum geht es mit den Bauarbeiten noch weiter. Im direkten Umfeld des Parks wächst ein Neubau nach dem nächsten aus dem Boden. „Ich bin oft auf der anderen Seite des Parks, gerade radele ich das erste Mal durch den neuen Teil. Aber ich finde es toll, dass man noch erkennen kann, was das früher für ein Areal war“, sagt Fritzi Busch, eine Kreuzbergerin.

Der bereits geöffnete 17 Hektar große Ostteil ist vor allem gekennzeichnet durch die dort bewahrten historischen Relikte der Bahnzeit. Auf alten Gleisen fährt regelmäßig eine Museumsbahn des anliegenden Technik-Museums mit Besuchern durch den Park. Einzelne Überbleibsel wie alte Prellböcke sind eingebettet in ein mehr als 50 Jahre altes Wäldchen, das den Ost- mit dem Westteil verbindet.

Vom Süden her verläuft der Radweg Berlin-Leipzig durch den gesamten Park, weshalb man ihn auch gut mit dem Fahrrad durchqueren kann. Mit dem vervollständigten Park am Gleisdreieck bekommt die aufstrebende Gegend rund um die Potsdamer Straße eine moderne und sehr abwechslungsreiche Erholungsfläche, auf die sich Anwohner und Park-Touristen gleichermaßen freuen können.