Mauer-Streit

Berliner Bezirk lehnt höhere Bauten an East Side Gallery ab

Der Neubau „Waterfront Living“ hinter der Berliner East Side Gallery wird keine zusätzlichen Geschosse bekommen. Der Investor kann dagegen Widerspruch einlegen. Dann entscheidet der Senat.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will verhindern, dass das neue Hotel hinter der East Side Gallery höher wird als geplant. Die Behörde wird nicht genehmigen, dass der Neubau „Waterfront Living“ an der Mühlenstraße 61-63 zwei zusätzliche Geschosse bekommt. Sie wird auch den Antrag des Investors ablehnen, statt 20 Prozent des Gebäudes künftig 50 Prozent für Wohnungen zu nutzen.

„Wir sind durch den Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung gebunden“, sagte Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Die BVV hatte am Mittwochabend einem Antrag der Grünen zugestimmt. Der fordert, dass es für die Bauprojekte hinter der East Side Gallery kein zusätzliches Baurecht über das hinaus geben soll, das im Bebauungsplan festgelegt ist.

Zu erwarten sei jedoch, dass der Investor, eine israelische Gruppe, Widerspruch dagegen einlegen werden, sagte Schulz. „Das halte ich für sicher.“ Die Stelle, die über den Widerspruch entscheide, sei die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Er nehme an, dass sie die Anträge genehmigen werde, die das Bezirksamt ablehnt.

Kompensation für Kompromiss bei gemeinsamer Zufahrt

Der Investor des Gebäuderiegels „Waterfront Living“ hatte im April mehrere Anträge auf Ausnahme und Befreiung von den Festlegungen des Bebauungsplans gestellt. Er will damit eine Kompensation für den Kompromiss, auf den er sich eingelassen hat.

Er hat zugestimmt, dass über sein Grundstück Mühlenstraße 61-63 auch die Zufahrt für das benachbarte Hochhaus an der Mühlenstraße 60 verläuft, das der Chef von „Living Bauhaus“, Maik Uwe Hinkel, errichten will.

Durch diese gemeinsame Zufahrt wird vermieden, dass eine große Lücke in der denkmalgeschützten East Side Gallery entsteht. Doch dadurch müssen die bisherigen Pläne auf beiden Grundstücken verändert werden. Sie gehen von getrennten Zufahrten aus.

„Eine noch größere Herausforderung“

Living Bauhaus steht dem Kompromiss, der Ende März im Gespräch mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zustande kam, skeptisch gegenüber. Man habe Bedenken gegen die gemeinsame Zufahrt, „vor allem mit Blick auf die sicherheitstechnischen Anforderungen“, und halte die Umsetzung für schwierig, sagte Sprecher Jürgen Scheunemann. Dies habe man auch den Behörden mitgeteilt.

„Umbauten müsste es für diese Option auch in unserem Wohnhaus geben“, so Scheunemann. „Gegenwärtig prüfen Statiker, ob und wie unser Bau so umgestaltet werden kann, dass eine gemeinsame Nutzung der Zufahrt möglich wäre.“ Konkrete Angaben dazu könne man noch nicht machen, da die Prüfung noch nicht abgeschlossen sei.

Living Bauhaus befürchtet Nachteile dadurch, dass das benachbarte Hotel-Gebäude um zwei Etagen höher wird. „Es wird sicher einen Schattenwurf auf unseren Bau geben“, sagte Jürgen Scheunemann. Weil sich die Zahl der Wohnungen auf dem Nachbargrundstück erhöhe, werde auch der Verkehr auf der gemeinsamen Zufahrt mehr. Dies stelle „eine noch größere Herausforderung dar“.