East Side Gallery

Bauherr sichert Mauer gegen weitere Risse ab

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Christina Brüning

Foto: Soeren Stache / dpa

Weil der Bauherr bereits Maßnahmen gegen Risse in der Mauer getroffen hat, gibt es keinen Baustopp. Bezirksbürgermeister Franz Schulz bleibt skeptisch und will die Schäden weiter im Auge behalten.

An der East Side Gallery gehen die Bauarbeiten weiter – auch wenn sich in den letzten Wochen offenbar Risse in der Mauergalerie gebildet haben. Ein Baustopp sei jedoch von der Bauaufsicht des Bezirks erst einmal nicht verordnet worden, sagte Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) am Dienstag.

Als Grund nannte Schulz die Maßnahmen zur Sicherung der Mauerstücke, die der Investor auf dem Spreegrundstück, wo 36 Wohnungen gebaut werden sollen, bereits getroffen habe. Diese würden nun von der Bauaufsicht geprüft. „Wenn die Angaben des Investors über die Sicherungsmaßnahmen zutreffen, ist kein Baustopp nötig, weil dann bereits rechtzeitig reagiert worden ist“, sagte Schulz.

Verärgert war der Grünen-Politiker am Dienstag allerdings über die „miserable Kommunikation“ vonseiten des Bauherrn. Aktivisten der Initiative „East Side Gallery retten“ hatten Schulz und den Bezirk darauf aufmerksam gemacht, dass die Mauer durch die Arbeiten Risse bekomme. Daraufhin hatte Schulz sich am Montag vor Ort ein Bild gemacht und einen Baustopp erwogen.

Denkmalschutzbehörde dokumentiert Risse vor Ort

Doch erst nachdem die Medien darüber berichtet hatten, teilte Investor Maik Uwe Hinkel, Inhaber der Firma „Living Bauhaus“, dem Bezirk und der Öffentlichkeit mit, man habe schon vor drei Wochen entsprechende Maßnahmen zur Sicherung der Mauer ergriffen. „Das war wenig elegant. Da hätte Ärger vermieden werden können“, kritisierte Schulz. Warum die Mitteilung erst so spät gemacht wurde, blieb am Dienstag vonseiten des Investors unbeantwortet.

Die Standsicherheit der East Side Gallery sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, heißt es in der Mitteilung von Hinkel. Ingenieure hätten bei der Vermessung der Mauer und des Untergrunds festgestellt, dass das Erdreich an manchen Stellen unverdichtet sei.

„Wir haben deshalb die Seiten der Baugrube zur East Side hin parallel zur ‚Mauer‘ eigens mit einer überschnittenen Bohrpfahlwand verstärkt“, so Hinkel. Die Maßnahme gewähre „maximalen Schutz“ für die East Side Gallery. Die Technik soll die Übertragung von Schwingungen durch die Bauarbeiten ins Erdreich unter der Mauer mindern.

Nach Angaben von Schulz ist die Sicherung in Abstimmung mit einem unabhängigen Bauprüfingenieur getroffen worden. Dessen Angaben sollen nun von der Bauaufsicht kontrolliert werden. Außerdem, so Schulz, sei die Denkmalschutzbehörde des Bezirks vor Ort, um die Risse zu dokumentieren und Gipsabgüsse von ihnen zu machen – zur Beweissicherung. So könne überprüft werden, ob die Schäden mit fortschreitenden Bauarbeiten doch größer würden.

Wieder Demo zum Erhalt der Mauer im Mai geplant

Nach Ansicht von Living Bauhaus sind „feine Haarrisse“ in der Mauer bereits vor Beginn der Bauarbeiten vorhanden gewesen. Vermessungen hätten gezeigt, dass die Arbeiten die Mauer nicht beeinträchtigten. Schulz dagegen sagt, ihm sei davon vorher nichts aufgefallen.

Auch die Initiative „East Side Gallery retten“ hält die Risse für neu. „Die Schäden sind erheblich“, sagte Aktivist Robert Muschinski am Dienstag. „Im Gehweg hat sich schon eine Stufe von mehreren Zentimetern gebildet, über die die Fußgänger stolpern.“

Muschinski fordert weiterhin, dass es einen Baustopp geben müsse. Er hält die Maßnahmen des Investors noch nicht für ausreichend. So hätten sich auch unterhalb der Mauer Löcher gebildet, die bei starkem Regen weiter ausgehöhlt werden könnten. „Da muss bald eingeschritten werden“, sagte Muschinski. „Wir beobachten und dokumentieren weiter und hoffen, dass die Behörden ihre Arbeit machen.“ Auch eine neue Demonstration zum Erhalt der Mauergalerie solle es noch im Mai geben, kündigte er an.

Grundstückseigentümer muss sich an Restaurierungen beteiligen

Die Behörden werden laut Bürgermeister Schulz den Vorgang weiter überprüfen. Die Denkmalpflege müsse entscheiden, ob und wie Restaurationsarbeiten an der Mauer vorgenommen werden müssten, so Schulz. „Das sollte man nicht auf die lange Bank schieben, weil das Problem sonst mit der weiteren Bebauung der Grundstücke nur größer wird“, sagte Schulz.

An etwaigen Restaurierungen müsste sich auch der Grundstücksinhaber beteiligen, dem nach Auskunft von Bürgermeister Schulz auch die angrenzenden Meter der Mauergalerie gehören. Denn bei der letztmaligen Sanierung der East Side Gallery vor wenigen Jahren hätte sich der Eigentümer vertraglich verpflichtet, für zehn Jahre die Mauer zu pflegen.

Investor Hinkel teilte am Dienstag außerdem mit, Statiker und Bauingenieure würden derzeit den Kompromissvorschlag prüfen, der im März zwischen Senat, Bezirk und Investor ausgehandelt worden war, als die Versetzung von Mauerteilen für die Bebauung des dahinter liegenden Grundstücks für massiven Protest und weltweit für Schlagzeilen sorgte.

Wirbel um mögliche Stasi-Akten über Hinkel

Demnach soll die Zufahrt über ein Nachbargrundstück erfolgen. Das jedoch werde derzeit „aus technischen und rechtlichen Gründen“ in der praktischen Umsetzung als „sehr schwierig“ erachtet, so Hinkel. Eine Schlussbewertung, auch zur Höhe der möglichen Kosten der Kompromisslösung, werde noch im Mai erwartet.

Hinkel sorgt unterdessen auch auf einem anderen Gebiet für Aufsehen. Immer wieder waren dem Investor in der Diskussion um den Erhalt der East Side Gallery vor einigen Wochen Verbindungen zur Stasi nachgesagt worden. Verschiedene Medien, auch diese Zeitung, hatten daraufhin bei der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU) Akteneinsicht beantragt.

Hinkel soll zu DDR-Zeiten als IM „Jens Peter“ in Zwickauer Kirchenkreisen aktiv gewesen sein, was er allerdings bestreitet. Die BStU teilte Montag mit, die Herausgabe von Unterlagen zu Anträgen, die sich auf Maik Uwe Hinkel beziehen, könne nicht erfolgen – Hinkel hat beim Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung dagegen erwirkt. Die abschließende Prüfung seines Antrags steht noch aus. Hinkel möchte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.