An der East Side Gallery haben Unbekannte in der Nacht zu Montag einen Wachmann verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte der Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma kurz vor 23 Uhr sechs dunkel gekleidete Männer dabei ertappt, wie sie über den Zaun der umstrittenen Baustelle an der Mühlenstraße klettern wollten. Als er sie ansprach, schlug ihn einer der Männer mit einem Stein nieder, sodass der Wachmann bewusstlos wurde. Nach Angaben des Bauherren Maik Uwe Hinkel erlitt er eine schwere Jochbeinprellung und eine Gehirnerschütterung.
Gegenüber der Polizei gab er an, die Männer bereits um 21 Uhr an der Baustelle beobachtet zu haben. Die Tat sollte nicht der einzige nächtliche Vorfall bleiben. Gegen 1.30 Uhr stiegen erneut Unbekannte über den Bauzaun.
Aktivisten flüchten vor der Polizei
Mehrere Aktivisten schleppten zugleich eine große, mit einem Bild bemalte Holzplatte zur East Side Gallery, mit der sie die seit Ende März in dem weltberühmten Mauerabschnitt klaffende Lücke verschlossen. Als Sicherheitskräfte eintrafen, flüchtete die Täter teils mit einem Auto in Richtung Warschauer Straße, teils zu Fuß in Richtung Jannowitzbrücke. Polizisten entfernten die Platte wieder. Da die Taten mutmaßlich politisch motiviert seien, ermittele der Staatsschutz des Landeskriminalamts wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch, sagte ein Polizeisprecher. Die Holzplatte werde auf Spuren untersucht.
Bündnis „East Side Gallery retten“ distanziert sich
Das Bündnis „East Side Gallery retten“ distanzierte sich am Montag von der gewaltsamen Aktion. „Wir haben das weder initiiert, noch hatten wir davon Kenntnis“, sagte Sprecher Lutz Leichsenring. Das Bündnis habe immer Wert auf friedliche Formen des Protests gelegt. „Wir hoffen, dass es dem Wachmann gesundheitlich gut geht“, so Leichsenring. Nachdem am vergangenen Sonntag nur noch vergleichsweise wenige Teilnehmer einem Aufruf zu einer Kundgebung am Mauerstreifen gefolgt waren, kündigte er neue Aktionen in anderer Form an. Im Gespräch sei etwa eine Podiumsdiskussion mit namhaften Denkmalschutzexperten und Wissenschaftlern. Auch Opferverbände sollten stärker integriert werden. Die Entfernung von Mauerteilen aus der East Side Gallery bezeichnete Leichsenring als „unrühmlichen Vorgang für die ganze Stadt“.
Investor Hinkel verurteilt den Angriff scharf
Trotz wochenlanger Proteste hatte Investor Hinkel Ende März damit begonnen, Betonteile aus der Mauer heraustrennen zu lassen. Die neue Lücke soll als Baustellenzufahrt für ein Wohnhochhaus dienen. Den Übergriff auf den Wachmann verurteilte Hinkel scharf: „Wir respektieren all diejenigen, die friedlich gegen unser Projekt protestieren. Gewaltsame Übergriffe auf unsere Mitarbeiter oder die von uns beauftragten Firmen können wir aber nicht akzeptieren.“








