Spontan-Demonstration

Nachbarn protestieren gegen Lofts mit Auto-Aufzug

In Kreuzberg müssen Luxusautos künftig nicht mehr an der Straße stehen. Donnerstagabend wurden hier Wohnungen mit Stellplatz für das Auto neben dem Wohnzimmer präsentiert. Der Lärm der Feiernden machte die Anwohner wütend. Spontan zogen 100 Menschen zum Protest vor das neue Haus. Dort fürchteten die neuen Mieter, das Gebäude würde gestürmt.

Rund 100 Menschen haben am Donnerstagabend spontan gegen die Präsentation eines Luxus-Wohnprojekts demonstriert. Die mit ihren Autos vorfahrenden neuen Mieter in der der Liegnitzer Straße wurden am Donnerstagabend mit Musik begrüßt. Das störte Anwohner, die ihrerseits ihre Musikanlage aufdrehten. Gegen 23.15 Uhr hatten sich etwa 100 aufgebrachte Personen vor dem Gebäude versammelt. Die Gruppe aus Anwohnern und Angehörigen der linken Szene protestierte lautstark mit Pfiffen und Sprechchören gegen die Veranstaltung.

Weil sie fürchteten, die Menschenmenge könnte das Haus stürmen, alarmierten Mieter der Wohnanlage die Polizei. Die Beamten forderten die Gruppe auf, den Ort zu verlassen. Die Protestmenge löste sich daraufhin gegen 23.50 Uhr ohne größere Störungen auf. Zusätzliche Einsatzkräfte hielten sich vorsichtshalber in der Nähe bereit, mussten aber nicht eingreifen. Mehr als 120 Beamte waren im Einsatz.

Die Luxusquartiere sind zwischen 224 und 540 Quadratmeter groß. Jede ist mit einem Etagengarten von 45 bis 60 Quadratmeter ausgestattet – und mit einem Stellplatz für das Auto, einer sogenannten Car-Loggia. Sie ist sieben mal vier Meter groß. Etwa zweieinhalb Minuten dauert es, bis man mit dem Auto von der Straße bis auf den Privatparkplatz der Wohnung gerollt ist. Die Zeit im Fahrstuhl verkürzt ein Bildschirm, auf dem Wetterbericht und Börsendaten erscheinen. Von der Wohnung aus kann der Lift für eine vorbestimmte Zeit bestellt werden. Und falls er stecken bleibt, wird mit der Notruftaste die Servicefirma gerufen. Die Kaufpreise der Car-Lofts liegen zwischen 486.000 und 1,6 Millionen Euro.

Die Idee für die Wohnungen für Familie und Auto hatte Architekt Manfred Dick vor fünf Jahren, als er mit dem Bauherrn über ein neues Haus sprach. Nach seinen Plänen nun die Car-Lofts an der Reichenberger Straße. Bauherr ist die Topos Paul-Lincke-Höfe GmbH, die das Projekt für rund zehn Millionen realisiert. Es war im vergangenen Jahr ins Stocken geraten, weil der Generalunternehmer insolvent wurde. Am Donnerstag führte der Bauherr den funktionstüchtigen Car-Lift vor. Im Herbst sollen auch die Lofts fertig sein. Sechs seien bereits verkauft, sagt Topos-Geschäftsführer Johannes Kauka.

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