Viele irritierte oder verständnislose Blicke richten sich am Sonnabendnachmittag in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg auf eine Gruppe von Frauen mit Schildern. „Tiere sind keine Lebensmittel“ und andere Botschaften sind darauf geschrieben. In einer Fußgängerzone haben Aktivistinnen der Tierrechtsorganisation PETA direkt vor der Fleischerei Haase einen Grill aufgebaut. Darauf haben sie eine Hundeattrappe gelegt, die symbolisch gegrillt wird.
Während eine vorbeilaufende Frau zu ihrem Mann nur „was soll denn das?“ zischt, erklärt Jennifer Veit den Hintergrund dieser Protestaktion. Die 47-Jährige, die im Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf arbeitet, engagiert sich seit zwei Jahren bei PETA, war schon vorher Tierrechtsaktivistin.
„Hunde-Barbecue“ in Charlottenburg: Was PETA damit erreichen will
Sie sagt, man wolle damit auf den in der Gesellschaft verbreiteten Speziesismus aufmerksam machen. Dabei geht es um die Diskriminierung bestimmter Lebewesen allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Anders formuliert: Speziesismus ist die Anschauung, wonach der Mensch allen anderen Arten überlegen und daher berechtigt ist, alle anderen Lebewesen so zu behandeln, wie er es für richtig hält.
„Mit unserer Aktion appellieren wir an die Menschen, speziesistisches Denken zu hinterfragen und statt der Leichenteile eines misshandelten Individuums leckeres Gemüse oder vegane Fleischalternativen auf den Grill zu legen“, erklärt Jennifer Veit. Die speziesistische Denkweise führe dazu, dass Menschen glauben, sie hätten das Recht, „Nutztiere“ auszubeuten, zu quälen und zu töten. Die Aktivistinnen von PETA wollen die Menschen, die ihnen vor Ort zufällig begegnen, von einer veganen Ernährung überzeugen.
So unterschiedlich fallen die Reaktionen auf die Protestaktion aus
Eine Passantin mittleren Alters müssen sie nicht mehr überzeugen. Sie spricht die Aktivistinnen selbst an und sucht das Gespräch. Zur Morgenpost sagt die Frau, sie ernähre sich schon länger vegan und habe sich nur mal mit jemandem unterhalten wollen, „der genauso tickt wie ich“. Weniger verständnisvoll äußert sich eine Verkäuferin der Fleischerei Haase, vor deren Tür sich die Aktion abspielt. Wie sie den Protest findet? „Scheiße!“, schnauzt sie. Sie meint, die Ernährung solle jedem selbst überlassen werden.

Auch Jennifer Veit erlebt die ganze Bandbreite an Reaktionen. Sie habe gute Gespräche führen können, aber auch aggressives Anschreien erlebt, berichtet sie. Natürlich sei das Hundegrillen provokativ, aber so könne PETA die Leute mit ihrer Botschaft erreichen.
Zwei junge Männer suchen gezielt die Provokation
Ob es aber gelingt, die Passanten am U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße wirklich zu überzeugen, auf vegane Kost umzusteigen, scheint fraglich. Das zeigt auch eine Begegnung mit zwei jungen Männern, die vor dem Grill haltmachen. „Ich unterstütze das Ganze“, betont der eine zunächst. Es wird jedoch schnell klar, dass die beiden nur provozieren wollen.
Einer von ihnen holt sogar sein Handy hervor, um den Aktivistinnen ein Video von einer Schlachtung zu zeigen, die er selbst vorgenommen hat. „Ich respektiere ja auch Tiere, aber ich esse sie gerne“, erklärt er. „Soll ich mich etwa ernähren von Scheiße auf der Straße?“ Die Aktivisten von PETA wollen das Gespräch beenden, doch einer der beiden Männer will ihnen noch ein Angebot machen. 100 Euro würde er ausgeben, um die Frauen von PETA alle zum Fleischessen in die gegenüberliegende Fleischerei einzuladen. Zum Abschied sagt er: „Schönen Abend euch noch, hört auf mit dem ganzen Blödsinn.“



