Ende einer Ära: Das Reinhard's auf dem Kurfürstendamm ist dicht.
Ende einer Ära: Das Reinhard's auf dem Kurfürstendamm ist dicht.© Maurizio Gambarini / Funke Foto Services | Unbekannt

Das Reinhard’s gab es zwar erst seit 2006 auf dem Kurfürstendamm, dennoch hatte sich das Restaurant mit deutsch-französischer Küche in zentraler Lage in der City West in dieser Zeit zu einer Institution entwickelt. Gerade im Sommer gehörte es für viele Promis zum guten Ton, auf der Terrasse zu speisen und über den Prachtboulevard zu blicken. Sehen und gesehen werden, das ist es schließlich, worum es geht. Damit ist jetzt allerdings Schluss, zumindest im Restaurant Reinhard’s: Am Freitag war das Restaurant den letzten Tag geöffnet.

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Der Vermieter habe den langjährigen, aber nun auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen, sagte Betriebsleiter Gil Vernikovsky bereits im März zur Morgenpost. Trotz mehrerer Verhandlungen sei es es zu keiner Übereinkunft mit dem Eigentümer gekommen. „Wir haben es versucht und hätten gerne weitergemacht“, so Vernikovsky. Denn leere Tische oder ausbleibende Umsätze seien nicht der Grund dafür, dass es nicht mehr weitergeht. Man sei nicht pleite. Nicht insolvent.

Mietvertrag wurde nicht verlängert

Das Hotel und die Immobilie wurden 2018 vom Unternehmen Aroundtown erworben.
Das Hotel und die Immobilie wurden 2018 vom Unternehmen Aroundtown erworben.© Unbekannt | Daniel Pasche

Nach seinen Informationen werde als Nachfolger auch kein neuer Gastronomiebetrieb einziehen. Das Restaurant liegt im selben Gebäude wie das traditionsreiche Hotel Bristol, welches erst 2018 von dem auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Unternehmen Aroundtown erworben wurde. Auch der „Bristol Grill“ muss schließen, wurde im Mai bekannt.

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Von der Schließung des Reinhard's betroffen sind rund 70 Mitarbeiter. Darunter sind auch acht Auszubildende. „Für uns alle und auch für mich ist das nicht leicht. Einige Mitarbeiter sind seit 16 Jahren bei uns, und wir sind eine große Familie“, sagte Betriebsleiter Gil Vernikovsky.

Besondere Verantwortung trage man gegenüber den Azubis, für die bereits eine Option gefunden sei. So gebe es eine Vereinbarung mit dem Hotel Bristol, nach der die Lehrlinge dort ihre Ausbildung fortsetzen können. Wer andere Pläne habe, werde ebenso unterstützt, genauso wie die übrigen Mitarbeiter. „Wir sind in der Stadt gut vernetzt, und ich denke, es wird keiner unserer Mitarbeiter ein Problem haben, in der Branche in der Stadt einen neuen Job zu finden“, so Betriebsleiter Gil Vernikovsky im März.

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Treffpunkt für zahlreiche Prominente

Zahlreiche Prominente besuchten in den vergangenen 16 Jahren das Restaurant Reinhard’s. Visagist René Koch und Friseur Udo Walz zählten zu den Stammgästen. Schauspieler wie Armin Rohde, Mario Adorf oder Berlinale-Chef Dieter Kosslick ebenfalls. Wie es weitergeht? Natürlich suche man nach Alternativen für einen Standort in Berlin, hieß es im März. Allerdings gebe es derzeit noch nichts Konkretes zu vermelden.

Die Reinhard´s-Gruppe, geführt von Thomas Weiand, betrieb einmal mehrere Restaurants in Berlin. Zuletzt schloss 2019 die Filiale im Nikolaiviertel in Mitte. Die Geschichte der Gastronomie unter der Adresse Kurfürstendamm 27 reicht hingegen viel weiter zurück. Im Jahr 1918 eröffnete an der Ecke Kurfürstendamm/Fasanenstraße das Restaurant und Delikatessengeschäft "Kempinski". Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört und schließlich ab 1951 zusammen mit dem Hotel „Bristol Kempinski“ wieder aufgebaut.

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Kurfürstendamm: Mehr Außengastronomie gewünscht

Mit dem Reinhard`s verschwindet ein weiteres Angebot für Außengastronomie auf dem Kurfürstendamm. Die Barfrau einer der letzten verbliebenen Kneipen auf dem Kudamm „bei Mo“ kritisierte in der Morgenpost jüngst, dass es auf dem Prachtboulevard viel zu wenig Angebote zum Draußensitzen gebe. Auch in einer erst kürzlich im Auftrag der IHK Berlin, der AG City und dem Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) durchgeführten Umfrage wünschten sich die meisten Kudamm-Besucher vor allem mehr Außengastronomie, Kunst- und Kulturangebote sowie mehr Geschäfte für den täglichen Bedarf.

Nun geschlossen: das Reinhard's.
Nun geschlossen: das Reinhard's.© Maurizio Gambarini / Funke Foto Services | Unbekannt

Auf Nachfrage drückte auch die AG City ihr Bedauern über die Schließung des Traditionsrestaurants aus. „Das Reinhard's war prägend für unsere Region und Sinnbild für das traditionelle Berlin. Man traf sich gern mit Freunden und Geschäftspartnern, konnte "Leute kieken" oder eine Ruhepause vom Shoppingbummel einlegen“, so Romy Schubert von der AG City.

Dennoch liege in jedem Ende auch die Chance auf Neues und Belebendes begründet. Man hoffe auf eine Nachnutzung, die ein Anziehungspunkt ist und die zur Marke Kudamm passe. „Grundsätzlich ist Gastronomie mit einer guten Qualität natürlich wünschenswert“, so Schubert. Nicht ohne Grund engagiere man sich seit Jahren für die Errichtung moderner Gastro-Pavillons auf dem Mittelstreifen der Tauentzienstraße, die die Verweildauer der Gäste verlängern und die Aufenthaltsqualität erhöhen sollen.

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