Berliner Wahrzeichen

Berliner Senat stellt das ICC unter Denkmalschutz

Das Internationale Congress Centrum (ICC) am Messedamm in Charlottenburg ist in die Berliner Denkmalliste aufgenommen worden.

Das ICC in Berlin steht nun unter Denkmalschutz.

Das ICC in Berlin steht nun unter Denkmalschutz.

Foto: Bildagentur-online/Joko / picture alliance / Bildagentur-online/Joko

Berlin. Vor wenigen Jahren wurde im Berliner Senat noch über den Abriss beraten – jetzt wird das Internationale Congress Centrum (ICC) am Messedamm in Charlottenburg unter Denkmalschutz gestellt. Wie Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Dienstagnachmittag mitteilte, hat Berlins Landeskonservator Christoph Rauhut das seit fünf Jahren außer Dienst gestellte Kongresszentrum in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.

Das Gebäude, das mit seiner futuristischen Aluminium-Fassade an ein Raumschiff erinnert, sei „aus künstlerischen, geschichtlichen und städtebaulichen Gründen denkmalwert“, hieß es zur Begründung. „Das ICC ist ein Wahrzeichen von Berlin, eine einzigartige Großstadtskulptur und monumentale Landmarke, die Berlin als Stadt der Zukunft kennzeichnet“, sagte Kultursenator Lederer. Seine Bedeutung reiche weit über Berlin hinaus, das ICC gehöre zu den „wichtigsten deutschen Bauten der Nachkriegszeit.“

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ICC wurde 1979 nach vierjähriger Bauzeit eröffnet

Eröffnet wurde der 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Kongressbau 1979 nach nur vierjähriger Bauzeit nach Plänen des Berliner Architektenehepaares Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte im Auftrag des Landes Berlin. In seinem Inneren ist Platz für bis zu 20.000 Kongress- und Veranstaltungsteilnehmer. 80 verschiedene Säle, der größte mit 5000 Sitzplätzen und die Möglichkeit, mit einem weiteren Saal für bis zu 3500 Personen über eine gigantische Bühne zusammengeschaltet zu werden, machten es zu einem der weltweit führenden Kongressstandorte.

Allerdings gibt es seit Jahren auch Kritik des Betreibers, der landeseigenen Messe Berlin GmbH, an der mangelnden Wirtschaftlichkeit des Gebäudes. Noch Ende 2017 hatte der Aufsichtsratschef der Messe Berlin, Wolf-Dieter Wolf, im Interview mit der Berliner Morgenpost bekräftigt, er sei für den Abriss des ICC.

Senat hat für die Sanierung des ICC 200 Millionen Euro bereitgestellt

Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linken war aber bereits festgelegt worden, dass das ICC als Standort für Kongresse und weitere Nutzungen wieder geöffnet werden soll. Der Berliner Senat hat für die Sanierung 200 Millionen Euro bereitgestellt. Die gesamte Sanierung und Modernisierung wird aber auf mindestens 500 Millionen Euro geschätzt.

Der Berliner Senat sei sich einig, dass nun die Sanierung des ICC auf den Weg gebracht werden müsse, um das ICC künftig wieder als Kongress- und Kulturzentrum zu nutzen“, betonte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne).

„Auch ohne formale Unterschutzstellung war der Denkmalwert des ICC seit langem in der Diskussion und wurde auch im jüngsten Interessensbekundungsverfahren berücksichtigt“, erklärte die Wirtschaftssenatorin.

Investoren hatten ihre - teils skurrilen Vorschläge - für das ICC präsentiert

In dem von der Wirtschaftsverwaltung gestarteten Verfahren waren Interessenten aufgefordert worden, darzulegen, inwieweit sie Aufgaben wie die Schadstoffsanierung, den Umbau und den Betrieb des ICC wirtschaftlich kalkulieren können. 50 Investoren hatten sich daraufhin am Verfahren beteiligt, und 13 von ihnen präsentierten schließlich in diesem Frühjahr ihre Vorschläge für das Gebäude. Darunter allerdings auch reichlich skurrile Ideen, wie etwa ein vollautomatisches Gewächshaus mit Platz für 13 Millionen Nutzpflanzen und 8000 Kongressbesucher.

„Es ist ein Glücksfall, dass das ICC ist mit seinen Farben, Materialien, Kunstwerken und Ausstattungsgegenständen noch so komplett erhalten ist”, ergänzte Berlins oberster Denkmalschützer Christoph Rauhut. Mit der Unterschutzstellung werde für die kommenden Abstimmungsrunden für alle Beteiligten Rechts- und Planungssicherheit geschaffen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass das ICC als Gesamtkunstwerk erhalten bleibt”, sagte Rauhut.

Das ICC sei ein Höhepunkt der sogenannten High-Tech-Architektur in Deutschland. Seine Gestalt entwickele sich aus der Konstruktion, ähnlich wie beim Centre Pompidou in Paris.

Zuletzt hatte das Landesdenkmalamt im Frühling dieses Jahres das Flughafenterminal in Tegel unter Schutz gestellt. Bis Jahresende würden noch weitere Gebäude aus den 1970er- und 1980er-Jahren folgen – in Ost und West, sagte Rauhut der Berliner Morgenpost.

Dass auch die Aufnahme in die Denkmalliste nur einen bedingten Schutz gewährt, zeigt indes das Beispiel der Deutschlandhalle, einst nur wenige hundert Meter vom ICC gelegen. 1995 war die Halle anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens unter Denkmalschutz gestellt worden. Auf Betreiben der Messe Berlin, die sich gegen die teure Sanierung aussprach, gab der Berliner Senat das Gebäude jedoch zum Abriss frei. Unter großer Anteilnahme der Berliner wurde das Dach der Deutschlandhalle am 3. Dezember 2011 gesprengt.