Polizeiermittlungen

Bordellbesitzer des „Artemis“ wollen Schadenersatz

Die Bordellbetreiber kamen nach einer Groß-Razzia vor zwei Jahren in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen verliefen im Sande.

Großrazzia: Im April 2016 durchsuchten Einsatzkräfte das Bordell "Artemis" in der Nähe des Funkturms in Berlin Charlottenburg.

Großrazzia: Im April 2016 durchsuchten Einsatzkräfte das Bordell "Artemis" in der Nähe des Funkturms in Berlin Charlottenburg.

Foto: Paul Zinken / dpa

Halensee. Zweieinhalb Jahre haben Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) gegen Betreiber und Mitarbeiter des Berliner Großbordells „Artemis“ ermittelt. Es ging um Menschenhandel, Ausbeutung von Prostituierten, organisierte Kriminalität und Verbindungen ins Rockermilieu. Geblieben ist von den Vorwürfen nichts. Anfang der Woche lehnte eine Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung ab. Für die Staatsanwaltschaft ist es ein peinliches Ende ihrer aufwendigen Ermittlungen. Und für das Land Berlin könnte es zu einer teuren Angelegenheit werden.

Man werde jetzt ernsthaft die Möglichkeit einer Schadenersatzforderung prüfen, sagte der Unternehmensrechtler Silvin Bruns, einer der Anwälte der beschuldigten „Artemis“-Betreiber der Berliner Morgenpost am Mittwoch. Bei der Prüfung, ob und in welchem Umfang ihren Mandanten Schadenersatz zusteht, beziehen sich Bruns und die weiteren Anwälte ausdrücklich auf den Beschluss der Wirtschaftkammer, die Schadenersatzforderungen in ihrem Beschluss für zulässig erachtet.

Staatsanwaltschaft spricht von "unglücklichem Verlauf" der Ermittlungen

In die Schlagzeilen geriet das „Artemis“, bis dato ein verschwiegenes Eta­blissement der gehobenen Preisklasse „für den anspruchsvollen Kunden“ im April 2016. Damals rückten 900 Polizisten, Zollfahnder, Finanzbeamte und Staatsanwälte an. Der gleichfalls anwesende damalige Innensenator Frank Henkel (CDU) verkündete, er werde keine organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu dulden, was die Opposition veranlasste, die Razzia als Wahlkampfveranstaltung für den Senator zu bezeichnen. Ein hochrangiger Ermittler verglich die Razzia gar mit dem Vorgehen amerikanischer Behörden gegen den berüchtigten Gangsterboss Al Capone. Die „Artemis“-Betreiber kamen in Untersuchungshaft, Vermögenswerte in sechsstelliger Höhe wurden sichergestellt.

Doch schon bald gerieten die Ermittlungen ins Stocken. Die Haftbefehle mussten aufgehoben, beschlagnahmte Werte zurückgegeben werden. Den Vorwurf des Menschenhandels wies das Kammergericht ab. Geblieben ist der Vorwurf der Scheinselbstständigkeit. Und auch den hat das Landgericht jetzt mit der Nichtzulassung der Anklage zurückgewiesen.

173 Seiten umfasst der Beschluss. Darin ist die Rede von ungenauen und widersprüchlichen Formulierungen in der Anklageschrift. Die Kammer sei in ihrem Beschluss zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani am Mittwoch. Seitens der Staatsanwaltschaft war von einem „unglücklichen Verlauf“ der Ermittlungen in einer Grauzone die Rede. Ein Sprecher sagte lediglich, man prüfe die Möglichkeit einer Beschwerde.

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