Breitscheidplatz

Sicherheit am Weihnachtsmarkt: Tauentzien wird Einbahnstraße

Zur Sicherheit werden die Straßen rund um den Weihnachtsmarkt teilweise gesperrt. Kritik gibt es auch an den geplanten Pollern.

Berlin. Schwere Metallpoller, mit Sandsäcken gefüllte Stahlgitterkäfige, über einen Meter hohe Betonsockel: Die „Sperrelemente“, die zur Sicherung des Weihnachtsmarktes ab Montag rund um die Gedächtniskirche aufgestellt werden sollen, sorgen für Diskussionen. Autofahrer müssen sich zudem auf massive Einschränkungen einstellen. Denn die Tauentzienstraße wird mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes am 26. November in westlicher Fahrtrichtung, die Budapester Straße in östlicher Fahrtrichtung gesperrt. Einmal im Kreis fahren bitte, heißt es dann zumindest für alle, die auch in diesen Tagen nicht auf das Auto verzichten wollen. Während der Aufbauarbeiten werden Budapester und Tauentzienstraße bereits ab kommendem Montag zudem in den Nachtstunden gesperrt. Busse werden zeitweise umgeleitet.

Der Senat lege einmal mehr „den Verkehr lahm“, kritisiert denn auch die FDP. „Für eine mobilitätsfeindliche Politik scheint Rot-Rot-Grün jeder Anlass willkommen zu sein“, sagt der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe. Sperrelemente nur auf dem Breitscheidplatz aufzustellen, sei ohnehin „reine Show“. Andere Plätze seien schließlich genauso gefährdet. Die Sperrelemente seien zudem eine „martialische Verschandelung der Innenstadt“, findet Luthe. Statt Pollern und mauerähnlichen Absperrungen hätte die Innenverwaltung „Stadtmöbel“ installieren sollen: Blumenkübel, Bänke oder Fahrradständer. Im Boden verankert, könnten sie ebenfalls für die nötige Sicherheit sorgen. Sie seien zudem ansehnlicher. Einen entsprechenden Antrag der FDP-Fraktion vom Februar 2018 habe die rot-rot-grüne Koalition aber abgelehnt.

CDU-Fraktionschef: "Steigert es vielleicht sogar die Atmosphäre"

Die CDU hält die teilweisen Sperrungen für den Individualverkehr dagegen für „nicht dramatisch“. „Wenn die Autos etwas Abstand halten, steigert es vielleicht sogar die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt“, sagt CDU-Fraktionschef Burkard Dregger.

Die Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden in der City West, die AG City, begrüßte, dass „die Stadt mehr für die Sicherheit unternimmt“. Die optische Wirkung der Sperr­elemente könne man erst beurteilen, wenn diese ab Montag aufgestellt würden. „Wenn sich die Sicherheitsvorkehrungen mit einer verbesserten Aufenthaltsqualität verbinden ließen, wäre das begrüßenswert“, sagte AG-City-Vorstand Klaus Meier.

Die Innenverwaltung versicherte, dass auch die anderen Weihnachtsmärkte gesichert würden. Grundsätzlich seien aber die Veranstalter dafür verantwortlich. Das Aufstellen der neuartigen Sperrelemente auf dem Breitscheidplatz, die einen zertifizierten und deutlich stärkeren Schutz gegen sogenannte Überfahrttaten bieten als die bisher eingesetzten niedrigen Betonsockel, diene dazu, Erfahrungen zu sammeln. Versenkbare Poller könnten am Breitscheidplatz nicht eingesetzt werden, weil sich einen halben Meter unter dem Boden die Tunneldecke der U-Bahn befinde. Die einseitigen Sperrungen von Tauentzien- und Budapester Straße seien nötig, damit die Absperrungen im Fall eines Lkw-Anschlags nicht in die Buden hineingeschoben würden. „Stadtmöbel“, die den Sicherheitsanforderungen genügen, seien bei der europaweiten Ausschreibung von keinem Unternehmen angeboten worden.

Firma aus Brandenburg bietet alternative Lösung

Bei möglichen weiteren Ausschreibungen dürfte sich auch das Brandenburger Unternehmen Protection Cube beteiligen. Die kürzlich gegründete Firma fertigt große Quader, die durch auf dem Boden verlegte Stahlseile verbunden sind und so, zertifiziert, ebenfalls einen hohen Schutz gegen Anschlagsversuche mit Lastwagen bieten. Der Unterschied: In die Quader können Pflanzen oder Weihnachtsbäume eingelassen werden, sodass sie wie Dekoration wirken. „Wir glauben, dass die Menschen Sicherheit, aber keine Betonbollwerke wollen“, sagt der Geschäftsführer von Protection Cube, Thomas Gobel. Bei der nächsten Ausschreibung werde sich die Firma beteiligen.

Die Veranstalter des Weihnachtsmarktes in Spandau haben unterdessen ebenfalls ihr Sicherheitskonzept vorgestellt. Die Altstadt soll demnach grundsätzlich befahrbar bleiben. An den Zufahrten soll es aber eine „Entschleunigung“ geben, sagte Veranstalter Sven-Uwe Dettmann. Poller würden mit Weihnachtsbäumen dekoriert und mit Holz getarnt. Der traditionelle Anschnitt des riesigen Stollens entfalle aus Sicherheitsgründen. Die Rettungswege wären bei der Aktion zeitweise eingeschränkt gewesen.

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