Waldbrandgefahr

Charlottenburg-Wilmersdorf stoppt Griller wegen Trockenheit

Nach dem Grillverbot in Friedrichshain-Kreuzberg prüft nun auch Charlottenburg-Wilmersdorf ein Vorgehen, um Waldbrände zu verhindern.

Ein Berliner Vergnügen, das an immer weniger Orten der Stadt erlaubt ist: Wer nicht umsichtig grillt, schadet der Umwelt oder sorgt sogar für Gefahr

Ein Berliner Vergnügen, das an immer weniger Orten der Stadt erlaubt ist: Wer nicht umsichtig grillt, schadet der Umwelt oder sorgt sogar für Gefahr

Foto: Reto Klar

Berlin. Gutes Wetter, gute Stimmung, gutes Grillen? Das ist in Friedrichshain-Kreuzberg seit Dienstag untersagt. Das zuständige Bezirksamt hat das Grillen in allen öffentlichen Grünanlagen und auf allen offiziellen Grillplätzen verboten. Grund ist die lang anhaltende Trockenperiode mit hochsommerlichen Temperaturen. Im gesamten Stadtgebiet wurde die Waldbrandstufe 5 ausgerufen.

Nun könnten weitere Bezirke dem Vorgehen in Friedrichshain-Kreuzberg folgen. Arne Herz (CDU), Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten in Charlottenburg-Wilmersdorf, sagte im Hinblick auf das ausgesprochene Verbot in Friedrichshain-Kreuzberg, dass zwar nicht alle Grünflächen gleich seien, die Möglichkeit eines Verbots aber am Donnerstag geprüft werde. Dies hätte zur Folge, dass die ohnehin wenigen Grillplätze im Berliner Westen geschlossen werden. Ausweichmöglichkeiten gibt es dann entweder im Monbijoupark, dem einzigen öffentlichen Grillplatz in Mitte, oder an den zahlreichen Grillplätzen auf dem Tempelhofer Feld und in Treptow-Köpenick. Doch auch hier bleibt abzuwarten, wie sich die Bezirke in Bezug auf ein Verbot verhalten.

Bei gröberen Verstößen droht Bußgeld bis zu 5000 Euro

Fabian Peter (CDU), Referent beim Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Bezirksamt Lichtenberg, kann derweil allerdings beruhigen, in seinem Bezirk seien noch keine Verbote geplant. Die Grillplätze seien schließlich extra fürs Grillen ausgelegt, auch in den heißen Sommern der letzten Jahre hätte es dort keine Fälle größerer Brände an den Grillplätzen gegeben. Gleichzeitig betont er: „Wer außerhalb der ausgewiesenen Plätze grillt, grillt illegal.“ Ein solches Vergehen kann übrigens bei gröberen Verstößen ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro zur Folge haben. Auch wer Asche achtlos in der Natur entsorgt oder Müll liegen lässt, kann mit Bußgeldern dafür belangt werden.

Da das Grillen auf allen nicht dafür ausgewiesenen Grünflächen grundsätzlich verboten ist, bliebe den Bürgern neben den offiziellen Grillplätzen nur der heimische Balkon oder Garten. Hier ist das Grillen weiterhin erlaubt, unabhängig von der Waldbrandgefahr. In beiden Fällen aber sollten die Berliner gewisse Regeln beachten, gerade bei der enormen Trockenheit die momentan im Stadtgebiet herrscht. Dazu gehört es auch, keine leicht brennbaren Flüssigkeiten als Brandbeschleuniger einzusetzen, nicht unter Bäumen zu grillen – und Asche sowie sonstige Abfälle sachgerecht zu entsorgen. Offene Mülleimer sind dafür ungeeignet, da sich häufig Tiere an den Speiseresten zu schaffen machen und den entsorgten Müll rund um den Mülleimer verteilen. Auch auf die Windrichtung sollte in diesen Tagen beim Grillen geachtet werden, Glut und Funken könnten vom Winde weiter geweht werden und nahe gelegene Grünflächen entzünden.

Was aber, wenn das eigene Grillvergnügen doch einmal zu einem Waldbrand führt, beispielsweise durch Funkenflug oder die nicht komplett gelöschte Glut? Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, wo es keine öffentlichen Grillplätze gibt, sieht den Bürger in der Pflicht.
Wer beim Grillen auf privatem Grundstück einen Brand verursache, könne
haftbar gemacht werden. Allerdings sollte in diesem Zusammenhang erwähnt sein, dass bei Beachtung aller „Grillregeln“ ein solches Szenario äußerst unwahrscheinlich ist. Außerdem kann sich der Verursacher in einem derartigen Fall an seine Versicherung wenden.

Mehr als 230 Waldbrände in Brandenburg in diesem Jahr

„Das übernimmt die private Haftpflichtversicherung“, erläutert Henning Engelage, Sprecher des Gesamtverbands Deutscher Versicherungswirtschaft (GDV). Es werde auch nicht zwischen leichter und grober Fahrlässigkeit unterschieden. Anders wäre die Lage zu bewerten, wenn der Verdacht auf Vorsatz im Raum stünde. „Im Zweifelsfall müsste dann der Verursacher für den Schaden aufkommen.“

In der Region Berlin-Brandenburg ist es so trocken wie nie zuvor. Die seit Monaten anhaltende Dürre hat die Gefahr von Waldbränden extrem ansteigen lassen. Der Waldbrandschutz-Beauftragte des Landes Brandenburg, Raimund Engel, sagte dem Sender RBB, dass es nicht nur in der Lieberoser Heide gebrannt hat. Dort sei es aber durch die Munition im Boden besonders gefährlich, da es zu Selbstentzündung der Munition kommen kann.

„Wir verzeichnen Brände von der Uckermark bis zur Prignitz und in den Fläming rein“, sagte Engel. „In diesem Jahr hat es bereits mehr als 230 Wald- und Flächenbrände gegeben.“ Er erwarte in den kommenden Tagen weitere Brände, zumal auch der Wetterdienst keine Regengebiete mit richtigem Landregen vorausgesagt habe. Im vergangenen Jahr gab es aufgrund des verregneten Sommers etwa 140 Feuer. „Im Jahrhundertsommer 2003 hatten wir in Brandenburg etwa 700 Waldbrände.“

Mehr zum Thema:

Friedrichshain-Kreuzberg verhängt komplettes Grillverbot

Erhöhte Waldbrandgefahr – diese Regeln sind zu beachten

Trockenes Wetter: Waldbrandgefahr in der Region steigt

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.