Und wieder eine Auffrischung. Aber diesmal eine, die Freunde des klassischen Kurfürstendamms mit Vorfreude erfüllt. Für das noch gar nicht so alte Neue Kranzler Eck hatten die Eigentümer, der Norwegische Staatsfonds und der Versicherer Axa, im Oktober gerade den Umbau verkündet, da erhalten die Pläne abermals einen neuen Akzent.

Nun soll der frühere Charakter des Boulevardcafés doch wieder aufleben. Allerdings nicht ebenerdig, sondern auf einer Dachterrasse direkt neben der rot-weiß gestreiften Rotunde des Kranzler. Dem Ort, wo derzeit eine markante Weihnachtskugel strahlt. „So wollen wir die Erlebbarkeit dieses Platzes nochmals verstärken“, erklärte Projektentwickler Matthias Böning jetzt im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf – einem Gremium, das an seiner ursprünglichen Neuplanung so manchen Kritikpunkt fand.

Das Kranzlereck vor 1958
Das Kranzlereck vor 1958© AKG | akg-images

Doch die Idee, neben der Rotunde ein sommerliches Freiluft-Café mit etwa 80 zusätzlichen Sitzplätzen einzurichten, fand umso größeren Anklang. Positiv bewerteten die Bezirkspolitiker auch, dass Böning die Front zum Kurfürstendamm noch weiter als bisher glätten will, damit sie – von den gläsernen Vorbauten befreit – der 50er-Jahre-Originalfassade möglichst nahe kommt.

Zum abgewandelten Plan gehört außerdem, dass man im Hofbereich noch einmal Hand anlegt und die dunklen Sitzsteine an den Vogelvolieren durch umlaufende Holzbänke ersetzen will.

Was am Neuen Kranzler Eck neu wird

Das Neue Kranzler Eck bekommt eine Schönheitskur. Dabei werden auch die "Bausünden" beseitigt. Der Glasvorbau im Vordergrund unter der Markise zum Kurfürstendamm wird beseitigt.
Das Neue Kranzler Eck bekommt eine Schönheitskur. Dabei werden auch die "Bausünden" beseitigt. Der Glasvorbau im Vordergrund unter der Markise zum Kurfürstendamm wird beseitigt.© NKE
Auch der dominante gläserne Dachaufbau an der Rotunde soll verschwinden.
Auch der dominante gläserne Dachaufbau an der Rotunde soll verschwinden.© NKE
Der Wintergarten im Obergeschoss verschwindet ebenfalls, die Rotunde allerdings bleibt und wird auch weiter als Café genutzt.
Der Wintergarten im Obergeschoss verschwindet ebenfalls, die Rotunde allerdings bleibt und wird auch weiter als Café genutzt.© NKE
Der Ist-Zustand am Kranzler Eck.
Der Ist-Zustand am Kranzler Eck.© NKE
So soll es nach dem Umbau aussehen.
So soll es nach dem Umbau aussehen.© NKE
Der Plan für die Umgestaltung des Innenhofs.
Der Plan für die Umgestaltung des Innenhofs.© NKE

Mehr Grün, einladendere Zugänge und eine harmonischere Gestaltung mit hellen Steinplatten sollen das Lebensgefühl des Kurfürstendamms verstärkt ins Innere des Kranzler Ecks tragen.

Deshalb gehen die Eigentümer sozusagen einen Schritt zurück in die Zukunft, setzen, wo es nur möglich ist, auf vorhandene nostalgische Elemente, die an glorreichere Zeiten erinnern. Der Aufstieg hinauf in die Rotunde des Cafés erfolgt wie früher über die historische Freitreppe. Neu hingegen: An die Stelle von „Gerry Weber“ rückt ein neuer Flagshipstore der Modemarke „Superdry.“ Der Schwerpunkt liegt nach dem Umbau des Komplexes jedoch weniger beim Einkaufen als beim genussvollen Verweilen. 500 Quadratmeter Gastronomie-Fläche kommen bei der Modernisierung ab 2016 hinzu – ein Drittel mehr als bisher.

Großes Lob für neue Pläne

Um auf Passanten an der Joachimsthaler Straße einladender zu wirken, würde Böning gerne die helle Steinpflasterung durch das Entrée hinaus fortführen. Dies jedoch stößt als einziger Punkt des modifizierten Plans auf deutliche Ablehnung. „Die Materialität in den öffentlichen Raum zu tragen, wäre eine Form von Landnahme“, erteilt Rainer Latour als Leiter des Stadtplanungsamts diesem Detail eine Abfuhr.

Ansonsten hörte Böning fast durchgängig lobende Worte – allen voran vom Ausschussvorsitzenden Stefan Häntsch (CDU), der bei der letzten Präsentation noch „Licht und Schatten“ sah und die ausgefeilteren Pläne „sehr begrüßt.“

Freilich hätten alle Anwesenden es noch lieber gesehen, wenn man das Café wieder direkt auf dem Gehweg an der Ecke Joachimsthaler Straße und Kurfürstendamm platziert. Aber Heike Schmitt-Schmelz (SPD) arrangierte sich wie die meisten anderen damit, „dass man das Boulevardgefühl nun eben eine Stufe höher gelegt hat.“

So breit die politische Zustimmung für die Einrichtung des Dachterrassen-Cafés auch ausfällt, so sehnsüchtig wartet man auf den Segen einer wichtigen Instanz. Nur das Landesdenkmalamt könnte die Pläne noch stoppen.