Stadtplanung

Das Neue Kranzler Eck startet neu

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Brigitte Schmiemann

Das Neue Kranzler Eck baut ab nächstem Jahr um -unter anderem für einen Flagshipstore des britischen Modeunternehms Superdry.

Jünger, frischer, aber auch wieder traditonell – so sieht die Zukunft für die Ecke mit dem Café Kranzler am Kurfürstendamm aus. Eines ist allerdings sicher: Die markante Rotunde mit dem Kranzler-Schriftzug und der rot-weißen Markise bleibt erhalten. Nachdem ein Teil der Mietverträge ausgelaufen ist, plant der Eigentümer der Immobilie - der Norwegische Staatsfonds und der Versicherer Axa - einen Neustart. Das im Jahr 2000 eröffnete Neue Kranzler Eck soll neu positioniert werden, um wettbewerbsfähig zu sein. Die Mietverträge von Gerry Weber, Visit Berlin, Mango und anderen laufen 15 Jahre nach der Eröffnung aus. Gerry Weber zieht, wie berichtet aus, die geplante Größe nach dem Umbau eigne sich nicht mehr.

Der Nachfolger, der neben den Gerry-Weber-Flächen auch noch die vom Schuhhof mietet, ist schon da: die britische Modekette Superdry. Sie ist besonders bei jungen Leuten beliebt, an der Londoner Einkaufsstraße Regent Street groß vertreten und will am Kurfürstendamm ebenfalls vertreten sein. Die Umbauarbeiten für den 3000 Quadratmeter großen geplanten Flagshipstore sollen im nächsten Jahr beginnen. Sie ziehen in den zweigeschossigen Shoppingbereich entlang der Joachimsthaler Straße, wo jetzt noch das Schuhgeschäft ansässig ist, sowie in die Räume von Gerry Weber. Und: Superdry wird auch das Café Kranzler betreiben. Am Dienstagabend haben Axa-Vertreter ihre Pläne im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Das Architekturbüro nps Tchoban Voss hat sie entwickelt. Besonderer Wert wird dabei darauf gelegt, dass die ursprüngliche Architektur der denkmalgeschützten Einkaufszeile wieder zum Vorschein kommt. Die Fassaden sollen wieder ein einheitliches Erscheinungsbild erhalten.

"Masse an Gastroflächen könnte zu mehr Leerstand führen"

Neben der grundsätzlichen Kritik, dass ein Café eigentlich an die Straße und nicht in ein Obergeschoss gehört, nahmen die Bezirksverordneten die Pläne mit Interesse auf. Kritisch gesehen wurde allerdings die beabsichtigte Ausweitung der Gastronomie-Flächen um 500 auf mehr als 1400 Qudratmeter. „Wenn man weiß, wie zugig es dort im Innenhof ist, habe ich Zweifel, ob diese Masse an Gastro funktioniert oder ob sie nicht nur weiteren Leerstand schafft“, sagte Ausschussvorsitzender Stefan Häntsch (CDU).

Wegen langfristiger Verträge mit Ampelmann und H&M könnten die Ladenflächen zum Kurfürstendamm nicht zugunsten eines Cafés umgewandelt werden, sagte Projektentwickler Matthias Böning im Ausschuss. Er sieht Bedarf für die neuen Gastronomieflächen. Das Angebot zur Mittags- oder Nachmittagspause sei am Kudamm relativ klein, es gebe aber viele Büros, deren Mitarbeiter in der Pause ein solches Angebot bräuchten und Wert auf Frische und Qualität legten.

„Bausünden“ sollen zurückgebaut werden

Der Bau entstand 1957/58 und hat im Laufe der Jahre etliche unschöne Anbauten am Kurfürstendamm erlebt. Die Planer sprechen von „Bausünden“. Sie sollen zurückgebaut werden, damit die „klare Architektursprache“ des Gebäudes wieder zum Vorschein kommt. Der Glasvorbau im Erdgeschoss unter der Markise wird beseitigt, der Wintergarten auf dem Balkon im Obergeschoss zurückgebaut, ebenso der gläserne Dachaufbau neben der Rotunde. Rechnerisch, so die Planer, entfallen dadurch 153 Quadratmeter. Die Mieten für die „wertvolle Handelsfläche“ am Kurfürstendamm betragen nach Auskunft der Planer 200 Euro pro Quadratmeter, während sie im hinteren Bereich bei 30 Euro liege.

Nicht nur im vorderen Teil der unter Denkmalschutz stehenden Einkaufszeile wird an dem Umbau für den neuen Flagship-Store gearbeitet. Als Ausgleich „für die nicht unerhebliche Investition und für den Verzicht auf die wertvolle Handelsfläche zum Kurfürstendamm“ diene eine Erweiterung im Innenhof, so die Planer. Sie sei abgestimmt mit dem Denkmalschutz.

Rückwand verschiebt sich in den Innenhof

Die Flächen sollen in einem zweiten Bauabschnitt ab 2017 erweitert werden. Und zwar im Innenhof. Dabei geht es um die Handels- und Caféflächen vom Textilunternehmen H&M und vom Shop-Cafe „Ampelmann“. Rund zehn Meter verschiebt sich dazu die Rückwand der beiden Geschäfte in den Innenhof. Dort entstehen über zwei Geschosse verteilt 773 Quadratmeter neuer Fläche. Der Ampelmann erweitert ebenerdig sein momentan 60 Quadratmeter großes Café um 160 Quadratmeter und rückt mit den Stühlen und Tischen im Außenbereich näher an die Volieren. Die andere neu entstandene Fläche wird H&M nutzen.

Vogel-Volieren bleiben erhalten: Sie sind beliebt

Die Vogel-Volieren bleiben erhalten. Ein Wettbewerb, zu dem Landschaftsplaner eingeladen wurden, hat ergeben, dass sie sehr beliebt sind. Jetzt soll nur noch an der Möblierung und dem Grün gearbeitet werden. Zurückhaltend.

Insgesamt sollen an der Passage und zum Innenhof mit den Volieren mehr als 500 Quadratmeter zusätzlicher Fläche für Café und Gastronomie geschaffen werden. Die neue Fläche vom Ampelmann mit 160 Quadratmetern, das bereits leer stehende Geschäft des Meissen-Porzellan-Shops bietet dafür 100 Quadratmeter, die ebenfalls leer stehenden Räume von Visit Berlin und Bad & Baden 84 und 180 Quadratmeter. Neben Burger de Ville, der ebenfalls einen Laden angemietet hat, wird es also vier neue Gastro-Flächen im Innenhof-Bereich des Neuen Kranzler Ecks geben. Das Hotel Zoo hat zudem Flächen angemietet, um die Plätze des Frühstückssaals auch außen anbieten zu können. Das Hotel Lindner könnte das bereits ebenfalls im Hof, nutzt die Möglichkeit aber nicht.

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