50. Jubiläum

Für Berlin war das Europa-Center „ein Signal der Zuversicht“

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Andreas Abel

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Willy Brandt sagte 1965 zur Eröffnung: „Mit dem vereinten Europa wird es etwas länger dauern als mit dem Europa-Center. Aber es kommt auch das.“ Michael Müller erinnerte an die Anfänge vor 50 Jahren.

Als „großartiges Zeichen des Aufbruchs“ hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Eröffnung des Europa-Centers vor 50 Jahren gewürdigt. Der Bau des Shopping Centers und des angeschlossenen 103 Meter hohen Büroturms am Breitscheidplatz sei ein Signal der Zuversicht für die geteilte und verwundete Stadt gewesen, sagte Müller bei einem Festakt am Donnerstag.

Er lobte die kurze Bauzeit von zwei Jahren – an dieser Stelle durfte der ironische Seitenhieb auf den Flughafen BER nicht fehlen – und den innovativen Charakter des Konzepts. Dieses habe den Berlinern durch die Verbindung von Büros, Geschäften und Freizeitangeboten eine damals völlig neue Mischung beschert. Als Kind habe ihn die Eisbahn angezogen, erzählte der ebenfalls 50 Jahre alte Müller, später das Kino Royal Palast und die Diskothek im obersten Stockwerk des Hochhauses.

Nach dem Mauerfall hätten die Verwandten aus der DDR als erstes an den Kudamm gewollt und natürlich auch ins Europa-Center. Der Bau präge das Gesicht der Stadt mit und sei neben dem KaDeWe und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ein Wahrzeichen der West-City. Es habe für diesen Standort gute und schlechte Zeichen gegeben. „Jetzt beginnt die nächste Phase der guten Zeiten, war Müller überzeugt. Das „so oft totgesagte West-Berlin“ verändere sich und entwickele sich weiter in eine große Zukunft.

Das Europa-Center zeige „was freie Menschen zu leisten vermögen“

Vor Müllers Rede wurden Teile der Ansprache eingespielt, die der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt am 2. April 1965 zur Eröffnung des Europa-Centers hielt. Dieses Haus zeige „was freie Menschen zu leisten vermögen, was ein freies Volk zu leisten vermag“, hatte Brandt damals gesagt. Die „kleine Stadt im Herzen der großen“ sei ein Zeichen des Vertrauens zu Berlin. Und dann gab der SPD-Politiker seinen Zuhörern eine bemerkenswerte Vision mit auf den Weg. „Mit dem vereinten Europa wird es etwas länger dauern als mit dem Europa-Center. Aber es kommt auch das.“ Er sollte Recht behalten.

Hausherr Christian Pepper bezeichnete das Center als „Lebenstraum“ seines Vaters Karl-Heinz. Der habe den Wunsch gehabt ein Zeichen zu setzen in einer Zeit, in der viele der Stadt den Rücken kehrten. Ein Zeichen für das Selbstbewusstsein und den Durchhaltewillen der West-Berliner, die auch Blockade und Mauerbau nicht gebrochen hätten. Pepper erinnerte an den Umbau des Europa-Centers in den späten 70er-Jahren. Seitdem habe der Komplex seine Gestalt beibehalten. Lediglich die beiden Kinos Royal Palast und City seien abgerissen worden. Dort befindet sich heute ein Saturn-Markt. Vor der Haustür habe sich allerdings vieles verändert. So sei die Fußgängerbrücke über die Tauentzienstraße ebenso beseitigt worden wie die von den Berlinern „Schnalle“ genannte Straßenverbindung zwischen Tauentzien- und Budapester Straße. Seitdem ist der Breitscheidplatz den Fußgängern vorbehalten, später wurde auch der Straßentunnel an der Budapester Straße zugeschüttet.

Von Pankow aus sehnsüchtig auf den Mercedes-Stern geblickt

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, verbindet ebenfalls Kindheitserinnerungen mit dem Europa-Center. In Pankow aufgewachsen, habe er oft von Ferne sehnsüchtig auf den Mercedes-Stern geblickt, der sich auf dem Dach des Hochhauses dreht. „Ohne Visionen gibt es keinen Erfolg“, zitierte Busch-Petersen beim Festakt den Hamburger Kaufmann und Berliner Ehrenbürger Werner Otto. „Hier sind Visionen umgesetzt worden zum Wohle der Kaufleute und zum Wohle der Stadt“ lobte der Chef des Handelsverbandes das Engagement der Familie Pepper. Und ergänzte anerkennend: Das „dienstälteste innerstädtische Shopping-Center Deutschlands“ habe sogar einen Beitrag zur deutschen Sprache geleistet. Es habe den Menschen verdeutlicht, dass Shopping Freizeitgestaltung ist und viel mehr als nur Einkaufen.

In dieses Einkaufszentrum mit 78 Geschäften und Restaurants sowie dem Kabarett „Die Stachelschweine“ kommen heute täglich mehrere Zehntausend Besucher, in der Spitze 40.000. Zu dem Gebäudeensemble gehören nicht nur der Büroturm mit 15.000 Quadratmetern Nutzfläche, sondern auch das „Edenhaus“ mit rund 100 Wohnungen, das Palace-Hotel und die Thermen am Europa-Center.