Berliner Stadtplanung

Hochhausplanung soll künftig ganz oben entschieden werden

Viele Architekten würden in Berlin gerne höher bauen. Geht es nach der CDU, soll der Senat und nicht mehr die Bezirke die Planungshoheit über Hochhäuser haben – und sie auch schneller genehmigen.

Foto: Barkow Leibinger

Die Planung von Hochhäusern soll in Zukunft Sache des Landes, nicht mehr nur der Bezirke sein. Außerdem sollen die Genehmigungsprozesse kürzer werden. Das fordert Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Am Dienstagabend hatte er ins Bikini Berlin zum öffentlichen „Forum Bau“ des CDU-Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf eingeladen.

„Neue Hochhäuser für die City West?“ lautete das Thema. Dass das höchste Haus Berlins demnächst am Hotel „Estrel“ in Neukölln entsteht, ist für Evers eine falsche Entscheidung. „Ich kenne nur zwei Orte, wo ich bei soviel städtebaulicher Verdichtung Hochhäuser begrüßen würde: am Alexanderplatz und in der City West“, sagte er zur Einleitung. Alles andere wirke wie ein Gebiss mit ausgeschlagenen Zähnen.

Berlin brauche einen Hochhausplan. Und weil die Planung von gesamtstädtischer Bedeutung sei, sollte das Land dafür zuständig sein. Darüber werde im Abgeordnetenhaus gerade diskutiert.

Upper West ist „aus dem Dreck raus“

Architekt Christoph Langhof berichtete von seinem im Bau befindlichen Hochhaus gleich neben der Gedächtniskirche. Die vier Untergeschosse des Upper West seien geschafft. „Wir sind aus dem Dreck raus, jetzt geht’s schneller“, berichtete er. Das spannende Thema, wie viele Hochhäuser die City West verträgt, und wo sie stehen könnten, hatte auch viele Architekten zu der Veranstaltung gelockt. Langhof berichtete in seinem Vortrag, wie schwierig es war, in Berlin ein Hochhaus wie das Upper West zu bauen. Bereits vor rund 20 Jahren sei er zum Senat gegangen und habe vorgeschlagen, das Schimmelpfenghaus mit der Überbauung der Kantstraße („eine Katastrophe wie die an der Pallasstraße und die am Kottbusser Tor“) abzureißen und das jetzt im Bau befindliche Hochhaus zu errichten.

Langhof appelliert an den Mut

Langhof ist ein klarer Befürworter von Hochhäusern, die Menschen seien stolz, in ihnen zu wohnen oder zu arbeiten. Sie seien identitätsstiftend. Langhof lobte den Mut von Karl Heinz Pepper, der vor 50 Jahren das Europa-Center errichten ließ: „Das war ein wichtiges Zeichen an die Welt. Wir sind wieder da“, sei die Nachricht gewesen. Langhof wünschte sich, dass auch heutige Investoren diesen Mut öfter an den Tag legten. Seiner Ansicht nach könnte einer der Standorte für ein weiteres Hochhaus in der City West der Hardenbergplatz sein. „Ich bin seit 40 Jahren in Berlin. Seitdem hat es mindestens drei Versuche gegeben, den Hardenbergplatz zu einem Platz zu machen, aber er war immer nur ein Abstellplatz“, so Langhof. Mit seinem 210 Meter hohen Wolkenkratzer könnte sich das ändern, wie er findet. Hotel, Büros, Wohnungen, eine Skybar und eine Mietwagenvermietung könnten den Platz angemessen beleben.

Diskussion um Zukunft des Hardenbergplatzes

Das sieht Baustadtrat Marc Schulte allerdings anders. Der Hardenbergplatz habe die Aufgabe als Mobilitätsdrehscheibe und als Entree der City West und sei nicht dazu da, Vorplatz eines Hochhauses zu werden. Eine Ecke weiter, am Aschinger-Haus an der Hardenbergstraße Ecke Joachimsthaler Straße, das gerade abgerissen wird, hätte sich Schulte aber auch etwas Höheres gewünscht als das, was jetzt gebaut wird. „Da hat der Investor eine Chance vertan. Wir hätten alles gemacht, um schnell Baurecht zu schaffen“, sagte Schulte am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung. Auch Architekten, die zur Veranstaltung der CDU gekommen waren, lobten den Entwurf von Architektin Annette Axthelm mit zehn statt jetzt sechs Geschossen. Doch das US-amerikanische Unternehmen Hines entschied sich für die Variante, die mit dem bestehenden Baurecht schnell umsetzbar ist.

BVG befürchtet Schäden an U-Bahntunnel

Eine nachvollziehbare Entscheidung: Am Alexanderplatz hat der Investor aus Amerika ein Bauvorhaben in Planung, das nicht recht vorankommt. Der Bau des 150 Meter hohen Turmes kann nicht starten, weil die BVG Schäden am U-Bahntunnel befürchtet. „Hines muss uns überzeugen, dass der Turm den Tunnel der U5 nicht gefährdet“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die abschließende Einigung in dieser Sache stehe noch aus. Dafür soll es wenige Meter entfernt am Einkaufszentrum Alexa mit dem vom russischen Investor MonArch geplanten 150-Meter-Turm in Kürze losgehen. Der Bauantrag soll noch in der ersten Jahreshälfte eingereicht werden.

Denn anders als in der City West gibt es für den Alexanderplatz ein offizielles Hochhauskonzept der Stadt Berlin. Nach dem Masterplan des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 sind bis zu zehn 150 Meter hohe Türme möglich. Doch die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Konzept zu ehrgeizig war – bislang ist noch keiner gebaut. Die Turmpläne von Hines und von MonArch orientieren sich noch an der alten Kollhoff-Planung.

„Erfolg gibt Investoren Recht“

Dass nun ausgerechnet in Neukölln Berlins höchstes Haus entsteht, kritisiert Baustadtrat Schulte nicht: „Das ‚Estrel‘ funktioniert, und der Erfolg gibt den Investoren Recht.“ Dass künftig die Landespolitik in Fragen von Hochhausplanungen mitreden will, stört Schulte nicht. „Wir sind immer dafür, überbezirklich Rahmenrichtlinien abzusprechen. Die Planungshoheit sollte allerdings bei den Bezirken bleiben, weil dort das Know-how mit allen Details vorhanden ist“, sagt Schulte. Eine Stadtentwicklungsplanung, die es schon für den Bereich Verkehr und Handel gebe, sei auch für Hochhäuser denkbar. Die dürfe allerdings nicht zu Lasten der Bürgerbeteiligung gehen.