Die längst überfällige Wiederbelebung der seit 2006 geschlossenen „Terrassen am Zoo“ soll nach langen Planungsvorläufen endlich in Schwung kommen. Und das im Wortsinn: Denn der Gebäudeteil, der zum Hardenbergplatz hin hervorsteht, wird ab Februar 2015 im Rund-Stil der 50er-Jahre saniert. Ab Frühjahr 2016 könnte die City-West dann um eine Attraktion reicher sein: Reisende und Berliner sollen von da an in einem Teilbereich der Zooterrassen im Freien sitzen – wie zur Eröffnung des Gastronomiebetriebs 1957. Das kündigte zumindest am Donnerstag der Leiter Regionalbereich Ost bei der DB Station & Service AG beim Rundgang durch den bereits entkernten Bauteil an. Wie Friedemann Keßler sagte, will die Bahn mit der nach Vorgaben des Denkmalschutzes sanierten Fassade im Sinne eines Retro-Designs an Struktur und Farbgebung des historischen Erscheinungsbildes anknüpfen.

„Die Stahlträger der Glasfassade werden in den drei Originalfarben gestaltet, die wir mit Hilfe von Farbschichtanalysen ermittelt haben“, sagte Architekt Michael Kersting. Die wesentlichen Raster der sogenannten Pfostenriegelfassade werden schwarz, die anderen Rasterelemente in einem fast blau wirkenden Taubengrau und die Ränder zusätzlich in Beige gestaltet. Dieser optische Farbton-Leitfaden sei ganz wichtig für die Außenwirkung der Fassade aus einfachem Isolierglas, das im unteren Bodenbereich durch blickdichtes Opakglas in Schwarz ergänzt wird. Für die Grunderneuerung der Zooterrassen hat die Bahn etwa fünf Millionen Euro veranschlagt.

Keine Sorgen hat DB Station & Service, dass ein Mieter des 900 Quadratmeter großen Gastronomiebereichs das Retrodesign durch Werbung oder Namenszüge beeinträchtigen könnte. „Die Gestaltung der Fassade muss mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden“, so Architekt Kersting. Wer die schmale und fast 100 Meter lange Fläche mietet, wollte Keßler auch am Donnerstag nicht verraten.

Bahn verhandelt mit großem deutschen Systemgastronom

Nur so viel: Die Bahn will die Terrassen als Ganzes vermieten und verhandelt deshalb auch mit einem großen deutschen Systemgastronom. Meldungen, wonach die Fastfood-Kette Mc Donald’s in den Zooterrassen eine Filiale plane, hatte das Unternehmen bereits vor zwei Wochen gegenüber der Berliner Morgenpost dementiert. „Es gab bislang keine Gespräche oder Verhandlungen mit der Deutschen Bahn“, sagte Jennifer Gehrmann, Sprecherin bei Mc Donald’s.

Die nächstes Jahr beginnende Grundsanierung der Zooterrassen ist nicht der einzige Baustein der Modernisierung des Bahnhofs Zoo, wie Friedemann Keßler am Donnerstag erläuterte. So plant die DB Station & Service auch Veränderungen in Kernbereichen des Erdgeschosses. Sie betreffen vor allem das Reisezentrum in der Haupthalle und die Einzelhandelsstruktur und sollen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Reisezentrum soll verkleinert werden

Mitte 2016 starten die Arbeiten, um das Reisezentrum zur Jebensstraße hin zu verlagern. An der Stelle der Haupthalle, wo das Reisezentrum der Deutschen Bahn derzeit seinen Sitz hat, ist ein Durchbruch zu den Rolltreppen im Seitentrakt des hinteren Bahnhofsbereichs zu den Gleisen des Regionalzugverkehrs geplant.

„Dieser Bereich des Seitentraktes, in dem sich jetzt noch die Schließfächer befinden, soll dank des Durchbruchs aus seiner Hinterhofsituation herausgeholt und an den Mittelpunkt des Bahnhofs zur Haupthalle hin angeschlossen werden“, sagte Keßler. Da der Fahrkartenkauf am Schalter rückläufig sei, benötige man für das neue Reisezentrum nicht mehr die ursprüngliche Fläche von 400 Quadratmetern. Der Servicebereich wird deshalb auf 200 Quadratmeter verkleinert. Diese Baumaßnahmen sollen im Jahr 2017 abgeschlossen sein, auf sie folgt zwei Jahre lang – bis Ende 2019 – die Sanierung der Haustechnik.