Hotel Estrel

An der Sonnenallee entsteht die neue Skyline von Neukölln

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Isabell Jürgens

Foto: Barkow Leibinger

Mit Hotelturm und Veranstaltungshalle erweitert Ekkehard Streletzki sein Estrel-Imperium. Das neue 176 Meter hohe Gebäude mit 800 Zimmern soll an der Sonnenallee in Neukölln errichtet werden.

Als Ekkehard Streletzki 1994 das Hotel Estrel ausgerechnet im Problembezirk Neukölln auf einer unattraktiven Industriebrache eröffnete, hielten viele den Unternehmer für verrückt. 20 Jahre später sind solche Stimmen längst verstummt. Jetzt sorgen die gewaltigen Expansionspläne des mittlerweile 74-jährigen Ausnahmehoteliers erneut für überraschte Mienen.

Denn der Mann, dessen Estrel-Hotel mit 1125 Zimmern nach wie vor als der größte Hotelkomplex Deutschlands gilt, will an der Sonnenallee erneut für Superlative sorgen. Bis 2018 will er nicht nur Berlins höchstes Gebäude, einen 176 Meter hohen Hotelturm mit 800 Zimmern an der Sonnenallee errichten. Bereits im kommenden Jahr wird Streletzki zudem seinen Veranstaltungsbereich nahezu verdoppeln. Am Donnerstag stellte er seine Pläne für die neue „Convention Hall“ erstmals öffentlich vor.

Und wieder ist es Streletzki dabei gelungen, seine Gäste zu beeindrucken: Er ließ Bauhelme an die geladenen Besucher verteilen und führte sie auf die Baustelle – denn die Arbeiten am Standort Ziegrastraße, unmittelbar hinter der bestehenden Convention Hall, sind bereits in vollem Gange. „Wir werden vielleicht schon im Juni, spätestens aber im Herbst kommenden Jahres in Betrieb nehmen können“, eröffnete der Bauherr. Zumindest die 11,5 Meter hohen Wände der neuen Halle stehen bereits.

360.000 Besucher im Jahr

„Bereits heute sind wir mit mehr als 1800 Veranstaltungen und 360.000 Besuchern im Jahr ein fester Bestandteil der Berliner Kongress- und Messelandschaft. Mit der Expansion werden wir diese Marktposition erweitern und neue nationale und internationale Veranstaltungen nach Berlin holen“, sagte Streletzki. Durch die Erweiterung um zusätzliche 10.000 Quadratmeter werde das Estrel Convention Center nunmehr zum Estrel Congress & Messe Center.

Auf die Convention Hall II, direkt an der Ziegrastraße 15-19 gelegen, entfallen dabei allein 6000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche sowie ein 700 Quadratmeter großes Foyer, weitere Funktions- und Nebenräume sind geplant. „Somit stellen wir mit Eröffnung unseres neuen Kongress- und Messebereiches neben dem CityCube Flächen für Großkongresse, die durch die Schließung des ICC weggefallen sind, zur Verfügung“, sagte Streletzki. Insgesamt stünden nach der Fertigstellung des Anbaus ab 1. September 2015 dann 25.000 Quadratmeter zur Verfügung.

In den vergangenen Jahren landete Berlin in den Ranglisten der international wichtigsten Messe- und Kongressstandorte regelmäßig auf einem der vordersten Plätze. Damit das auch in Zukunft so bleibt, bedarf es nach Ansicht von Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin-Tourismusagentur „VisitBerlin“ enormer Anstrengungen. „Das Estrel übernimmt dabei eine wichtige Vorreiterrolle“, so Kieker. Das gelte umso mehr, weil Estrel-Eigentümer Ekkehard Streletzki mit seinen jüngsten Erweiterungsplänen dafür sorge, dass Berlin auch künftig keine Anfragen internationaler Messeausrichter abweisen müsse, „weil wir schlicht nicht genügend Kapazitäten haben“.

Kieker betonte, dass das Estrel keine Konkurrenz, sondern eine wichtige Ergänzung zum landeseigenen CityCube sei. „Jeder Veranstalter, dem wir aus Mangel an Platzgründen absagen müssen, ist Gift für Berlin“, betonte der Hauptstadtvermarkter. Denn diese würden sich dann nach Alternativen in anderen Städten umsehen – und Berlin womöglich für immer den Rücken kehren. Andere Städte würden ihre Messekapazitäten ebenfalls ausbauen, denn die Veranstaltungen würden immer größer. Mit seinem Veranstaltungskonzept sorge Streletzki zudem auch dafür, dass der jüngste Trend in diesem für Berlin so wichtigen Wirtschaftszweig nicht an der Stadt vorbeiziehe. „Die Kombination von Messe, Kongress und Entertainment ist einfach unschlagbar“, so Kiekers Einschätzung. Das Estrel sei „das Las Vegas Berlins“.

Tägliche Show „Stars in Concert

Ein Vergleich, der durchaus nicht zu hochgegriffen scheint: Schon heute findet dort fast täglich die Show „Stars in Concert mit Imitatoren von Weltstars statt, genauso wie große Sportereignisse oder auch bedeutende Messen wie die World Money Fair mit 12.000 Teilnehmern. Das Investitionsvolumen allein für die Erweiterung der Veranstaltungsfläche beläuft sich nach Streletzkis Angaben auf etwa 30 Millionen Euro. Für die bestehende Convention Hall sei zudem im Frühjahr 2015 ein Facelifting geplant, damit sich die dann insgesamt 75 Veranstaltungsräume zu einem harmonischen Gesamtbild fügten.

Auch die Arbeiten am Estrel-Tower auf der gegenüberliegenden Seite der Sonnenallee schreiten voran. „Wir gehen davon aus, dass wir Mitte kommenden Jahres die Änderung des geltenden Bebauungsplanes durch haben“, sagte Streletzki. Der Baubeginn könnte dann Mitte 2016 gefeiert werden, die Fertigstellung 2018. „Wir stehen dem Tower nicht entgegen“, bekräftigte Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). Derzeit allerdings ist die zulässige Bauhöhe auf dem Areal auf 70 Meter begrenzt. Der Bezirk unterstütze aber das Vorhaben. „Ab 2018 wird die Gegend hier ein komplett anderes Gesicht haben“, schwärmte Buschkowsky.

Wie teuer der Hotelturm mit seinen 176 Metern Höhe wird, ist noch offen. Das bislang höchste Haus der Hauptstadt sind die Treptowers mit 125 Metern. Fest steht, das schon die Vorplanungen für ein Gebäude dieser Größenordnung teuer sind. „Wir mussten allein 17 Gutachten in Auftrag geben“, so Streletzki. Vom Flugradargutachten, das die Bundeswehr gefordert habe, bis hin zum Verkehrsgutachten, müssten noch viele Eventualitäten geprüft werden. Ein verglastes Atrium wird den Turm, ein Bürogebäude, ein Parkhaus sowie einen Fitness- und Restaurantbereich auf der anderen Seite der Sonnenallee verbinden. Rund 100.000 Quadratmeter entstehen dort neu. Mit dem Estrel-Areal soll der Turm später durch einen Tunnel unter der Sonnenallee verbunden werden.