Alte Abhörstation

Millionenschulden erschweren Rückkauf des Teufelsbergs

Berlin will den Teufelsberg zurückkaufen. Doch das Land und der Eigentümer können sich nicht einigen: Es gilt, eine Grundschuld von rund 35 Millionen Euro zu begleichen.

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI / REUTERS

„Wir haben im Jahr 20.000 Besucher auf dem Teufelsberg, viele junge Kreative, die hier tolle Projekte realisieren. Und wir sind gerne bereit, ein kleines Museum einzurichten, das sich mit der Geschichte des Ortes beschäftigt“, sagte Hartmut Gruhl, Eigentümervertreter der IGTB, die die ehemalige Abhörstation der Alliierten auf dem Teufelsberg 1996 erworben hatte. Zudem wolle man in Kooperation mit der Schaubühne ein Kindertheater installieren, ergänzte der Architekt.

Wenn man den Ausführungen von Hartmut Gruhl im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses am Mittwoch folgte, konnte man den Eindruck gewinnen, dass man sich um die Zukunft des historischen Reliktes des Kalten Krieges auf dem knapp 120 Meter hohen Trümmerberg im Grunewald keine Sorgen machen muss. Tatsächlich jedoch ist der Verfall der Abhörstation in den vergangenen 18 Jahren so weit fortgeschritten, dass der Erhalt des Gebäudeensembles immer fraglicher erscheint.

In der Debatte um das Areal wurde jedoch schnell klar, dass der Eigentümer nicht daran denkt, den von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ins Spiel gebrachten Rückkauf des Areals durch das Land Berlin in Erwägung zu ziehen. Zumindest nicht zu dem Preis, der für ein Waldgebiet zu zahlen wäre – etwa zwei bis drei Millionen Euro.

Gekauft hatte die IGTB damals für 5,2 Millionen DM, in den folgenden Jahren das Areal jedoch mit einer Grundschuld von rund 35 Millionen Euro beliehen. Diese Grundschuld erschwert nun auch jeden Rückkaufsversuch, denn der Erwerber müsste sich auch mit der Gläubigerbank über eine entsprechende Ablösung dieser Summe einigen.

Entsprechend deutliche Worte fand dann auch Berlins designierter Regierender Bürgermeister an die Adresse von Gruhn. „Sie hatten Baurecht. Sie hätten investieren können, aber nichts ist passiert“, sagte Müller. Stattdessen versuche er erneut, den Senat hinzuhalten, in der Hoffnung, dieser werde die Baugenehmigung, die 2006 erloschen sei, erneuern. Seitdem gilt das Areal wieder als Wald und darf nicht bebaut werden. „Eine Baugenehmigung wird es nicht wieder geben“, betonte Müller.

Grundstück in Privatbesitz

Eigentümervertreter Gruhn gab sich jedoch unbeeindruckt von der Investorenschelte. Berlin müsse der Realität ins Auge blicken – dass das Grundstück in Privatbesitz sei, betonte der Kölner Architekt, der das Areal unter anderem mit Partnern aus dem niedersächsischen Bad Pyrmont gekauft hatte.

Der Senator räumte auch ein, dass die Blockadehaltung des Eigentümers „bis in alle Ewigkeit“ so weitergehen könne. Und appellierte an diesen, mit dem Senat über die Eigentumsfrage zu sprechen. Ein konkretes Kaufangebot machte Müller jedoch nicht, sagte lediglich zu, man werde alle rechtlichen Möglichkeiten – darunter auch die Rückabwicklung des damals getätigten Verkaufs, prüfen lassen.

Alle Fraktionen im Abgeordnetenhaus machten deutlich, dass sie die Haltung des Landes Berlin unterstützen, dem Investor kein erneutes Baurecht einzuräumen. „Das Gebiet ist nun Wald und das ist auch gut so“, sagte Antje Kapek von den Grünen. Einig waren sich auch alle Abgeordneten darüber, dass es zumindest für den Kernbereich der Abhörstation eine Zukunft als Monument des Kalten Krieges geben müsste. „Eine rein kommerzielle Nutzung ist jedoch nicht vorstellbar“, betonte Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Marc Schulte (SPD).

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