Auf alles haben sich die Tierpfleger im Zoo gefasst gemacht, vor allem bei der Eisbärin Katjuscha. Die 30 Jahre alte Eisbärendame kränkelt altersbedingt schon seit dem Sommer. Gerade wurde sie wieder ins Gehege zurückgelassen, gut auf Medikamente eingestellt. Am Donnerstagmorgen kamen die Bärenpfleger in das Gehege und fanden völlig überraschend die Eisbärin Nancy tot in der Außenanlage des Geheges. Zuerst sah es so aus, als schliefe die 25 Jahre alte Bärendame nur. Doch dann mussten die Pfleger feststellen, dass das Tier offenbar im Schlaf gestorben ist. Nach dem Tod von Knut im Frühjahr 2011 und Nancys Tod leben jetzt nur noch zwei Eisbären im Gehege des Zoologischen Gartens: Katjuscha und die 28 Jahre alte Tosca.

Keinerlei Krankheitssymptome

Alle drei Eisbären hatten die Nacht draußen gemeinsam verbracht. Vielleicht dachten die anderen beiden, dass Nancy noch schlafen würde. Jedenfalls nahmen sie am Morgen keine Notiz von der toten Eisbärin. „Nancys Tod kommt für uns sehr überraschend“, sagt der Zoologische Leiter Ragnar Kühne. Anders als bei Eisbärin Katjuscha hätte er bei Nancy bislang keine Veränderung feststellen können. Nancy hatte keinerlei Krankheitssymptome gezeigt. Hingegen bereitete Katjuscha den Tierärzten bereits seit einigen Monaten Sorgen.

Ihr Bauchumfang hatte sich enorm vergrößert. Das konnte nicht vom vielen Fressen kommen, weil der restliche Körperbau unverändert blieb. Die Tierärzte vermuteten einen altersbedingten Herzfehler und daraus resultierende Wassereinlagerungen. Seit September wurde Katjuscha deshalb im Eisbärenstall tierärztlich versorgt. Da sich ihr Zustand nicht veränderte, wurde die Eisbärin Anfang November narkotisiert und per Ultraschall untersucht. Dabei wurden altersbedingte Veränderungen der Organe festgestellt. Da Operationen in diesem hohen Bärenalter – in freier Wildbahn werden die Tiere 25 bis 30 Jahre alt – nicht besonders erfolgversprechend sind, bekommt Katjuscha jetzt Herzmedikamente und wird beobachtet. Erst vor wenigen Tagen konnte sie wieder in das Eisbärengehege zurückkehren.

Todesursache noch unklar

Betroffen von dem Verlust im Eisbärengehege zeigte sich auch der Direktor von Zoo und Tierpark. „Wir sind sehr traurig über den plötzlichen Tod der Eisbärendame Nancy“, sagte Andreas Knieriem. Ihr Kadaver ist umgehend zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Friedrichsfelde gebracht worden. Dort wird er von Pathologen intensiv untersucht, um die Todesursache möglichst bald aufzuklären.

Nancy war im Dezember 1989 in Karlsruhe auf die Welt gekommen. Seit 1991 lebte sie als Jüngste von drei Eisbären zusammen mit Tosca, der 1986 geborenen Mutter von Knut, und ihrer Halbschwester Katjuscha (geboren 1984) im Zoo Berlin. Eisbären sind in der Natur eigentlich Einzelgänger. Doch Nancy und Katjuscha schlossen ein sehr inniges freundschaftliches Verhältnis. Anders als beim Menschen sei nicht davon auszugehen, dass Katjuscha um ihre Spielgefährtin trauert, heißt es aus dem Zoo.

Auch Knut starb im Frühjahr 2011 völlig unerwartet. Er litt an einer Enzephalitis, einer Entzündung des Gehirns. Sie bereitete dem Tier Krämpfe. Verursacht worden war die Krankheit höchstwahrscheinlich durch eine Virusinfektion. Der beliebte Berliner Eisbär war in den Wassergraben seines Geheges gestürzt und dort ertrunken. Knut, der Ende 2006 im Zoo geboren worden war, war der erste Eisbärennachwuchs seit mehr als 30 Jahren. Mit seinem Ziehvater, dem Tierpfleger Thomas Dörflein, hatte er das Interesse der Menschen weltweit auf sich gezogen. Noch heute ist der berühmteste Eisbär der Welt präpariert im Berliner Naturkundemuseum zu besichtigen. Das ist nach Auskunft des Zoos mit Nancy vorerst nicht geplant.