Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hat am Mittwoch einstimmig fünf Millionen Euro für das neue Tierpark-Konzept freigegeben. „Endlich können wir loslegen und mit konkreten Planungen für den Tierpark beginnen. Wir hoffen, dass wir schon im Frühjahr 2015 erste Verbesserungen präsentieren können“, sagte der Geschäftsführer und Tierparkdirektor Andreas Knieriem.

2,2 Millionen Euro stehen für die Innenanlagen des Alfred-Brehm-Hauses bereit, um die Haltungsbedingungen für die Raubkatzen zu verbessern. 1,6 Millionen Euro sind für Spielplätze eingeplant. So soll etwa die Plansche aktiviert werden. Für die Sanierung der Schautribüne sind 450.000 Euro vorgesehen, damit dort täglich ein Programm zu Natur- und Artenschutz dargeboten werden kann. 750.000 Euro stehen für die Anschaffung neuer Züge, einem Wegeleitsystem und die „Optimierung der Eingangssituation“ zur Verfügung. Ziel des Unternehmens, das zur Zoo AG gehört, ist es, die Besucherzahl zu erhöhen und nach jahrelangem Defizit wirtschaftlich autark zu werden. Knieriem will noch in diesem Jahr seine langfristige Planung vorstellen.

Auch der Förderverein von Zoo und Tierpark ist erfreut über die Freigabe der zuvor gesperrten Investitionsmittel. Der Vereinsvorsitzende Thomas Ziolko möchte darin keine Einmalzahlung sehen, sondern denkt gleich weiter: „Der nächste Schritt ist es, auf Grundlage einer soliden Entwicklungsplanung vom Tierpark aufbauend, eine mittelfristige Investitionsplanung des Tierparks abzusichern. Es darf nicht bei einer Einmalzahlung bleiben. Das Land Berlin ist weiterhin in der Verantwortung.“ Nach seinen Vorstellungen sollte das Ziel sein, in den kommenden Jahren jährlich Investitionszuwendungen in Höhe von zehn Millionen Euro zu ermöglichen, „um den extrem hohen Investitionsbedarf im Tierpark Berlin abzusichern und dessen Zukunft nachhaltig zu sichern“.

Durchgängig barrierefreies Angebot gefordert

Der tierschutzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander J. Herrmann, wertet die Freigabe der Investitionsmittel als „wichtigen Beitrag zum Erhalt und für die Weiterentwicklung des Tierparks als wichtiges innerstädtisches Naherholungs- und Bildungsangebot“. Er pocht darauf, dass bei der Umsetzung der einzelnen Ziele insbesondere Berliner Unternehmen berücksichtigt werden sollten. Zugleich fordert er ein „durchgängig barrierefreies Angebot für mobilitätseingeschränkte Menschen“. Herrmann hat sich in seiner Funktion als tierschutzpolitischer Sprecher frühzeitig für den Tierpark eingesetzt.

Am bekanntesten wurde allerdings die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling, die schon vor Jahren die Arbeit von Knieriems Vorgänger Bernhard Blaszkiewitz ins Kreuzfeuer ihrer Kritik gerückt. Er hat bereits einige Millionen Euro für die Sanierung des Alfred-Brehm-Hauses ausgegeben – genau das Gebäude, das Knieriem nun erneut angehen will.

Erste Anzeige gegen Knieriem

Hämmerling hatte Blaszkiewitz sogar einige Male – ergebnislos – angezeigt, unter anderem, weil er im Tierpark vor Mitarbeitern eigenhändig Katzen getötet hatte. Doch der Vorfall erwies sich als verjährt. Inzwischen läuft – seit Ende September – die erste Anzeige gegen seinen Nachfolger, den neuen Direktor Andreas Knieriem. Die Tierschutzorganisation animal public wirft ihm vor, dass er im September im Tierpark Wildschweine erschießen ließ, nur um Platz für andere Tiere zu schaffen.

Aus Sicht von animal public stellt die Tötung einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. „Denn für die Tötung eines gesunden Wirbeltiers bedarf es gemäß Tierschutzgesetz eines vernünftigen Grundes“. Der Tierpark ist 160 Hektar groß. Zuvor schon waren Steinböcke im Zoo erschossen worden. Der Grund: Sie hätten nachts ihr Gehege verlassen. Unklar bleibt, ob man es nicht einfach besser hätte sichern können. Denn eine offizielle Stellungnahme hat der neue Direktor zu den beiden Vorfällen nicht abgegeben.