City West

Hardenbergplatz - mehr Grün, weniger Verkehr, kein Hochhaus

Auf einer Standortkonferenz wurden nun die Entwürfe für die Umgestaltung des Hardenbergplatzes diskutiert. Dabei gab es einen eindeutigen Favoriten. Für ein Hochhaus ist allerdings kein Platz.

Foto: Reto Klar

Über die Zukunft des Hardenbergplatzes wird derzeit heftig diskutiert. Nachdem das von der AG City initiierte Hochhausprojekt des Architekten Christoph Langhof keine Zustimmung bei den verantwortlichen Politikern im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf findet, liegen jetzt neue Pläne auf dem Tisch. Die allerdings lediglich eine Neuordnung der Verkehrsfläche vorsehen.

Montagabend stellte Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) bei einer Standortkonferenz in der Eventpassage an der Kantstraße die Ergebnisse eines Gutachterverfahrens zum Hardenbergplatz vor. Drei Teams waren beauftragt worden, Lösungen zu suchen, wie der belebte Platz besser gestaltet werden kann: für die Fußgänger, die Radfahrer, aber auch für den motorisierten Verkehr mit Bussen, Taxen und Pkw. Die Wege beim Umsteigen sollen kürzer, alles kompakter und überschaubarer organisiert werden.

Bezirksamt und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung favorisieren den Entwurf des Büros Topotek 1/Ivas. Im kommenden Jahr soll er mit einer Detailplanung untersetzt werden. "Dieser Entwurf zieht eine Trennlinie zwischen dem eher naturorientierten Raum mit einer Promenade für die Fußgänger an der Seite zum Zoologischen Garten hin sowie dem Teil des Platzes am Bahnhof, der für den Verkehr- und das Umsteigen reserviert ist", so Schulte. Martin Rein-Caro, Geschäftsführer von Topotek 1 will mit der Promenade den Grünbereich des Zoologischen Gartens und des Tiergartens wieder mehr betonen.

Aufenthaltsqualität erhöhen

Weil im Gegensatz zu den zwei anderen Entwürfen Verkehr und Flanieren beim Entwurf "City Meets Park" klar getrennt werden, sprach sich auch Polizeibeamter Stefan Hofmann vom Abschnitt 25 dafür aus. Es dürften allerdings keine nächtlichen Angsträume entstehen. Und auch die Tatsache, dass sich rund um den Bahnhof Zoo viele obdachlose Menschen aufhalten, soll in den Planungen laut Stadtrat Schulte berücksichtigt werden, ohne dass sie vertrieben werden sollen.

Der ausgewählte Entwurf hat den Verkehr, der momentan den ganzen Platz nutzt, kompakt auf der Westseite vor dem Bahnhof angeordnet. In drei Fahrspuren bewegen sich öffentlicher Personennahverkehr, also Taxen, Busse und Reisebusse, sowie der Individualverkehr mit Rad und Pkw. Statt der heutigen etwa 220 Parkplätze soll es künftig allerdings nur noch 70 bis 75 geben.

Dafür entsteht auf der Seite am Zoologischen Garten eine großzügige Freifläche für Fußgänger. Während Vertreter der Bahn, des Zoologischen Gartens, der BVG und vom Geschäftshaus Bikini Berlin mit auf dem Podium saßen, fehlte die AG City, die erst kürzlich mit ihrem Vorschlag für einen 209 Meter hohen Wolkenkratzer auf dem Hardenbergplatz für eine große Resonanz in der Öffentlichkeit gesorgt hatte. "Wir waren fürs Podium bedauerlicherweise nicht eingeladen", sagte AG-City-Vorstandsmitglied Gottfried Kupsch der Berliner Morgenpost. Die AG City hält die Vorgehensweise des Bezirksamtes und der Senatsverwaltung für den Hardenbergplatz für falsch.

Laut Kupsch sollte als erstes die Bebaubarkeit des Platzes geprüft werden, außerdem sollte die Neugestaltung in Zusammenhang mit der Brache für das Riesenrad an der Hertzallee sowie den nahen Grundstücken des Bundes an der Fasanenstraße überlegt werden. "So könnte ein städtebaulicher Komplex als Erweiterung der City West aus einem Guss entstehen. Die Überlegungen nur für den Platz greifen zu kurz", kritisierte Kupsch gegenüber dieser Zeitung. "Im Gegensatz zum Entwurf der AG City, für den weder ein Investor noch eine solide Finanzierungsbasis präsentiert wurden, ist unser Konzept aber umsetzbar und finanzierbar", so Schulte.

Zoo will stärker eingebunden werden

Die Positionierung von Bezirk und Senatsverwaltung für den Topotek-1-Entwurf stieß auf keine Kritik. Allerdings kritisierten Anrainer wie Zoodirektor Andreas Knieriem, dass sie bislang zu wenig in die Planungen eingebunden worden seien. Sie seien zwar informiert, aber nicht ausreichend gefragt worden. Schließlich baue der Zoo einen neuen Eingang auf dem Hardenbergplatz, wenn der Aufsichtsrat darüber demnächst den Beschluss fasse.

Berücksichtigt werde müsse bei den Planungen in jedem Fall, dass der Zoo auch Besucher habe, die nicht gut zu Fuß seien und mit dem Auto bis vor den Eingang gefahren würden. Kritik kam auch von Bikini Berlin. Wie die AG City plädierte Center-Manager Ted Walle dafür, dass die neuen Planungen einen größeren Radius umfassen sollten. Schließlich entstehe im nahen Umfeld viel Neues. Problematisch sei auf jeden Fall, dass der gesamte Lieferverkehr für das 300 Meter lange Gebäudeensemble mit dem Bikini Berlin künftig durch die Fußgängerpromenade fahren müsse.

Die Umgestaltung des Hardenbergplatzes will der Bezirk mit Fördermitteln aus dem Bundesprogramm Gemeinschaftsaufgabe der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) ermöglichen. Wenn im kommenden Jahr die Planung überarbeitet ist und die Details feststehen, soll ein Antrag über zehn Millionen Euro gestellt werden. Aus diesem Topf soll der Großteil der Arbeiten finanziert werden. Sollte das Geld bewilligt werden, könnte 2016 begonnen werden.

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