Bahnhof Zoo

Deutsche Bahn rettet den 50er-Jahre-Charme am Zoo

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Sabine Gundlach

Foto: x / ullstein bild

Acht Jahre nach der Schließung sollen die Bahnhofterrassen am Hardenbergplatz aufwendig saniert und nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden. Auch der Bahnhof Zoo selbst wird umgestaltet.

Hinten rattern die Züge vorbei, vorne schweift der Blick auf die Anlagen des Zoologischen Gartens und das neue Berliner Luxushotel „Waldorf Astoria“. Auf der geplanten Freiterrasse am Bahnhof Zoologischer Garten sollen schon in naher Zukunft Berliner und Besucher wieder einkehren können. Urbanes Kaffeetrinken am Zoo unter freiem Himmel – so, wie vor fast 60 Jahren, als das dem Bahnhof vorgelagerte, auf Stützen ruhende Restaurant „Bahnhofsterrasse“ 1957 am Hardenbergplatz eröffnet wurde.

Der längst überfällige Umbau des mittlerweile „Terrassen am Zoo“ genannten Gebäudeteils, in dem noch bis 2006 gespeist werden konnte, kommt nach langen Planungsvorläufen endlich in Gang. Und damit kommt nach der Sanierung auch noch mehr Leben in den geschichtsträchtigen Bahnhof der City-West und seine Umgebung.

Nachdem der Masterplan für die Umbauten bereits seit Anfang des Jahres vorliegt, hat die Bahn den Bauantrag für die dem Empfangsgebäude vorgelagerten Zoo-Terrassen beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eingereicht und legt jetzt Zeitangaben vor. So teilte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann MdB, auf Anfrage von Kai Wegner, Generalsekretär der Berliner CDU und Mitglied im Bundesbauausschuss, mit, dass die Zoo-Terrassen bis Anfang 2016 für die geplante gastronomische Nutzung reaktiviert werden.

Wiederherstellung nach historischem Vorbild

In dem Schreiben von Ferlemanns Referenten heißt es unter Bezugnahme auf die Eigentümerin und Bauherrin, die DB Station & Service AG, dass die Terrassen in einem ersten Schritt zunächst „aufgrund der schlechten Bausubstanz entkernt und zurückgebaut werden“. Die daran anschließende Wiederherstellung sei nach historischem Vorbild mit Freiluftterrassen geplant.

In einem zweiten Bauabschnitt sollen dann die Verkehrswege im Bahnhof selbst verbessert und darüber hinaus weitere Gewerbeflächen geschaffen werden. Die Modernisierung der Bereiche im Erdgeschoss soll bis Ende 2017 abgeschlossen sein. „Der Bahnhof Zoo ist momentan keine Visitenkarte für Berlin und es ist dringend erforderlich und gut, wenn im Kontext der allgemeinen Aufwertung des Areals dort in der City-West auch der zentrale Standort der ganzen Entwicklungen, der Bahnhof Zoo, auch nachzieht“, sagt Kai Wegner. Es sei höchste Eisenbahn, „dass der Schandfleck endlich beseitigt und der Bahnhof wieder aufgewertet wird“.

So bietet gerade das Vorfeld am Entree des einst wichtigsten Bahnhofs im Westteil der Stadt am Hardenbergplatz seit Jahren ein unansehnliches Bild. Auch an diesem Wochenende: Unter dem verdreckten Vorbau der früheren Zoo-Terrassen liegt Müll, die Außentreppe zu dem verglasten Gebäudeteil ist trotz Absperrung mit zahlreichen Zigarettenkippen und Bierdosen verdreckt. Das optische Durcheinander aus Imbissbude, Hinweisschildern und U-Bahnausgang unterstützt den heruntergekommenen Eindruck.

Moderne berlintypische Küche

Auch der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), freut sich, „dass eine jahrelange Forderung des Bezirks endlich nach vorn gebracht wird. Es ist dringend erforderlich, dass auch der Bahnhof Zoo als räumlich zentraler Bestandteil der lange schon eingeleiteten Aufwertung des Areals saniert und umgebaut wird“. Bezüglich der möglichen Betreiber des Restaurants hofft Naumann auf „eine kreative Lösung. Da die Zoo-Terrassen aufgrund der historischen Vorlagen im Ambiente der 50er-Jahre wiederhergerichtet werden sollen, wäre es natürlich wünschenswert, an diesem Ort auch eine entsprechende Gastronomie zu etablieren“, sagte er der Morgenpost.

Auch Kai Wegner hofft auf eine Gastronomie „mit Bezug zum historischem Vorbild. Schön wäre eine berlintypische Küche auf moderne Art und Weise.“ Meldungen, wonach die Fastfood-Kette Mc Donald’s dort eine Filiale plane, wurden seitens des Unternehmens dementiert. „Natürlich schauen wir mit großem Interesse auf die Entwicklungen am Bahnhof Zoo, aber es gab bislang keine Gespräche oder Verhandlungen mit der Deutschen Bahn“, sagte Jennifer Gehrmann, Sprecherin bei Mac Donalds für den Bereich Berlin Nordost.

Die Zoo-Terrassen wurden 2006 geschlossen, nachdem der Bahnhof mit der Eröffnung des Hauptbahnhofs in Mitte trotz aller Proteste seinen Status als ICE-Halt verloren hatte.