Wenn die Rede von der Perle am Wannsee ist und von Europas größtem und schönstem Binnenseebad – dann ist die Rede vom Strandbad Wannsee. Vergessen ist dabei offenbar, dass sich eine Bauruine auf dem Gelände befindet. Seit 1997 ist das ehemalige Strandrestaurant Lido am Ende des Wandelgangs geschlossen, seitdem verfällt das Gebäude. Der bauliche und technische Zustand verschlechtert sich jährlich.

Das musste auch Frank Henkel (CDU), Senator für Inneres und Sport, im Abgeordnetenhaus auf eine Frage nach der Zukunft des Restaurants zugeben. Doch trotz der „herausragenden Badanlage von internationaler Bedeutung“ habe die Sanierung des Lidos derzeit keine Priorität. Primäre Aufgabe der Bäderbetriebe, die das Strandbad betreiben, sei die Sicherstellung der Funktionalität des Bades, so Henkel.

Ordentlicher Neustart

Das ist eine klare Absage an eine Finanzspritze aus dem Landeshaushalt. Aus eigener Kraft können die Bäderbetriebe die Summe für einen denkmalgerechten Wiederaufbau des Restaurants nicht aufbringen. Dennoch denkt der neue Chef Ole Bested Hensing bereits über einen „ordentlichen, vernünftigen Neustart nach“, so sein Sprecher Matthias Oloew. Das Strandbad Wannsee und das Lido, so bestätigt er, seien Bestandteil des neuen Bäderkonzepts. In dem Konzept, das derzeit noch in verschiedenen Gremien diskutiert wird, plant Bested Hensing vor allem mehr freizeitorientierte Bäder, also Kombibäder mit Spaßfaktor wie etwa Rutschen und Saunen.

Ziel beim Strandbad sei es, das Bad und das Strandrestaurant wieder zu einem solchen Anziehungspunkt zu machen, für den es sich lohnt, extra aus der Stadt herauszukommen, sagt Oloew. Daher feile man an dem großen Auftritt. Zumindest die Idee kann er verraten: Die Bäderbetriebe wollen die Uhr zurückdrehen und das Strandbad Wannsee wieder in die 20er- und 30er Jahren zurückversetzen. „Wir wollen das Badleben aus der damaligen Zeit kultivieren“, sagt Oloew. Dazu gehöre zum Beispiel die historische Beschriftung der Türen und die Ausgestaltung der Räume im alten Stil. Für die Bademeister soll es entsprechende Dienstkleidung geben.

In diesem Rahmen soll auch das Lido wieder in Betrieb genommen werden. Dazu würden bereits Gespräche mit Gastronomen laufen, sagt der Bäder-Sprecher. Vor der Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Strandrestaurants stehen einige Herausforderungen, etwa die Lage in einem Wasserschutz- und Naturschutzgebiet sowie der Denkmalschutz. Es dürfen keine neuen Parkplätze gebaut und keine großen Umbauten vorgenommen werden. Diese Einschränkungen lassen keinen ganzjährigen Betrieb zu, der eine Wirtschaftlichkeit des Restaurantbetriebs absichern würde. „Deshalb muss jetzt ausgelotet werden, was am Ende noch möglich ist“, sagt Oloew.

„Die Ruine wird noch ein bisschen bleiben“

Bei allen Ideen macht der Sprecher aber klar: „Die Ruine wird noch ein bisschen bleiben.“ Tatsache sei, dass die Sicherung des Schwimmbetriebs in den Hallen für Vereine, Schulen und die Öffentlichkeit an erster Stelle stehe. Er stimmt Innensenator Frank Henkel zu, dass das Strandbad Wannsee eher nachrangig behandelt werde.

Seit mehr als zehn Jahren ist die Sanierung des alten Strandrestaurants Lido ein Thema. Während die Terrassen, Gebäude und Wandelgänge von 2005 bis 2007 von der Stiftung Denkmalschutz Berlin für mehr als acht Millionen Euro saniert wurden, blieb das baufällige Lido unangetastet. So war es in der Vereinbarung zwischen den Bäderbetrieben und der Stiftung vorgesehen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten schlugen die Bäderbetriebe einen überraschenden Weg ein: Sie wollten das Bad an einen privaten Pächter abgeben. Der Zuschlag war an eine Bedingung geknüpft: Der neue Hausherr musste die Sanierung des Lidos übernehmen. Geschätzte Kosten: drei Millionen Euro.

Elf Bewerber meldeten ihr Interesse an, darunter die Stiftung Denkmalschutz Berlin. Im November 2007 habe man das Konzept und die Finanzierung präsentiert, erinnert sich der heutige Vorstand der Stiftung, Christian Melcher.

Fertiges Konzept, kein Zuschlag

Segelvereine sollten sich im Strandbad ansiedeln, in die Hallen Saunen und Fitness-Anbieter sowie der Verein der Wasserfreunde ziehen. Gemeinnützige Vereine wollten den Badebetrieb übernehmen. Die Finanzierung war über die Werbesegel im öffentlichen Straßenland, Spenden und Lottomittel abgesichert. Für das Parkplatzproblem gab es keine Lösung. Ein Jahr später sei das Verfahren eingestellt worden. Die Gründe könne er sich bis heute nicht erklären. „Vielleicht wollten die Bäderbetriebe das Strandbad Wannsee am Ende doch nicht loswerden?“, so Melcher. Aus heutiger Sicht hat der Bädersprecher Matthias Oloew eine mögliche Erklärung, warum niemand den Zuschlag bekommen hat: „Unter den Interessenten war keiner mit einem tragfähigem Konzept und auch kein Gastronom, der das Lido betreiben wollte.“

Diesmal wollen es die Bäderbetriebe anders machen. Am Konzept arbeitet Ole Bested Hensing noch. Dann, so stellt sein Sprecher in Aussicht, werde das Strandbad „wieder als Perle aufpoliert“.