Abriss

Charlottenburger Kult-Tankstelle muss Wohnungen weichen

Ursprünglich gehörte die traditionsreiche Tankstelle der Radlegende Otto Ziege: Jetzt wurde das Grundstück an der Mommsenstraße verkauft und mit dem Abriss begonnen. Geplant ist eine Wohnanlage.

Foto: Amin Akhtar

Die letzten Kunden haben am Sonntag getankt und ihr Auto durch die Waschanlage geschickt. Seit Montag sind die Abrissarbeiten im Gange. Die traditionsreiche Tankstelle an der Mommsenstraße Ecke Leibnizstraße in Charlottenburg ist Vergangenheit. Pächter Hans Ditger ist ein bisschen wehmütig. „Alles wird abgerissen“, sagte er. Acht Jahre hat Ditger an diesem Ort gearbeitet. „Es war eine tolle Tankstelle, mit tollen Kunden.“

Übernommen hatte er sie von der Berliner Radlegende Otto Ziege, der vor allem durch das Sechstagerennen bekannt wurde. Er nahm viele Male an dem populären Wettkampf teil, damals noch in der Halle am Funkturm, und wurde nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn sportlicher Leiter des Rennens. Organisiert hat er es jahrzehntelang aus seinem kleinen Büro in der Tankstelle. Von dort aus verpflichtete Ziege internationale Radsportgrößen. Seit den 50er-Jahren führte er die Tankstelle. Dann ging sie an Esso.

Das Unternehmen gehört zur ExxonMobil Central Europe Holding GmbH mit Sitz in Hamburg. Die Gesellschaft hat jetzt das Grundstück an der Mommsenstraße veräußert, wie schon vor einigen Monaten ein anderes Grundstück am Kaiserdamm. „Beide Flächen sind kleine Filetstückchen, wegen ihrer Lage“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage der Morgenpost.

Tankstelle soll bis Ende September abgerissen sein

Man habe sehr gute Angebote dafür bekommen. Ende September soll die Tankstelle an der Mommsenstraße verschwunden und das Grundstück geräumt sein. Möglicherweise bestehe jedoch das Bezirksamt darauf, dass eine Auffahrt für Schwerlaster angelegt wird. „Wir warten jetzt auf den behördlichen Bescheid dafür“, so die Sprecherin. Das Grundstück werde gereinigt übergeben. Bis in 3,50 Meter Tiefe lässt das Unternehmen den Boden austauschen.

Hans Ditger will sich erst einmal einen längeren Urlaub gönnen. Er hofft, dass er dann eine andere Esso-Tankstelle übernehmen kann, möglicherweise schon zum Jahresende. Mehr als 1000 Kunden am Tag seien gekommen, 38.000 seien es allein im Juni gewesen, erzählte er. Bis zu 180.000 Euro habe er investiert, in regelmäßige Renovierungen etwa und in neue Waschanlagen.

Ditger ist 55 Jahre alt. Er stammt aus Köln, lebt aber seit 1969 in Berlin. Bevor er die Tankstelle übernahm, habe er in der Gastronomie gearbeitet, erzählte er. Und sei auch mal Küchenchef im „Kempinski“ gewesen. Ein Bauantrag für das Grundstück an der Mommsenstraße liegt dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf noch nicht vor. Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) sagte, es habe jedoch eine Bauberatung stattgefunden. Dabei sei es um Wohnbebauung gegangen.

„Da es in der Innenstadt genug Tankstellen gibt, hat der Bezirk gegen einen Abriss und eine Neubebauung an dieser prominenten Ecke keine Einwände“, sagte Schulte. Ob der Boden kontaminiert ist, werde das Umweltamt prüfen. Am Kaiserdamm wollen die neuen Grundstückseigentümer Schulte zufolge ein Hotel errichten.