Wilmersdorf

Hohenzollern-Campus bekommt 150 zusätzliche neue Wohnungen

Die ehemalige AEG-Zentrale am Hohenzollerndamm wird vom reinen Bürostandort zu einem „urbanen Quartier mit hohem Wohnanteil“ erweitert. Doch es gibt Streit mit den Denkmalschutzbehörden um die Balkone.

Foto: Dr. Hellbach Architektur

Die grimmig blickenden Adler an der Balustrade verraten bereits, in welcher Bauepoche der gewaltige Gebäudekomplex am Hohenzollerndamm 150-151 entstanden ist. 1937 wurde die Gebäudegruppe als Kaserne und Sitz des Wehrkreiskommandos fertig gestellt, hier wurde die männliche Jugend Berlins und Brandenburgs gemustert.

Nach dem Krieg wurden die Häuser, die um einen trapezförmigen Hauptplatz angelegt wurden, von der AEG als Konzernzentrale genutzt. Das stolze Kapitel westdeutscher Wirtschaftsgeschichte endete in den 80er-Jahren mit der Übernahme durch die Daimler AG, die das Areal als Bürostandort vermietete und vor zehn Jahren an die französische Icade-Gruppe verkaufte. Seit Mai dieses Jahres gibt es nun neue Eigentümer, die am Donnerstag erstmals ihre Pläne präsentierten.

Die Investorengemeinschaft, bestehend aus den Berliner Projektentwicklern Dirk Germandi, Martin Rasch und Klaus Groenke, will das denkmalgeschützte Ensemble von einem reinen Bürostandort zu einem „urbanen Quartier mit hohem Wohnanteil“ weiterentwickeln.

150 neue Wohnungen sollen entstehen

So sollen in dem Gebäude Hohenzollerndamm 150 zusätzlich zu den in den unteren Etagen angesiedelten Firmen ab dem kommenden Jahr in den oberen Etagen sowie im Dachgeschoss 57 Studenten-Appartements eingerichtet werden. Das Haus mit der Nummer 151 soll vorerst reiner Bürostandort bleiben.

Da das riesige Areal insgesamt 35 Hektar umfasst, soll das Grundstück, das an die Fritz-Wildung-Straße grenzt, mit 150 Wohnungen bebaut werden. „Das Neubauvorhaben werden wir nicht selbst realisieren“, so Dirk Germandi bei einem Rundgang über das Gelände. Man habe das Baugrundstück bereits an die Münchner Grund Immobilien Bauträger AG veräußert.

„Die Münchner wollen im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen“, ergänzte Germandi. Die Berliner Investorengemeinschaft werde sich dagegen auf die Entwicklung der Denkmalgebäude konzentrieren. „Das ist schließlich unsere Spezialität und Leidenschaft“, so Germandi, der gerade das ehemalige Haus Cumberland am Kurfürstendamm sowie mit Martin Rasch das Ludwig-Hoffmann-Quartier in Buch saniert hat.

Möblierte Appartements für acht bis zehn Euro pro Quadratmeter

Doch während sich dort die Denkmalbehörden kooperativ zeigten und den Bau von Balkonen genehmigten, gibt es am Hohenzollerndamm genau damit Probleme – das Vorhaben wurde abgelehnt. „Dabei wollen wir die Balkone nur auf der Hofseite anbringen“, sagte Germandi. „Schließlich haben wir auch beim Haus Cumberland Balkone angebracht – und das Objekt liegt ebenfalls im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.“

Insgesamt 30 Millionen Euro wolle er mit seinen Partnern in die Häuser investieren. Die möblierten Appartements sollen später für Mietpreise von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter vergeben werden. „Da erwarten die Mieter schon einen Balkon“, ergänzte Martin Rasch. Die Partner hoffen nun, mit verschiedenen Balkonstudien, die sie beim Berliner Architekturbüro Feddersen in Auftrag gegeben haben, doch noch ein Umdenken beim Denkmalamt des Bezirks zu erreichen. Zumal Balkone auch an anderen denkmalgeschützten Kasernengebäuden in Berlin zum Standard gehören.

So wird derzeit die ehemalige Kaserne der Reichsluftwaffe (Baujahr 1936 bis 1938) an der Clayallee zu Wohnzwecken umgestaltet. Auch dort werden Balkone angebracht. Der Unterschied: Das Kasernenareal liegt im Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf. „Es kann nicht sein“, so die empörten Investoren, „dass innerhalb Berlins so unterschiedliche Regeln gelten sollen.“