Der Regierende Bürgermeister schätzt den Kurfürstendamm, aber er beklagt einen gravierenden Mangel an Cafés und Restaurants. „Es schmerzt, dass das Kranzler nach oben verlagert wurde, und das Möhring werden auch noch viele vermissen. Es ist bedauerlich, dass etliche Cafés verschwunden sind, dadurch sind einfach zu viele Lücken entstanden“, sagte Klaus Wowereit (SPD) am Mittwochabend als Gast der Interessengemeinschaft Kurfürstendamm e.V. bei einer Veranstaltung im Kempinski Hotel Bristol. Zwar gebe es das neue Grosz im Haus Cumberland, so Wowereit, und auch die Neugestaltung des Hauses Kurfürstendamms 195 gleich nebenan mit „unserer geliebten Currywurstbude“ sei begrüßenswert. Aber insgesamt brauche der Boulevard wieder mehr Gastronomie. „Die Leute wollen doch gucken, welche exotischen Vögel da flanieren.“
Auch in jüngerer Zeit haben sich Gastronomen vom Kurfürstendamm verabschiedet, so zum Beispiel die Austeria Brasserie nahe dem Olivaer Platz, das Kaffeehaus Berlin an der Giesebrechtstraße oder das Restaurant bei Mercedes an der Ecke Knesebeckstraße. Ungewiss ist die Zukunft des Bistros im Maison de France, weil die Republik Frankreich das markante Gebäude an der Ecke Uhlandstraße verkaufen will.
Eine schnelle Lösung des Problems allerdings hatte Wowereit, der einige Jahre direkt am Kurfürstendamm gewohnt hatte und jetzt auch nicht weit entfernt lebt, aber nicht parat. Die Mietpreise seien das Entscheidende. Ökonomisch sei es „leider so, dass es sich nicht rechnet und mit anderen Geschäften mehr zu verdienen ist“. Zudem gebe es auch den Konflikt mit der Lärmbelästigung durch gastronomische Betriebe. Anwohner zögen schnell vor Gericht. Insgesamt sei die Entwicklung des Boulevards jedoch positiv. Und von den Debatten um den Kurfürstendamm, mal sei er angeblich unten, mal oben, habe er ohnehin nie viel gehalten: „Selbst als er totgesagt war, war er immer lebendig“, konstatierte Wowereit.
Weitere Hochhäuser denkbar
Auch die bauliche Entwicklung der City-West sieht Wowereit auf einem guten Weg. Was ihm oft fehle, sei allerdings „der Mut in der Architektur“. Das Zoofenster mit dem Waldorf Astoria ist in seinen Augen „gelungen“ und habe ein Zeichen gesetzt. Es sei auch gut, dass gleich daneben mit dem „Upper West“ noch ein zweites Hochhaus gebaut wird. Das Bikini Berlin mit dem Kino Zoo Palast, das im kommenden Herbst als erste Einrichtung des Ensembles wiedereröffnet werden soll, bringe die City West ebenfalls voran. Wowereit schloss nicht aus, dass es dort weitere Hochhäuser geben könnte, darauf festlegen wollte er sich aber nicht. Da müssten auch „Investoren mitspielen“.
Und das tun sie beim Kudamm-Karree offensichtlich seit Jahren nicht. Erst im März hatte der irische Investor Ballymore überarbeitete Pläne für die Neugestaltung der Bausünde aus den 70er-Jahren vorgelegt. Dass es nicht vorwärts geht, liegt laut Wowereit jedenfalls nicht daran, dass es für die beiden Theater noch keinen Ersatzstandort gebe: „Ballymore ist nicht in der Lage oder willens, das Projekt umzusetzen.“ Das sei schön für die Theater-Betreiber, aber auch unbefriedigend, weil sie nicht in die Zukunft planen könnten. Der Senat könne allerdings nicht eingreifen. „Da ist die Stadt außen vor, da muss dringend etwas passieren, der Hochhaus-Turm vom Kudamm-Karree steht zum überwiegenden Teil leer. Aber wir können nichts anordnen“, erklärte Wowereit.
Niveaulose Veranstaltungen
Forderungen von Organisatoren, Veranstaltungen auf Kudamm und Breitscheidplatz schneller zu genehmigen, erteilte Wowereit eine Absage: „Veranstaltungen gibt es ja nicht wenige dort, an dem Niveau muss noch gearbeitet werden.“ Das sage er auch der Gedächtniskirchengemeinde, die Bretterbuden verpachte.
Die Attraktivität Berlins bei den Touristen, von der auch der Kurfürstendamm profitiert, führt Wowereit auf die gute Stimmung in der Stadt zurück. Wichtig sei zudem, dass junge Leute sich die Stadt leisten können. Ein wesentlicher Punkt sei aber auch die wechselvolle Geschichte Berlins. Der historische Aspekt sei lange unterschätzt worden. Wowereit räumte ein, dass es besser gewesen wäre, Teile der Mauer stehen zu lassen. Aber Anfang der 90er-Jahre seien viele Berliner froh gewesen, dass die Mauer weg war.
Negativ für das Image der Stadt könnten sich Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung auswirken. Berlin sei eine der tolerantesten und liberalsten Städte der Welt, aber es gebe Übergriffe „und da müssen alle einschreiten“, warnte der Regierende Bürgermeister.





