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Was Reinhard Naumann mit Charlottenburg-Wilmersdorf vorhat

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) spricht im Interview über den Mangel an günstigen Wohnungen, die Entwicklung des Kudamms und langes Warten auf das Elterngeld in seinem Bezirk.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Berliner Morgenpost: Herr Naumann, was ist 2013 gut, was weniger gut gelaufen?

Reinhard Naumann: Die City West befindet sich weiter sichtbar im Aufschwung. Davon profitiert nicht nur der Bezirk, sondern ganz Berlin. Für das Amerika-Haus konnte eine kommerzielle Nutzung abgewendet werden. Ich freue mich über die weitere kulturelle Aufwertung durch die renommierte Fotogalerie C/O Berlin an diesem Traditionsstandort. Fortgesetzt angespannt ist die personelle Situation in der Bezirksverwaltung. Deshalb werbe ich für mehr Wertschätzung der Arbeit der Beschäftigten dort.

Was ist Ihr wichtigstes Projekt, das sie noch 2013 angehen wollen?

Wir müssen im September einen Haushaltsplan-Entwurf für 2014/2015 beschließen. Das wird erneut ein Kraftakt und hat absolute Priorität. Ferner werde ich mich weiterhin für den Erhalt des Maison de France und des Hotel Bogota einsetzen, um die jetzigen Eigentümer von einem Verbleib am Kudamm zu überzeugen.

Was sind weitere Schwerpunkte Ihrer Politik, von denen die Bürger Verbesserungen erwarten können?

Das Ringen um den Erhalt der Infrastruktur in den wichtigen Bereichen Jugend und Bildung, Soziales und Gesundheit, Kultur und Sport sowie Mobilität kennzeichnet Tag für Tag unsere kommunale Basisarbeit. Wir wollen die Mischung aus Leben, Wohnen und Arbeiten, die unseren Bezirk so attraktiv macht, weiter positiv entwickeln. Bei notwendigen Veränderungen gilt es, die Menschen mit auf den Weg der Veränderung zu nehmen.

Wie sieht die Verkehrsstrategie aus?

Die BVV hat das Bezirksamt beauftragt, auf der Grundlage des Stadtentwicklungsplans Verkehr ein bezirkliches Verkehrskonzept zu erarbeiten. Wenn dies im Entwurf vorliegt, werden wir den öffentlichen Dialog mit den Bürgern starten.

Viele Berliner klagen über eine zunehmende Verwahrlosung im öffentlichen Raum. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass Grünanlagen und Plätze wieder schöner werden?

Jahrelange Haushaltskonsolidierung und Personalabbau sind hier besonders sichtbar. Deshalb ist es wichtig, freiwilliges, bürgerschaftliches Engagement – wie zum Beispiel das am Rüdesheimer Platz, am Lietzensee und am Klausenerplatz – weiter zu fördern. Persönlich wichtig ist mir, dass wir im Miteinander vor allem auf den Gehwegen und Straßen wieder zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme, Achtung und Respekt kommen – generations- und mobilitätsübergreifend.

Mietsteigerungen, Wohnungsmangel – auf der anderen Seite Proteste von Anwohnern bei Neubau-Vorhaben. Wie geht Ihr Bezirk, wie gehen Sie, mit diesem Interessenkonflikt um, wo sehen Sie Wohnungsbaupotenziale?

In der bereits hoch verdichteten Innenstadt wird es nur punktuell durch Lückenschließungen Neubauvorhaben geben. Der Bezirk setzt sich für den Erhalt seiner Kleingärten ein. Nachhaltig unterstützen wir die Linie des Senats zur Begrenzung von Mietsteigerungen. Auch Charlottenburg-Wilmersdorf braucht bezahlbare Wohnungen. Mit Blick auf die beiden hier ansässigen Universitäten TU und UdK wünsche ich mir zusätzlichen Wohnraum für Studenten.

Gibt es Neuigkeiten zum Kudamm-Karree, geht es dort nach Jahren des Stillstands wieder weiter?

Die Pläne zur Umgestaltung wurden im März vorgestellt und weitgehend positiv kommentiert. Der Investor hat als Ziel des Baubeginns Mitte 2014 angegeben. Ich hoffe, dass es nun endlich los geht.

Weil sich in der Elterngeldstelle wegen Personalmangels die unbearbeiteten Anträge häufen, wurden die Jugendsenatorin und der Bezirk von der Bundesfamilienministerin kritisiert.

Ursächlich hierfür sind unerwartete personelle Vakanzen und damit die Halbierung des Personalbestands der Elterngeldstelle. Mit dem stetigen Personalabbau in den Bezirken sind zwangsläufig Einschränkungen bei den Dienstleistungen verbunden. Allerdings ist die Kritik berechtigt, dass es in diesem sensiblen Bereich trotzdem nicht zu den unvertretbar langen Wartezeiten hätte kommen dürfen.

Das Cinéma Paris im Maison de France ist gefährdet, weil Frankreich das Gebäude verkauft, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Sehen Sie eine Chance, auf den neuen Eigentümer einzuwirken, damit er das Kino als Mieter behält?

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass in Paris noch ein Umdenken stattfindet und dieser Traditionsstandort deutsch-französischer Freundschaft und Kulturarbeit am Kurfürstendamm erhalten bleibt, einschließlich Cinéma Paris. Ich werde da dranbleiben.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Kurfürstendamms ein? Ist der Boulevard ein Selbstläufer oder braucht er gezielte Förderung? Wenn ja, wie soll die aussehen?

1000 Mal totgesagt – doch der Kudamm lebt! Wir freuen uns über das vielfältige Engagement der Investoren und der Geschäftsleute vor Ort. Zugleich müssen wir auf die Balance achten, insbesondere im Hinblick auf die kulturelle Attraktivität. Im Rahmen des Regionalmanagements City West, dessen Fortsetzung für weitere drei Jahre gesichert werden konnte, werden wir die Netzwerkarbeit am Kurfürstendamm, aber auch in Richtung Kantstraße und Ernst-Reuter-Platz weiter unterstützen.

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