Die Betonstützen, die meterhoch in den Himmel ragen, sind unübersehbar. Auf dem Grundstück des ehemaligen Güterbahnhofs Halensee errichtet das Bauhaus einen neuen Markt. Im November vergangenen Jahres gab es die Baugenehmigung, im Juli wird Richtfest gefeiert. Dann sind die wesentlichen Teile für den Rohbau montiert. Ende des Jahres soll das Geschäft eröffnet werden. Rund 35 Millionen Euro investiert die Bauhaus AG nach eigenen Angaben. Gerade wurde an der Kurfürstendammbrücke ein fast futuristisch anmutendes Gerüst aufgebaut. Fußgänger bleiben stehen, um sich das glänzende Gebilde genauer anzuschauen. Ist das etwa schon die neue Fassade? „Nein, das Gerüst ist nur ziemlich neu. Es wird in Kürze als Arbeitsbühne dienen, um die Decke zu betonieren “, sagt Jürgen Wilscher, der sein Büro in Mannheim hat, aber als Projektleiter der Bauabteilung der Bauhaus AG regelmäßig auf der Baustelle in Halensee ist.

Jahrelange Streitigkeiten waren der jetzigen Bebauungslösung vorausgegangen. Während die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter der damaligen Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) einen großen Möbelmarkt in Halensee als sinnvoll ansah und sogar erwägte, die Planung an sich zu ziehen, sprach sich der Bezirk nach vielen Debatten mit den Anwohnern gegen die Pläne aus, dort ein Einkaufszentrum mit gleich drei Möbelmärkten mit rund 55.000 Quadratmetern neuer Verkaufsfläche anzusiedeln. Nicht nur die Geschäftsleute in der Westfälischen Straße sahen wegen des Randsortiments Rot, auch die kleinen und mittelständischen Gewerbebetriebe, die auf der Bahnbrache neben dem S-Bahnhof ihren Sitz hatten.

Groß investieren am oberen Kurfürstendamm wollte 2005 bereits die österreichische Lutz-Neubert-Gruppe. In einem Bieterduell hatte sie das Tauziehen um das Bauareal am Sachsendamm gegen Möbel Kraft verloren und sich deshalb für das Grundstück in Halensee entschieden. Eine Bürgerinitiative bekämpfte die Pläne. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf stufte die Baumasse aus städtebaulichen Gründen als problematisch ein. 2007 hatte das Gelände dann das „Bauhaus“ erworben sowie einer der dort ansässigen Gewerbetreibenden, die auf einen Teilbereich der Fläche Richtung Paulsborner Brücke umgesiedelt sind.

18.500 Quadratmeter Verkaufsfläche

Statt der 55.000 Quadratmeter neuer Verkaufsfläche baut das Bauhaus nach Auskunft von Wilscher 18.500 Quadratmeter. Die Bezirksverordneten hatten nach den strittigen Debatten auch mit den Anwohnern und der Bürgerinitiative maximal 20.000 Quadratmeter festgelegt. Außerdem, so die Vorgabe, muss sich die Gebäudehöhe an der Berliner Traufhöhe orientieren. Es wird nicht so hoch werden wie das markante Geschäftshaus auf der gegenüberliegenden Seite am Kurfürstendamm 119/120, das 1993 von dem Stararchitekten aus Chicago, Helmut Jahn, für 70-Millionen Euro gebaut wurde. Aber so niedrig wie die alte Ladenzeile wird es auch nicht. „Das war auch ein Wunsch der Kommune“, sagt Wilscher. Der zweigeschossige Bau wird 22 Meter hoch werden.

Wegen der exponierten Lage am Kurfürstendamm gab es für den Neubau des Heimwerker- und Gartenmarktes einen Fassadenwettbewerb. Stark strukturierte Alu-Platten sollen dafür sorgen, dass der Schall von der S-Bahn und der nahen Autobahn gebrochen wird. „Eine glatte Fassade ist hier nicht gewünscht gewesen“, sagt Wilscher. Sie hätte möglicherweise den Schall reflektiert.

80 Meter lange Glasfassade

Dort, wo bis zum Winter vergangenen Jahres noch die niedrige Ladenzeile stand und jetzt das Gerüst aufgebaut ist, wird eine Glasfassade entstehen – 80 Meter lang und 13,5 Meter hoch. Diesen gläsernen „Wintergarten“ auf Höhe des Kurfürstendamms werden die Kunden passieren, bevor es zum Verkaufsraum geht. In diesem oberen Geschoss wird der sogenannte Stadtgarten mit den Pflanzen und Blumen sein. Darunter befinden sich die Verkaufsflächen mit dem üblichen Bauhaus-Sortiment. In einem weiteren Bau auf dem Grundstück, ein Drive-In, können Autofahrer außerdem direkt ans Regal im Gebäude fahren, um schwere Baustoffe wie Zementsäcke oder Rigipsplatten direkt ins oder aufs Fahrzeug zu laden. Dieses Gebäude wird mit einer Höhe von 10,5 Meter errichtet.

Zusätzlich zum Entree am Kurfürstendamm wird es auf dem tiefer liegenden Gelände von der Schwarzbacher Straße aus noch einen großen Eingang geben. Autofahrern werden dort seitlich des Gebäudes parallel zur S-Bahn 400 Parkplätze zur Verfügung stehen. Über 80 Platanen werden dort auf Wunsch der Baubehörde gepflanzt. Das Oberflächenwasser wird naturnah versickern statt in die Kanalisation eingeleitet zu werden, und mit einem unterirdischen Rigolensystem werden die Dachflächen entwässert. Und die werden begrünt, damit die Anwohner der Schwarzbacher und Seesener Straße künftig auf Grün schauen.