Zum dritten Mal innerhalb einer Woche haben sich am Donnerstagabend in der Bar "Scotch & Sofa" in Prenzlauer Berg Corona-Skeptiker getroffen, um eine Partei zu gründen. Unter dem Namen "Team Freiheit" positionieren sie sich gegen die strikten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Im Gegensatz zu den ersten beiden Veranstaltungen, die von der Polizei wegen Missachtung der Corona-Regeln beendet wurden, fand der dritte Durchgang am Donnerstag offenbar mit einem genehmigten Hygiene-Konzept statt. Die Polizei war vor Ort, hatte aber nichts zu beanstanden, wie am Freitag bestätigt wurde. Hutmacherin und Anwältin Rike Feurstein, eine der Rednerinnen, wies darauf hin, dass die Versammlung diesmal angemeldet war. Der Betrieb der Bar im Lockdown sei kein Problem, weil er nur für eine geschlossene Gesellschaft gelte.

Parteigründung aus Prenzlauer Berg von Tausenden bei Youtube verfolgt

Bei der Live-Übertragung bei Youtube war zu sehen, wie über 20 Personen in der Bar an der Kollwitzstraße, nur teilweise mit Mund-Nase-Schutz, beisammensaßen und kritisch über die Maßnahmen wie Maskenpflicht und die Aussagekraft von Corona-PCR-Tests referierten. Dabei war auch die Rede davon, dass Studien unterschlagen würden, wonach Masken Ekzeme auslösen und bei Kindern zu Ohnmachtsanfällen führen. Dass manche Besucher der Bar eine Maske trugen und andere nicht, begründete Rike Feurstein gleich am Anfang: "Einige haben ein Attest".

Im weiteren Verlauf erregte sich eine Rednerin darüber, dass US-Präsident Donald Trump "abgeschaltet" wurde. Die Geschehnisse in der Corona-Pandemie folgten ihrer Ansicht nach einem geheimen Plan. Mehrere Tausend Zuschauer sahen der Veranstaltung bei Youtube zu und kommentierten die Diskussion mit Einträgen wie "Das Virus verschont 99,9 Prozent der Menschheit".

Einem Polizeisprecher zufolge ging die Zusammenkunft am Donnerstag ohne Zwischenfälle zu Ende. Es habe für die Beamten keinen Grund gegeben, einzuschreiten, hieß es. Nach Einschätzung der Polizei steht eine Reihe von Teilnehmern der "Querdenken"-Bewegung nahe.

Einige Kräfte von Polizei und Ordnungsamt verweilten vor Ort wachten von außen mit einem Blick durch die Scheibe über die Einhaltung der Regeln. Einschreiten musste man, als sich später vor der Bar eine größere Menschengruppe versammelte - die Ankömmlinge wollten gegen die Zusammenkunft in der Bar protestieren. Dabei seien vier Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung festgestellt worden, teilt die Polizei mit.

Bezirksamt Pankow kann Bußgeld auch nach einer Woche nicht beziffern

Welche Konsequenzen die beiden als illegal eingestuften Versammlungen in der vergangenen Wochen innerhalb der Bar für Betreiber Sören P. haben werden, ist derweil noch offen. Pankows Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (für AfD) bestätigte, dass die Polizei Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstößen gegen den Corona-Infektionsschutz an seine Abteilung weitergeben habe.

Laut Krügers Aussagen im Pankower Ausschuss für Verkehr und Ordnung ist der Fall noch in Bearbeitung. Spekulationen, wonach das "Scotch & Sofa" mit einem Bußgeld von mehr als 25.000 Euro rechnen muss, nannte Krüger allerdings "übertrieben". Die Strafzahlung wird demnach unter dieser Summe liegen. Wie hoch genau, konnte der Stadtrat im Ausschuss allerdings nicht beziffern. Einen Anlass, der Bar in Prenzlauer Berg wegen zweimaligen Verstößen gegen die Lockdown-bedingte Schließungsanordnung die Betriebserlaubnis zu entziehen, sieht Krüger derzeit nicht.

Damit steht weiteren abendlichen Corona-kritischen Versammlungen im "Scotch & Sofa", sofern ein gültiges Hygienekonzept vorliegt und alle Regeln beachtet werden, offenbar nichts im Wege.

mit dpa