Urlaub für einen Tag

Wo die Gummibärchenblume wächst

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg - heute auf eine Exkursion in den Botanischen Garten, wo es viel mehr zu entdecken gibt, als nur Blumen.

Foto: Glanze

Damit hätte Nina nicht gerechnet. Sie war auf Pflanzen eingestellt, prächtige, bunte, tropische wollte sie sich mit ihren Eltern im Botanischen Garten ansehen. Doch auf einmal fühlte sie sich ein bisschen wie im Zoo: Zwei Reiher sitzen am Wasser, direkt vor dem Großen Tropenhaus. „Auf einmal erhebt sich der eine in die Luft und macht einen Rundflug über den Teich. So, als wollte er zeigen, wie schön er ist“, erzählt die Neunjährige aus Rodgau (Hessen) ganz aufgeregt. Nina verbringt eine Ferienwoche in Berlin. Sie ist nicht zum ersten Mal in der Hauptstadt, aber zum ersten Mal im Botanischen Garten. „Wir sind schon so oft mit dem Bus vorbeigefahren und haben das gläserne Gewächshaus und die bunten Blumen von weitem bewundert“, sagt das Mädchen. Jetzt will sie unbedingt mehr sehen und wissen.

Sie wird nicht enttäuscht. Im Tropenhaus, hinter Farnen und Palmen, wartet die nächste Überraschung. Von einer Grotte plätschert ein Wasserfall. Unten im kleinen See tummeln sich leuchtend-orangefarbene Koi-Karpfen. Ohne Angst springt Nina über die Steine, die aus dem Wasser ragen, um den Fischen näher zu sein. Die Ermahnung ihrer Mutter quittiert sie mit dem Kommentar: „Ich habe doch Gleichgewichtssinn!“ Die Angst der Mutter ist nicht unbegründet. „Es kommt vor, dass Besucher ins Wasser plumpsen, wenn sie abgelenkt werden“, sagt Gesche Hohlstein, Sprecherin des Gartens. Schlimm ist es nicht: Das Wasser ist nicht tief und Piranhas tummeln sich auch nicht darin.

Mythos der Monsterpflanzen

Die Koi-Karpfen sind nur eine von vielen Attraktionen, die besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind. Gesche Hohlstein hat drei Favoriten bei den jungen Leuten ausgemacht: das Große Tropenhaus, die riesigen Kakteen und die fleischfressenden Pflanzen. Sie erzählt von einer Führung mit einer Schulklasse, die eigentlich durch die Welt der Ölpalme führen sollte. Doch die Jugendlichen hätten keine Ruhe gegeben und unbedingt die „Monsterpflanzen“ sehen wollen, um die sich so viele Mythen rankten. Mit Gewissheit kann gesagt werden, dass auch in der sagenumwobenen Venusfliegenfalle noch keine Füße hängengeblieben sind. Tatsächlich sind die kleinen Säckchen, mit denen die fleischfressenden Pflanzen ihre Beute einfangen, eher für Insekten ausgelegt. Nur in seltenen Fällen kann es mal eine Ratte oder eine Maus erwischen.

Der Botanische Garten mit seinen 22000 Pflanzenarten, verteilt auf einer Fläche von 43Hektar, hat ein Programm speziell für junge Besucher ausgearbeitet. Dabei kann es an einem Ferientag in Dahlem nicht langweilig werden. Auf dem Parcours liegt zum Beispiel der Duft- und Tastgarten. Dort wächst die Gummibärchenblume. Drückt man die gelben runden Blüten zwischen den Fingern, riechen sie hinterher „wie eine Tüte Gummibärchen“, sagt Gesche Hohlstein. Zwei Ausstellungen machen den Besuch in diesem Sommer besonders lohnend: Die Sonderausstellung „Die Welt der Palmen“ versetzt Besucher auf dem Freigelände vor den Gewächshäusern mit zahlreichen exotischen Pflanzen in tropische Gefilde. Auf dem Palmenpfad werden an 21 Stationen die Besonderheiten der einzelnen Arten vorgestellt. Einen Lehrpfad und eine Ausstellung im Museum gibt es auch zum Thema „Bionik – Was die Technik von Pflanzen lernen kann“. Dort erfahren die Besucher, dass der Klettverschluss keine Erfindung eines Tüftlers, sondern der Klette nachempfunden ist.

Die Welt der Tropen und des Mittelmeer-Raumes kann auch in Potsdam erkundet werden. Für einen Besuch des Volksparks und der benachbarten Biosphäre ist ein Ferientag eigentlich viel zu kurz. Das muss auch Paula aus Berlin feststellen, die sich mit ihrer Mutter aufmacht, um das Gelände zu erkunden. Es ist kühl an diesem Tag, und die Lavendelfelder an den Erdwällen werden von Windböen zerzaust. „Wie in Frankreich“, sagt die zehnjährige Berlinerin.

Ihr erstes Ziel: der Kletterspielplatz, genau am anderen Ende des Parks. Paula schnallt sich ihre Inlineskates an, um schneller voranzukommen. Sie beginnt gerade, über den weiten Weg zu maulen, da sieht sie plötzlich die Hängebrücken, die Korbschaukel und Seile zum Balancieren. Im Nu ist das Mädchen zwischen den anderen Kindern verschwunden. Nur schwer ist sie zum Weitergehen zu bewegen. Dabei wollen Skateranlage, Wasserspielplatz, Trampolin und Riesenrutsche auch noch erkundet werden.

Auf dem Wasserspielplatz verhandeln Kinder gerade, wer als nächstes mit dem Floß über das Wasser paddeln darf. „Wir sind drei und du bist allein auf dem Floß, also kriegen wir es jetzt“, sagt Fabio. Er hat Pech gehabt, das Mädchen lässt sich von seiner Argumentation nicht beeindrucken. „Der Wasserspielplatz ist das absolute Highlight bei unseren Besuchern“, sagt Diethild Kornhardt, Leiterin des Volksparks. Sie führt über das 65 Hektar große, ehemals militärisch genutzte Gelände und erklärt, warum die Entfernungen zwischen den einzelnen Stationen so groß sind. Die Landschaftsplaner, so erzählt sie, hätten die Idee gehabt, die „Natur in Ruhe zu lassen“. Die vom Menschen hinzugefügten Spiel- und Sportmöglichkeiten sollten nur einen Gegenpol darstellen.

Die Neugierde lässt Paula dann doch einen kleinen Marsch durch ein Wäldchen in Kauf nehmen. Wie ein roter Riesenkrake erscheint plötzlich ein Rumpf mit Röhrengeflecht hinter den Bäumen. Sechs verwinkelte Rohre winden sich wie Beine aus zwölf Metern Höhe – Riesenrutschen. Paula versucht die kürzeste zuerst. Weil es zwischenzeitlich zu regnen begonnen hat, ist ihre Hose bei der letzten und höchsten Röhre nass. Da hilft nur eins: Aufwärmen in der benachbarten Biosphäre.

Gerade bei schlechtem Wetter ist ein Besuch des größten Tropenhauses Europas ein Garant für einen gelungenen Ferientag. Den Kindern macht es am meisten Spaß, mit einer Pumpe einen Geysir auszulösen, der explosionsartig aus dem Wasser schießt. Mia (7) ist ganz beeindruckt von dem Tosen und Brausen. Sie verbringt den Ferientag mit ihren Großeltern in der Biosphäre, weil ihre Mama an der Uni studiert. Oma Karin Krause ist besonders von den einzelnen Stationen, an denen die Kinder etwas durch die Lupe beobachten oder selbst etwas ausprobieren können, begeistert. Aber auch das Schmetterlingshaus ist beliebt, besonders bei Mädchen. Die fünfjährige Antonia hat es sogar geschafft, einen bunten Falter anzufassen. Und auch Helene (7), die schon zum vierten Mal in der Biosphäre ist, beobachtet die Schmetterlingen am liebsten aus der Nähe.

Anfahrt und Preise

Botanischer Garten, Eingang Unter den Eichen 5, S1 Botanischer Garten, Bus M48 oder Königin-Luise-Platz, Bus X83, 101. Garten geöffnet von 9 Uhr bis zur Dämmerung, Museum 10 bis 18 Uhr. Eintritt Garten und Museum: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Infos: www.botanischer-garten-berlin.de oder Tel.: 83850100.

Volkspark Potsdam, Haupteingang Georg-Hermann-Allee 101. 17 weitere Eingänge mit Kartenautomaten rund um den Park, geöffnet täglich von 5–23 Uhr, Eintritt 1,50 Euro, ermäßigt 50 Cent. Anfahrt: Mit dem Auto in Potsdam der Ausschilderung Parkplatz Buga-Park/Biospähre folgen, Straßenbahn Linie 96 bis Volkspark, Linie 92 bis Haltestelle Campus Fachhochschule oder Hans-Meyer-Straße.

Informationen über Veranstaltungen in den Sommerferien, wie Streetsurfen, Klettern, Disc-Golfen und Slack-Linen oder auch zu Feriencamps, unter www.volkspark-potsdam.de .

Biosphäre, Georg-Hermann-Allee 99, Montag bis Freitag, 9–18 Uhr, Wochenende und Feiertage 10–19 Uhr, Eintritt 9,50 Euro, Kinder (5–13 Jahre) 6,50 Euro, ermäßigt 8 Euro, Familienkarte 28 Euro (2 Erwachsene mit bis zu 3 Kindern), Anfahrt: Wie zum Buga-Park der Ausschilderung in Potsdam folgen. Bis zum 18. September ist die Ausstellung „Here comes the sun“ zu Fragen rund um das Licht in der Biosphäre zu sehen. www.biosphäre-potsdam.de .