Urlaub für einen Tag

Schnitzeljagd mit den Leinwand-Stars

Urlaub für einen Tag heißt die Serie bei Morgenpost Online. Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg.Gehen Sie auf Schatzsuche mit GPS-Geräten. Geochaing in Sachen Kino ist der neueste Freizeitspaß in Potsdam. Danach geht es in den Filmpark Babelsberg.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mineralwasser, Mini-Salami und Apfel hat Sophie Muschert im Rucksack verstaut. Bei der modernen Schatzsuche – basierend auf Koordinaten, die per Satellit ans Navigationsgerät gesendet werden – darf der Proviant nicht fehlen, weiß die Geocacherin. Turnschuhe, um auf jedem Untergrund gut laufen zu können, Stift und Zettel in der Hosentasche, ein GPS-Gerät in der Hand, steht die 24-Jährige gut ausgerüstet am Potsdamer Hafen an der Langen Brücke. Ihr Ziel kennt sie noch nicht. Nur, dass hier die Jagd ihren Anfang nehmen soll. Auf die Spur der Filmstars will sie sich machen. Vor allem geht es um die, die einst bei der Defa Furore gemacht haben. Signale aus dem Weltall sollen ihr dabei auf die Sprünge helfen. Die moderne Schnitzeljagd liegt im Trend. Im Jahr des Films haben der „Lindenpark“ und der Filmpark Babelsberg aus Geocaching das „Filmcaching“ entwickelt.

„Jeder Monat ist einem Defa-Filmgenre mit jeweils vier Touren gewidmet. Im Juni ging es um Märchen, im Juli sind Indianerfilme dran, Filmklassiker folgen im August, die Spionage im September“, sagt Juliane Riedel, Initiatorin des Filmcaching-Projekts. Lediglich die Startkoordinaten werden vorgegeben. Dann heißt es, Nüsse zu knacken. Nur, wer die von Riedel gestellten Rätsel lösen kann, kommt auf die nächste Koordinate und damit den nächsten Zwischenstopp der Strecke. „Orts- und Geschichtskenntnisse sind nicht von Nachteil. Aufs Ergebnis kommt aber jeder, schließlich richten sich die Aufgaben vor allem an Kinder“, beruhigt sie.

Ein GPS-Gerät hat sich Sophie Muschert kostenlos im Club Innenstadt geliehen. Die zum Lindenpark gehörende Einrichtung stellt auf Anfrage bis zu zehn der Geräte. „Mit GPS-fähigem Smartphone oder iPad funktioniert die Schatzsuche aber auch“, sagt Sophie. Erst vor wenigen Tagen hat die angehende Erzieherin die Probe auf Exempel gemacht und ist ihrem Lieblingsstreifen, dem Märchenklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, auf der Spur gewesen. „Dass man dabei an Orte kommt, die ich selbst als Einheimische sonst kaum bemerke, macht für mich den Reiz aus.“

Auf der heutigen Tour hat es ihr Rolf Losanskys Kinderfilm „Zirri, das Wolkenschaf“ angetan. Schnell hat sie die erste Zahlenkolonne eingetippt. Das Handling des GPS-Geräts ist einfach. „Die Dunkelheit kehrt ein“, lautet der erste Tipp der Anleitung, die sich die junge Frau von der Internetseite des Lindenparks gezogen hat. „Damit kann nur der Brückentunnel gemeint sein“, ist sich Sophie sicher. 18 Mal nicken, das passt, die Stufen hinauf zur Baustelle des künftigen Landtags zählen genau 18Schritte. „Hoffentlich ist der Cache nicht in der Baugrube versteckt“, sagt Sophie. Auch wenn es sich beim „Schatz“ nur um eine eigens fürs Spiel gedruckte Quartettkarte handelt: Holen will sie sich ihn schon. Denn wer alle 16 Touren des Filmcachings bestreitet und 16Quartettkarten einlöst, hat die Chance auf eine Privatparty im Kino Thalia, einem Sponsor des Projekts.

Dann geht es auf die Freundschaftsinsel. Den Mann aus Bronze, den Künstler Karl-Heinz Schamal den Hut lüften lässt, hat Sophie bislang nie wahrgenommen. Anders heute. Beim „Gärtnerjungen“ handelt es sich eindeutig um den nächsten Hinweis, der die neue Richtung vorgibt. Addieren, multiplizieren, so schreibt es die nächste Rätselaufgabe vor. Dass sie sich nach einem „gestrandeten Schiff“ umschauen soll, fordert Sophie nur ein müdes Lächeln ab. „Es gibt wohl keinen Potsdamer, der dieses Spielgerät nicht kennt.“ Tief in den Sand sind die Balken und Bretter, die ein Schiffswrack nachbilden, gebohrt.

Am Ende der Eintrag ins Logbuch

In ihrem Freien Sozialen Jahr hat Sophie erstmals das Geocaching ausprobiert. „Wir wurden als Gruppe ausgesetzt, nur mit dem GPS-Gerät sollten wir unsere Herberge wiederfinden. Des Teamgefühls wegen.“ Das habe sich schnell eingestellt, der Spaß ebenfalls – und die Lust auf weitere Geocaching-Touren.

Auf der Wiese messen sich zwei Jungen beim Federball. Beinahe wäre Sophie die „Traute Zweisamkeit“, ein weiterer Tipp des Lindenpark-Rätsels, entgangen. Gemeint ist die Skulptur, die ein eng umschlungenes Paar darstellt. Doch am letzten Hinweis beißt sie sich fest. „Halte inne, bevor deine Füße nass werden“, liest sie und lässt den Blick unschlüssig über Holzbohlen, Rasen, Uferkante, Busch und Baum schweifen. Wie weiter? Sophie ist unsicher. „Die Koordinaten des GPS-Gerätes liefern zwar den Standort, verraten aber nicht, ob ein Cache am Boden oder in den Bäumen versteckt ist.“ Und wir verraten es hier auch nicht…

Sophie knackt die Nuss. Wenig später hält sie den „Schatz“, eine rote Click-Box, in der Hand. Neben Quartettkarten mit Daten und Fakten zum Zirri-Film steckt ein kleines Logbuch. Eine Karte zieht sie, steckt sie in ihren Rucksack, dann greift sie zum Stift und macht im Logbuch stolz den Vermerk, „dagewesen zu sein“.

Dann will sie wissen, mit welchen Tricks beim Film gearbeitet wird. „Komm dahinter!“ heißt die passende Einladung zum Besuch im Filmpark Babelsberg. Hier hat sich Susann Reichmann unter den geübten Händen der Maskenbildner im „Atelier der Traumwerker“ in eine Prinzessin verwandelt. Stolz trägt die Zehnjährige bei ihrer Reise durch „Panama“ ihre Maske zur Schau. Janoschs Traumland erkundet sie bei einer Bootsfahrt, trifft dabei Bekannte wie den dicken Waldbären oder die Tigerente. Um die Wasserspiele macht sie einen Bogen – auch wenn ihr die Traumwerker versichert haben, dass die Schminke wasserfest ist.

Stattdessen stattet sie lieber der kleinen Farm einen Besuch ab, auf der die Filmtier-Stars leben. Die zeigen in der Show, dass sie ihre Rolle beherrschen, ohne ein Drehbuch gelesen zu haben. Nun wird es Zeit, sich zur Anhöhe zu begeben, auf der mit goldenem Kuppelbau und Sultansthron die Kulisse der „Geschichte vom kleinen Muck“ in Szene gesetzt ist. Am Fuße von Mucks Palast ist die neueste Attraktion des Filmparks zu finden: die blaue Kugel. Nachdem sie fast 20 Jahre lang in Berlin als TV-Studio diente, ist darin jetzt eine 116 Quadratmeter große Rundbogenleinwand installiert. Ausgestattet mit 3D-Brille und Laservisier erleben Besucher 4D-Kino, bei dem sie das Leinwandgeschehen trotz vorgegebener Filmstory aktiv beeinflussen können. „Man ist mit all seinen Sinnen rausgelöst aus der Realität“, verspricht Filmpark-Chef Friedhelm Schatz.

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Ganz in der Nähe befindet sich Lindenpark:

Die ganz Großen haben in Potsdam Filmgeschichte geschrieben – in diesem Sommer können das auch die Kleinen. Beim Filmmusikcamp des „Lindenparks“ im August. Dass im Ferienpass des Babelsberger Familienzentrums das Thema Film eine Rolle spielt, muss nicht überraschen: Im Herbst jährt sich zum 100. Mal der Tag, an dem die Geschichte der Filmstudios ihren Anfang nahm. Ein Jubiläum, das die Landeshauptstadt mit unzähligen Veranstaltungen begeht. Im Rahmen des Programms „Stadt des Films“ sind durch die Kooperation von Schulen mit der Medienwerkstatt Potsdam mehrere Kurzfilme entstanden. Die gilt es nun zu vertonen, und zwar professionell. Toningenieure geben den Zehn- bis 18-Jährigen beim Workshop manchen Tipp. Vielleicht entdeckt da der eine oder andere seine Leidenschaft für einen Beruf, für den es zu büffeln lohnt. Aber noch liegen vor dem Beginn des nächsten Schuljahrs ja unbeschwerte Sommerferienwochen.

Die kann die nächste Asphaltsurfer-Generation nutzen, um im Lindenpark von erwachsenen Skatern zu lernen, wie man sich souverän auf dem Rollbrett bewegt. Damit lässt sich nach den Ferien bei den Mitschülern ziemlich gut Eindruck schinden – oder auch schon beim Trainieren auf dem Bassinplatz. Sechs- bis Zwölfjährige, die in den Ferien lieber in den Seilen hängen möchten, sind im Lindenpark ebenfalls an der richtigen Adresse: Im Niederseilgarten ist das nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Unter der Anleitung von Sarah Zunk lernen sie, zu balancieren.

So mit den nötigen Kenntnissen ausgestattet, sind die jungen Kletterer gerüstet für einen Besuch mit den Eltern im Potsdamer Abenteuerpark. Mit zehn Parcours in bis zu zwölf Metern Höhe, einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern und 150 Kletterelementen gilt der Park am Fuße des Telegraphenbergs bundesweit als einer der größten. Unter fachkundiger Anleitung steigen die Besucher ins Gurtzeug, das Hüfte, Oberschenkel und Schultern umschließt.

„Wenn ihr euch einmal mit der Kralle ins Sicherungsseil eingehängt habt, könnt ihr den Parcours in einem Zug durchklettern“, erläutert die junge Mitarbeiterin das Sicherungssystem. Sie wirft einen kritischen Blick aufs Gurtzeug, rüttelt hier und da noch mal, alles sitzt fest. Einhaken. Die letzte Chance zum Umkehren ist verpasst. Los geht's über ein Seilnetz zur ersten Plattform, von dort über eine auf beiden Seiten mit Netzen bespannte Brücke. Die nächste Baumstation liegt einen Meter entfernt, dazwischen ist – nichts. Nur Abgrund. „Man merkt ziemlich schnell, worauf es ankommt – sich zu überwinden“, sagt eine Besucherin lachend.

Ferienangebote des Lindenparks unter www.lindenpark.de/angebote/ferienangebote

Infos zum Abenteuerpark Potsdam unter www.abenteuerpark.de

Der Park an der Albert-Einstein-Straße 49 ist bis 6. November täglich geöffnet, bis 14. August von 9 bis 19 Uhr, danach abends kürzer