Urlaub für einen Tag

Einzigartige Natur im Storchendorf Linum erleben

Morgenpost Online gibt Tipps für Ausflugsziele für Berliner Familien in Brandenburg. Diesmal: das Storchendorf Linum. Knapp eine Autostunde vom Berliner Zentrum entfernt, ist man mitten in einer Bilderbuchlandschaft und im größten Storchendorf der Region. Hier kann man Störche und Kraniche beobachten und einen Ausflug in die Zeit des Großen Kurfürsten unternehmen.

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Knapp eine Autostunde vom Berliner Zentrum entfernt, liegt mitten in einer Bilderbuchlandschaft das Storchendorf Linum. Hier kann man Störche und Kraniche beobachten und einen Ausflug in die Zeit des Großen Kurfürsten unternehmen.

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Linum – Egal, ob die lieben Kleinen noch an den Klapperstorch glauben oder nicht: Der Familien-Tagesausflug ins brandenburgische Linum bei Fehrbellin lohnt sich in jedem Fall. Knapp sechzig Autominuten vom Berliner Zentrum entfernt, ist man inmitten einer Bilderbuchlandschaft und im größten Storchendorf der Region.

Auch wenn in diesem Jahr nicht alle zwanzig Horste des Örtchens besetzt sind, ist schon von weit her das Storchenpaar zu entdecken, das auf der roten Backsteinkirche mit den roten Schnäbeln klappert. Beim genauen Hinsehen ist auch das Storchenjunge auszumachen, das erfolgreich ausgebrütet wurde.

Es ist zu empfehlen, gleich an der evangelischen Kirche das Auto abzustellen, um das Dorf mit der Familie zu Fuß zu erobern. Allerdings ist in der Regel an dem neogotischen Gemäuer aus den Jahren 1867/68 schon der erste längere Aufenthalt programmiert, denn Gemeindeschwester Anneliese „fängt“ jeden Neuankömmling an der Straße ab und lotst besonders gern Familien mit Kindern in das Innere der Kirche.

Die 70-jährige Schwester mit dem weißen Diakonissen-Häubchen ist die eigentliche Storchenmutter von Linum. Seit fünfzig Jahren lebt sie im Gemeindehaus direkt neben der Kirche und kann den Besuchern viele, viele Storchengeschichten erzählen, die sich im Laufe der Jahre ereigneten.

Einzelgänger stört

So berichtet sie den staunenden Kindern, dass in diesem Jahr ein „böser Storch“ der Grund dafür ist, dass nur neun Paare auf den Nestern des Dorfes sitzen. „Im Frühjahr wollte der Einzelgänger männliche Störche vertreiben, um sich Weibchen zu angeln“, berichtet Schwester Anneliese. Dadurch gab es Zank und Streit. „Viele Störche zogen weiter oder brüteten keine jungen Störche aus.“

Aber nicht nur mit spannenden Geschichten fesselt Schwester Anneliese Wilcke ihre Zuhörer. Für Kinder hat sie immer kleine Geschenke parat, wobei die Original-Storchenfedern bei den Kleinen besonders begehrt sind. Auch Büchlein, Postkarten und Tierposter (von der Gemeindeschwester selbst fotografiert) finden dankbare Abnehmer. Und: Alles gibt es kostenlos – wer möchte, kann aber gern eine Spende in die Sammelbüchse am Kirchenportal werfen. Übrigens: Gratis kann auch die Liegewiese hinter der Kirche genutzt werden – zum Beispiel als Picknickplatz. Eine Toilette ist vorhanden.

Hat man Schwester Anneliese und die Storchenfamilie auf dem Kirchendach hinter sich gelassen, ist die Storchenschmiede auf der anderen Straßenseite und dreißig Meter weiter die nächste Anlaufadresse. Das Zentrum des Naturschutzbundes (Nabu) hat sich hier ganz auf Familien eingestellt und zeigt eine kindgerechte Ausstellung für Naturinteressierte.

In der Schmiede wird alles Wissenswerte über den Weißstorch gezeigt, der auch Wappenvogel des Nabu ist. Täglich von 10 bis 16 Uhr (Sbd./So. 10 bis 18 Uhr) stehen Mitarbeiter zur Verfügung, die Fragen zum Naturschutz beantworten.

Für Jungen und Mädchen in allen Altersstufen sind Souvenirs für wenig Geld zu erwerben. Interessant ist auch der Ökogarten, der sich hinter der Schmiede befindet. Vor der Tour durch den Garten kann man sich noch im Nabu-Laden mit Natursäften, Öko-Gemüse oder Obst versorgen. Als Service bietet die Storchenschmiede auch – leihweise – Ferngläser und Bestimmungsbücher an, damit Familien auf die Pirsch durch die Natur gehen können. Auf Wunsch ist auch die Begleitung durch einen Vogelkundler möglich.

Bevor man sich zu den nächsten Ausflugszielen, wie die Linumer Fischteiche oder das nahe gelegene Denkmal für die Schlacht bei Fehrbellin (in Hakenberg) auf den Weg macht, kann man eine Pause einlegen. Die Auswahl ist beeindruckend. Mehrere kleine Landcafés im Dorf bieten selbst gebackenen Blechkuchen (1,80 Euro, mit Sahne 2,50 Euro) sowie Eis und Getränke zu recht moderaten Preisen.

Wer Hunger und Appetit auf etwas Handfestes hat, kann in den vielen Gasthäusern und Restaurants des Ortes einkehren. Spezielle Lokaltipps sind nicht nötig: Forelle, Butterfisch oder Zander sind überall garantiert frisch und kommen aus der Region – die Preise sind familienfreundlich, zumal es überall spezielle Kinderteller gibt.

Nach der Stärkung sind zu Fuß die Fischteiche (gut ausgeschildert) nach 15 Minuten erreicht. Dabei können Störche beobachtet werden, die auf den Wiesen das Futter für den Nachwuchs organisieren – heißer Tipp für Hobbyfotografen.

Abstecher in die Geschichte

Insgesamt gibt es am nördlichen Rand Linums 36 Teiche, die ihren Ursprung im Torfstechen haben. Sie werden heute für die Karpfen- und Forellenzucht genutzt. Schon von weit her lockt der Geruch der Öfen, in denen die Fischer den Fang räuchern und auch gleich verkaufen. Auch Bootsfahrten kann man an den Linumer Teichen unternehmen. Entweder mit Schiffsführer oder dem Mietruderboot gleitet man an Biberburgen vorbei. Allerdings gehört schon großes Glück dazu, eines dieser scheuen Tiere am Tag zu Gesicht zu bekommen. Bemerkenswert ist auch die Vielfalt von Schmetterlingen, die gerade zu dieser Jahreszeit hier umherflattern.

Wer nach einigen Stunden im Storchendorf noch nicht zu müde ist, kann noch einen kleinen Abstecher machen. Vier Kilometer von Linum in Richtung Fehrbellin bietet sich in Hakenberg die Besteigung des 36 Meter hohen Denkmals auf dem Kurfürstenhügel an. Von der Galerie in 23 Metern Höhe hat man einen herrlichen Blick auf die Weiten des Brandenburger Landes. Das Denkmal – von einer Bronzeviktoria gekrönt – erinnert an die Schlacht bei Fehrbellin 1675. Auch in den Ferien lässt sich Kindern dieser Ausflug in die Geschichte bestimmt schmackhaft machen.