Urlaub für einen Tag

Sport und Spiel gleich vor der Haustür

Urlaub für einen Tag heißt die Serie bei Morgenpost Online. Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Schwitzen bei Beachvolleyball und Speedminton, Konzentration auf dem Boule-Feld. Jetzt ist die beste Zeit, Outdoor-Trends auszuprobieren.

Foto: Amin Akhtar

Sommer, Ferien – Zeit für Sport und Spiel. Wer sich gemeinsam mit anderen sportlich betätigen, auch mal spontan eine neue Sportart ausprobieren möchte, hat in Berlin unzählige Möglichkeiten. Perfekt zur Jahreszeit passt zum Beispiel Beachvolleyball. Die größte Anlage Europas liegt, ein wenig versteckt, in Mitte, hinter Hochhäusern am Nordbahnhof.

Der Geruch von Sonnenmilch und Bratwurst liegt in der Luft, Reggae dringt aus den Boxen der Beach Bar. Sylvia Friedrich streift die Sandalen ab, läuft barfuß durch den warmen, gelben Sand. Sie steuert Feld sieben an. Dort warten bereits ihre fünf Mitspielerinnen und Trainer Ole. Es ist ein sonniger Montagabend. Das Thermometer zeigt noch immer über 20Grad, alle 54 Felder am Beach Mitte sind besetzt. Rund 200 Volleyballer spielen und trainieren an solchen Tagen hier. Im Juli und August ist Hochsaison.

Einige Profis schmettern die Bälle über das Netz, Hobbyspieler pritschen, Anfänger lernen die Grundregeln. Für jedes Niveau gibt es Trainer und Gruppen. Auch wer Beachvolleyball noch nie ausprobiert hat, kann für zehn Euro an einem zweistündigen Schnupperkurs teilnehmen. Für Kinder ab circa zwölf Jahren ist der Sport geeignet. Sylvia Friedrich (33), von Beruf Buchhalterin, spielte das erste Mal vor einem Jahr, inzwischen schmettert sie schon recht souverän in das Feld des Gegners. „Ich wollte mal was anderes als Judo machen“, sagte sie. Am Beach Mitte fand sie sofort Frauen, die auch Lust auf eine neue Sportart hatten. Heute bilden sie ein Team und wollen vor allem eins: Besser werden und Turniere gewinnen.

Ole Mielenz, ein Hüne mit ovaler Oakley-Brille, trainiert seit vielen Jahren Volleyballer. Beach Mitte, erzählt er, gibt es schon seit Anfang der 90er-Jahre, seither sei der Zulauf immer größer geworden. Spieler würden die Anleitung der Trainer schätzen. Mielenz lobt und kritisiert viel, solch ein Feedback motiviere, finden seine Schützlinge. Die Damen von Feld sieben liegen ihm gerade zu Füßen. Sylvia Friedrich, rücklings im Sand, bewegt Arme und Beine symmetrisch in der Luft – ihre Muskeln müssen warm werden. Danach wird gebaggert und gepritscht. Heute werden die Frauen in Zweier-Teams ihre Zuspieltechniken verbessern. Im Team muss es gelingen, den Ball so gut zu stellen, dass er möglichst fest über das Netz geschmettert werden kann. Trainer Ole facht den Ehrgeiz noch an: Die „Verlierer“ dürfen bei 50Sit Ups noch mehr schwitzen.

Es macht aber auch Spaß, sich die schöne Beachvolleyball-Welt einfach nur mal anzusehen. Braungebrannte, breitschultrige Männer fliegen durch den Sand, Frauen mit Six-Pack-Bauch ebenso. Manche schmettern die Bälle so schnell übers Netz, dass das Auge kaum hinterherkommt. Und für eine spontane Strandparty ist das Völkchen auch immer gut. Auch wenn diese Sportart durchaus schweißtreibend ist, die Atmosphäre ist wunderbar entspannt.

Auch das Boule-Spiel lockt in Berlin immer mehr Fans an. Ist das Sport? Zugegeben, im Vergleich zum Beachvolleyball ist Boule eher gemütlich, Spieler mögen auch ein angeregtes Schwätzchen während einer Partie. Aber es geht um Strategie und die richtige Technik, um Beweglichkeit und Gefühl. Da entwickeln viele Spieler sportlichen Ehrgeiz. Gut beobachten lässt sich das an einem der schönsten Berliner Treffpunkte der Boule-Spieler, in der Charlottenburger Schloßstraße. Kastanien säumen die Mittelpromenade, im Hintergrund leuchtet das Preußenschloss. Am Nachmittag und frühen Abend treffen sich hier Kinder, Mütter, Väter und Großeltern. Die Atmosphäre erinnert an Paris.

Boule in Berlin

An diesem Tag zählt Fred (12) zu den ersten Boule-Spielern. Er ist extra etwas früher gekommen, damit er in Ruhe an seiner Wurftechnik feilen kann. Mit einem Ast hat er einen Kreis in den Weg gezeichnet, aus dem darf er, so lautet die Regel, beim Werfen nicht heraustreten. Fred visiert die kleine blaue Zielkugel an, gute acht Meter liegt sie vor ihm. Er greift zur Stahlkugel, formt eine Faust darum – bei Boule wird die Kugel von unten geworfen, damit sich ein Rückdrall ergibt.

Schon recht lässig schüttelt Fred die Kugel aus dem Handgelenkt und guckt: Nur knapp rollt sie an der Zielkugel vorbei und bleibt dicht dort liegen – so soll es sein. Der Spieler, der am nächsten dran ist, erhält den Punkt. Gleich werden Freds Freunde eintreffen, dann wird es spannend: Je mehr Spieler beteiligt sind, desto kniffliger wird es. Am frühen Abend kommen immer mehr Boule-Gruppen. Meist spielen sie in Teams mit zwölf Kugeln. Spaziergänger gucken zu, manche wollen gerne mitspielen. Boule-Gruppen sind offen dafür, regelmäßig leihen sich Zuschauer im benachbarten Traditionslokal „Kastanie“ Kugeln aus und spielen dann den ganzen Abend mit.

Fred und seine Freunde gucken oft den Profis zu, die fast jeden Tag am Schloss Charlottenburg spielen. „Richtig professionell sind wir noch nicht“, sagt Fred. Ein Freund von ihm übt deshalb auf einer Spielekonsole, Fred nicht. Er kommt lieber in die Schloßstraße, guckt den Profis Tricks, Techniken und Kniffe ab und übt hier. Gewiefte Spieler können Kugeln des Gegners, die am Zielball liegen, mit einem Wurf wegschießen. Fred möchte auch so gut werden, er will in einen Verein eintreten und an Turnieren teilnehmen, seine eigene Ausrüstung hat er bereits. „Eigentlich war es meine Oma, die mir vor zwei Jahren das Boulen beigebracht hat“, sagt er. Die Großmutter freut es, auch wenn der Enkel immer öfter gegen sie gewinnt.

Szenenwechsel: Auf einer Wiese im Treptower Park stehen zwei junge Männer und spielen etwas, das wie Badminton aussieht – allerdings in einer Hochgeschwindigkeitsvariante. Speedminton nennt sich der Trendsport. Mit Gummibändern haben die beiden Spieler zwei Felder abgezirkelt. Beeindruckend schnell fegt der neonbunte Ball mit dem Plastikgefieder – der „Speeder“ – von links nach rechts, von rechts nach links. Ebenfalls sehr rasch kleben den Spielern die Haare an der Stirn, werden die Schweißflecken auf den T-Shirts größer.

Vor zwei Jahren ist Jan(23) auf Speedminton aufmerksam geworden. „Das Tolle ist, dass du kein Spielfeld brauchst. Du bringst deinen Court einfach mit“, sagt er und deutet auf die Gummibänder. Allerdings braucht man einen speziellen Schläger, dessen Rahmen und Saiten etwas aushalten. Auch einen Verein gibt es, die „Speedminton Gekkos Berlin“, gegründet im Jahr 2005. Mal sind die Gekkos im Treptower Park anzutreffen, mal auf dem Schlossplatz in Mitte oder dem Tempelhofer Feld – und jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr in der Indoor-Tennishalle am Columbiadamm 111.

(Mitarbeit: kst)